AK Studie: „Katze im Sack“ gekauft? – Bewertungsplattformen nicht blindlings vertrauen 1

Wien (OTS) - Online-Bewertungen haben großen Einfluss auf Kaufentscheidungen. KonsumentInnen sollen aber nicht völlig blind auf Kundenmeinungen bauen. Geben sie selbst eine Bewertung ab, sollten sie einige Regeln beachten. Die AK gibt in einer neuen Studie „Bewertungungsplattformen Pro und Contra“ einen Überblick über die Rechtslage sowie Tipps.

Laut Marktforschung orientieren sich 80 Prozent der KonsumentInnen bei Kaufentscheidungen an Empfehlungen von anderen KundInnen. KonsumentInnen bewerten mit ihren Kommentaren für andere KonsumentInnen fast alles, von Hotels, Ärzten bis hin zu Büchern. Oft sind es auch heikle Grenzfälle zwischen Meinungsfreiheit und Datenschutz, die von Gerichten entschieden werden müssen, etwa Professoren, die im Internet von Schülern beurteilt wurden.

„Konsumenten vertrauen häufig darauf, was andere über ein Produkt schreiben“, weiß AK Konsumentenschützerin Daniela Zimmer. „Sich vor einer Auswahlentscheidung von Online-Bewertungen beeinflussen zu lassen, ist – wenn etwa unabhängige Produkttests fehlen – naheliegend, aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen.“ Die AK Studie „Bewertungsplattformen Pro und Contra“ zeigt: Empfehlungen und Verrissen ist nicht immer zu trauen. Sogenannte Reputation Management Agenturen können im Auftrag von Unternehmen gezielt gefällige Bewertungen in die Welt setzen oder Mitbewerber schlechtreden. NutzerInnenkommentare haben auch nicht immer Aussagekraft – vieles ist eine Momentaufnahme und Geschmackssache. „Selten aber doch bringen sich auch Bewerter selbst mit rechtsverletzender Kritik in Schwierigkeiten“, sagt Zimmer. „Üble Nachrede oder Beleidigungen können mitunter sogar strafrechtliche Folgen haben.“

Was darf nun bewertet werden? Eine Lehrerbewertung in Form einer Benotung durch SchülerInnen auf einer allgemein zugänglichen Onlineplattform ist etwa in Deutschland grundsätzlich zulässig, befand 2009 der deutsche Bundesgerichtshof (BGH). Werturteile über die berufliche Tätigkeit einer Person fallen laut diesem Urteil in die sogenannte Sozialsphäre und genießen nicht denselben strengen Schutz wie die Privatsphäre. 2014 stellte der BGH zudem fest: Auch ein Arzt müsse dulden, dass seine Leistung von anonymen NutzerInnen auf einer Plattform öffentlich bewertet werde – nicht zuletzt bestehe bei freier Arztwahl ein erhebliches öffentliches Infointeresse. Der Verfassungsgerichtshof befasste sich kürzlich ebenfalls damit: Zweck der Ärzteplattform DocFinder sei der Meinungsaustausch unter PatienInnen. Ein begründungloses Widerspruchsrecht (konkret Löschrecht des Arztes) im Datenschutzgesetz widerspricht mangels Abwägung der Interessen der Meinungsfreiheit.

Was zeichnet verbraucherfreundliche Plattformen aus? Das sind etwa verständliche Erklärungen zur Bewertungsmethode, Angaben in Bezug auf die Unabhängigkeit und Finanzierung des Portals, leicht herstellbarer Kontakt zum Portalbetreiber, Angaben zum Datenschutz oder klare Trennung von echten Bewertungen und Werbung.

(Forts.)

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