Österreichs Bauerbe im Spannungsfeld von Denkmalschutz und Ökonomie

Bundesratspräsident Kneifel: Erhalt des baukulturellen Erbes muss neue Wege gehen

Wien (PK) - Österreich verfügt über ein reiches Erbe an Baukultur, das einen unverzichtbaren Bestandteil seiner nationalen Identität und Geschichte bildet. Die Erhaltung und Nutzung denkmalgeschützter Objekt stellt jedoch EigentümerInnen, PlanerInnen und politische Verantwortliche vor immer neue Herausforderungen. Bunderatspräsident Gottfried Kneifel lud deshalb heute Nachmittag zur Veranstaltung "Die Zukunft des baukulturellen Erbes" ins Parlament. In Vorträgen und Diskussionen mit Experten wurde versucht, auf Problemlagen hinzuweisen und konkrete Lösungs- und Verbesserungsvorschläge zu präsentieren.

Österreichs Bauerbe als identitätsstiftender und wirtschaftlicher Faktor

Das "gebaute Erbe Österreichs" ist einerseits ein wichtiges Element der Identitätsstiftung. Baudenkmäler sind jedoch auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, da sie eine der größten touristischen Attraktionen des Landes darstellen, gab Kneifel in seiner Begrüßungsrede zu bedenken. Denkmalschutz sei eine gesamtstaatliche Aufgabe für Bund, Länder und EigentümerInnen, sagte der Bundesratspräsident und forderte einen proaktiven Zugang zur Erhaltung des kulturellen Erbes. Er sah die heutige Veranstaltung auch als Vorbereitung auf das "Europäische Jahr des kulturellen Erbes", welches der Europarat für 2018 plant. Themen diese Jahres werden die kulturelle Vielfalt, die Auswirkungen des demographischen Wandels und Fragen der Nachhaltigkeit sein.

Baudenkmälern droht Gefahr durch ökonomische Entwertung

Unter dem Titel "Situationsanalyse und Großwetterlage" hielt der oberösterreichische Landeskonservator a.D. Wilfried Lipp ein Impulsreferat, in dem er die Perspektiven der Erhaltung des baukulturellen Erbes thematisierte. Laut Bundesdenkmalamt umfasste dieses Erbe Ende 2014 insgesamt 37.597 Objekte in Form von unter Schutz stehenden Baudenkmälern. Hinzu kämen jedoch noch zahlreiche Gebäude, die nicht unter Schutz stehen, die jedoch Ortsbilder und Kulturlandschaft wesentlich prägen, erläuterte Lipp. Die als erhaltenswert betrachtete Substanz umfasse daher schätzungsweise bis zu 10 % des Baubestands in Österreich.

Die zunehmende Dynamik der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung bringe neue Formen der Gefährdung von historischer Architektur mit sich. Das Verständnis für ihren Wert gehe verloren, und individuelle und ökonomische Interessen erhielten stärkeres Gewicht als das kollektive Interesse am Erhalt des Kulturerbes. Die Gesetzgebung auf Landes- und Bundesebene könne sicherlich vieles zur Verbesserung der Situation beitragen, meinte Lipp. Die Voraussetzung dafür sei jedoch ein klares Bekenntnis zum Wert des kulturellen Erbes. Als Grundproblem sehe er allerdings, dass sich heute eine große Schere zwischen dem ideellen Wert und der materiellen Bewertung von geschützten Bauten auftue. Für Eigentümer gestalte sich die wirtschaftliche Nutzung von denkmalgeschützten Bauten daher oft schwierig und es fehle an Anreizen zu Investitionen. In diesem Bereich müssten daher auch Banken und Versicherungen in die Überlegungen einbezogen werden, gab Lipp zu bedenken.

Denkmalschutz zwischen gesetzlichen Vorgaben und Praxis

Aus der Praxis des Denkmalpflegers berichtete außerdem Egon Greipl, Generalkonservator a.D. und Stadtrat der Stadt Passau. Internationale Vergleiche über den Umgang mit der Erhaltung des baukulturellen Erbes stellte der Wiener Bundesrat a.D. Albrecht Konecny an. Inwieweit Normen für den Umgang mit denkmalgeschützten Objekten eine Nutzungshilfe oder eine Beschränkung darstellen, erörterte Burghauptmann Reinhold Sahl (Burghauptmannschaft Österreich). Johannes Kyrle sprach als Obmann des Interessensverbandes "Land&Forst Betriebe Niederösterreich" über den Umgang mit praktisch ertragslosem Eigentum. In seiner Zusammenfassung der aufgeworfenen Fragen formulierte schließlich Georg Spiegelfeld-Schneeburg, Präsident der Gesellschaft für Landeskunde und Denkmalpflege Oberösterreich, Ziele für eine moderne und sanfte Bewirtschaftung des baukulturellen Erbes. (Schluss) sox

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