Studie: Von der Altersmedizin zur Medizin des Altwerdens

Linz (OTS) - Die Gesellschaft der Zukunft ist eine Gesellschaft des „Altwerdens“: Im Jahr 2030 wird in Österreich fast jeder Dritte 60 Jahre und älter sein. Medizinische Einrichtungen werden sich daher verstärkt mit einer „Medizin des Altwerdens“ auseinandersetzen müssen. Die Vinzenz Gruppe hat aus diesem Grund das Zukunftsinstitut mit einer Studie zu diesem Thema beauftragt. Der Fokus der Trendstudie liegt auf den künftigen Anforderungen an die Gesundheitsversorgung und einer dazu passenden möglichen neuen Struktur einer medizinischen Krankenhaus-Abteilung.

Warum brauchen wir eine neue Form von Altersmedizin? Es wäre zu einfach, bei diesem Thema den demographischen Wandel vorzuschieben. Denn Altersmedizin bekommt in Zukunft vor allem einen neuen Stellenwert, weil sich unsere Vorstellung vom Leben und Altern massiv geändert hat. Und weil Gesundheit einen gigantischen Stellenwert in unserer Gesellschaft erreicht hat. Nicht nur hierzulande, auch global erhöhen sich mit dem Etablieren von Mittelschichten die Ansprüche an das eigene Leben und die damit einhergehenden Vorstellungen vom gesunden Leben.

An der Schnittstelle von Alter und Medizin haben wir – trotz medizinischen Know-hows –wenig praktische Erfahrungen. Wir stehen sozusagen am Beginn davon, unser Wissen der Praxis anzunähern. Dazu meint der Auftraggeber der Studie Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Lampl, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz: „Die Schwierigkeiten bilden nicht einzelne Wissensfelder und Disziplinen. Die Herausforderung liegt darin, das Feld Altersmedizin als eines zu denken, obwohl es viele sind.“ Dies ist natürlich nicht so einfach. Schon die Vorstellungen, was denn im Alter richtig und gut ist, gehen auseinander. Und die Anforderungen an „Alter“ auch. Es ist schon allein die Frage: Wo beginnt man denn, sich auf eine Medizin einzustellen, die das „Alter“ im Fokus hat? Was ist eine Krankheit, was ein altersbezogener Normalzustand? Benötigen wir dazu eigene stationäre Einrichtungen oder ist Altersmedizin allgegenwärtig?

Die nun vorliegende Studie nähert sich diesen Fragen und wendet sie auf die Region Oberösterreich an. Studienautor und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Harry Gatterer erklärt dazu: „Uns war wichtig zu definieren, wie eine Abteilungsstruktur sein müsste, um den Erwartungen an eine allumfassende „Altersmedizin“ gerecht zu werden. Und wir wollten herausfinden, was die rechtzeitige Beschäftigung mit der Altersmedizin für eine Region bedeuten kann. Aus diesem Grund sprechen wir auch ganz bewusst nicht passiv von der Altersmedizin, denn dieser Begriff täuscht eine abgeschlossene Fachrichtung vor. Vielmehr empfehlen wir, von einer Medizin des Altwerdens zu sprechen, um den Alterungsprozess der Menschen aktiv in den medizinischen Betrieb zu integrieren.“

Die „Medizin des Altwerdens“ ist also keine eigene Disziplin, sondern eine übergeordnete Kompetenz, die als Brückenbauer zwischen diversen Spezialausrichtungen dient. „Für Oberösterreich bietet sich jetzt die Chance, aktiv voranzugehen und damit vorbildliche und praktikable Modelle für fortschrittliche Rahmenbedingungen unserer älter werdenden Gesellschaft zu schaffen.“ erklärt Prof. Dr. Christian Lampl.

Die Kernaussagen der Studie im Überblick
- Die Lebensphase des „Altwerdens“ ist neu – deshalb ist es eine gesellschaftspolitische Pflicht, sich mit den nötigen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Dabei muss das Altersbild der Realität angepasst werden – der gegenwärtigen wie der zukünftigen. Es ist wichtig, die Optionen aufzuzeigen, die ältere Menschen haben. Viele wissen einfach nicht, was möglich ist – auf allen Seiten.
- Von der „Altersmedizin“ zur „Medizin des Altwerdens“: Die zentralen Aufgaben einer Abteilung werden erweitert. Die „Medizin des Altwerdens“ ist in Zukunft mehr denn je inter- bzw. transdisziplinär, was eine Systemumstellung zur Folge haben muss. Wir befinden uns am Übergang vom Wissen zum Tun und haben nun die Chance zu handeln. Die Abteilung wird so zum Meta-Kompetenzzentrum: Vernetzt, selbstlernend, immer up to date, offen und flexibel.
- Die „Medizin des Altwerdens“ ist außerdem eine Hightech-Medizin – Techniker und IT-Spezialisten sind Teil des Teams. Das bedeutet auch:
In der Wissensgesellschaft wird die isolierte Fachkraft uninteressant, der vernetzte Gesundheitsexperte nachgefragt wie nie. - Es wird nicht länger ein Entweder-Oder der Wahrheiten geben, sondern ein Miteinander der Wissenschaften im Dienste des Individuums. Die Herangehensweise verändert sich vom Behandeln hin zum Begleiten: Die „Medizin des Altwerdens“ ist damit ein Prozess und keine punktuelle Intervention.
- Ältere Migranten werden beim Thema „neue Altersbilder“ so gut wie gar nicht bedacht. Bei der Integration von jungen Migranten könnten diese jedoch viel Unterstützung leisten.

Bildmaterial und die Studie verfügbar unter www.vinzenzgruppe.at/presse

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