Bildungsbenachteiligung und Schulabbruch: Strukturelle Ursachen und die Rolle der Bildungs- und Berufsberatung

Auf der Euroguidance-Fachtagung am 3. November wurden Lösungsansätze zur Senkung der Schulabbrecherquote präsentiert.

Wien (OTS) - Sieben Prozent der heimischen 18- bis 24-Jährigen brechen laut Bildungsministerium vorzeitig ihre Ausbildung ab. Verglichen mit dem EU-Durchschnitt von 12,7 Prozent (Europäische Kommission) steht Österreich gut da. In Zahlen gemessen sind es dennoch 53.000 junge Menschen, die jedes Jahr ihre Ausbildung an den Nagel hängen. Individuen und Gesellschaft tragen dadurch benachteiligende Folgewirkungen und hohe Folgekosten. Die Verringerung der Anzahl der Schulabbrecher/innen ist ein Kernziel von Europa 2020. Auf der Euroguidance-Fachtagung am 3. November in Wien beleuchteten Expertinnen und Experten die strukturellen Ursachen von Bildungsbenachteiligung und frühem Schulabbruch, die dem individuellen Scheitern zu Grunde liegen.

Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie Schülerinnen und Schüler gestärkt und Schulen unterstützt werden können, damit Bildungswege gelingen und Abbrüche vermieden werden. "Guidance", die frühzeitige professionelle Information, Beratung und Orientierung, wurde als ein Schlüssel identifiziert.

Frank-Olaf Radtke von der Universität Frankfurt lenkte den Blick auf systemische Ursachen von Bildungsbenachteiligung und frühem Schulabbruch. Frühe Selektion, schlechtere Schullaufbahnempfehlungen und negative Zuschreibungspraktiken spielen in Bezug auf die Benachteiligung von Kindern aus schwächeren sozioökonomischen Milieus eine wichtige Rolle. Petra Goran von der Europäischen Kommission präsentierte Empfehlungen, die zur Verhinderung von frühem Schulabbruch ausgearbeitet wurden. Durch einen ganzheitlichen Strategieansatz an Schulen, an denen alle Beteiligten am Schulstandort mitwirken, kann Schulabbruch erfahrungsgemäß weitgehend verhindert werden. Lernende sollen vielmehr als bisher ins Zentrum gestellt werden.

Der wichtigste Faktor für Schulabbruch ist der sozio-ökonomische Hintergrund, der Migrationshintergrund ist zweitrangig. Winfried Moser und Korinna Lindinger vom Institut für Kinderrechte und Elternbildung empfehlen, passende Bildungsangebote sowie Wiedereinstiegs- und Umstiegsmöglichkeiten für all jene zu schaffen, die erst später ihren Abschluss nachholen. Sie verweisen auf Beispiele aus anderen EU-Staaten, insbesondere Osteuropa und Skandinavien, wo der Übergang von der Schule ins Berufsleben gut funktioniert. Das fußt auf dem hohen Vertrauen der Unternehmen in die zertifizierten, spezialisierten und transferierbaren Kompetenzen, die die Berufseinsteiger/innen in ihren Ausbildungen erworben haben. Bildungs- und beschäftigungsorientierte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen erleichtern den Übergang zusätzlich. Die Konferenz bot neben dem Plenum fünf parallele Methoden- und Diskussionsworkshops, in denen die rund 160 Teilnehmer/innen diskutieren konnten, wie Guidance zur Prävention beitragen und frühen Schulabbruch verhindern kann.

Euroguidance-Zentren: Europaweite Berufs- und Bildungsberatung Frühzeitige Information, Beratung und Orientierung von Schüler/innen und Eltern sind Schlüsselfaktoren für Entscheidungen in Bezug auf Bildungswege und Berufswahl. Die Europäische Kommission hat 1992 Drehscheiben für Berufs- und Bildungsberatung geschaffen: Die Euroguidance-Zentren in ganz Europa fungieren als Netzwerk für Bildungs- und Berufsberater/innen und informieren über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die nationalen Bildungssysteme, Mobilitätsmöglichkeiten und mehr. Das österreichische Euroguidance-Zentrum ist in die Nationalagentur für Erasmus+ Bildung in der OeAD-GmbH eingebunden.

Nachlese & Information:
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