„Am Schauplatz“-Reportage „Ausgespielt“ am 5. November im ORF

Kann ein Verbot Spielsüchtige tatsächlich vom Spielen abhalten?

Wien (OTS) - Die Stadt Wien hat Anfang des Jahres das „Kleine Glücksspiel“ verboten. Das sind jene Automaten, die außerhalb staatlicher Casinos aufgestellt sind. Sie würden zu schnell süchtig machen und hohe Spielverluste verursachen, kritisieren viele Experten schon lange. Aber die Glücksspielindustrie gibt das lukrative Geschäft nicht so einfach auf. Immer neue Anbieter versuchen mit vielerlei Tricks, weiter an das Geld der Spieler zu kommen. Rund 300 illegale Apparate stehen derzeit in Wien, schätzt die Finanzpolizei.

Was hat das Verbot eigentlich gebracht? Kann ein Verbot Spielsüchtige tatsächlich vom Spielen abhalten oder steigen sie lediglich auf andere Angebote um? Dieser Frage ist Christine Grabner in der „Am Schauplatz“-Reportage „Ausgespielt“ nachgegangen, die am Donnerstag, dem 5. November 2015, um 21.05 Uhr in ORF 2 zu sehen ist. Sie hat viele Wochen im Milieu recherchiert, hat in Hinterzimmern illegale Spielautomaten aufgespürt und war auf Razzia mit der Finanzpolizei. Und sie hat unzählige Spieler getroffen und sich ihre Schicksale angehört.

Robert P. war ein klassischer Automaten-Süchtiger. Schon als Kind hat ihn seine Mutter mit in die privaten Casinos im Wiener Prater genommen. Karusselle standen hier jahrzehntelang neben Geldspielgeräten. „Schau Roberti! Auf den Knopf musst du draufdrucken!“, habe die Mama immer gesagt. Als 15-Jähriger verzockt Robert sein erstes eigenes Geld. Zugangskontrollen existierten in ganz Wien nicht. Jahrelang hat er alles, was er als Schausteller verdiente, wieder in die Automaten geworfen. Das Verbot habe ihn gerettet, sagt Robert P. „Die Rollläden in den Prater-Casinos gingen herunter – und ab dem Moment interessierte mich Glücksspiel nicht mehr.“

Andere Spieler weichen aus. Ins nahe Ausland etwa, so wie der 70-jährige Josef K. Er und sein Sohn, beide spielsüchtig, spielen aber jetzt weniger als früher: „Tschechien ist weit weg. Eigentlich bin ich in Österreich ja gesperrt. Nur in Wien konnte ich trotzdem spielen, weil es niemand kontrollierte.“ Mitunter hat Herr K. an einem Nachmittag 6.000 Euro verspielt. Und wenn er pleite war, hat er alles verpfändet, sogar den Schmuck seiner Frau. Der 70-Jährige ist jetzt vor Gericht gezogen. Gegen die Glücksspielindustrie. Er will einen Teil seiner Verluste zurück. Sein Argument neben der Spielsucht: Die möglichen Einsätze beim kleinen Glücksspiel seien viel höher gewesen als gesetzlich erlaubt.

Die Sendung ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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