Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 1. November 2015; Leitartikel von Liane Pircher: "Der Feind auf meinem Teller"

Innsbruck (OTS) - Fleisch und Wurst zu essen, heißt nicht, automatisch an Krebs zu erkranken. Die WHO-Studie zeigt, wie paranoid weltweit auf Ernährungsstudien reagiert wird.

Der Schock saß. Tierschutzorganisationen jubelten. Und in Medien und sozialen Foren wurde die ganze Woche weltweit darüber heftig diskutiert. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, eine WHO-Behörde, hatte in diesen Tagen davor gewarnt, dass der regelmäßige Verzehr von verarbeitetem Fleisch wie Wurst oder Schinken das Krebsrisiko erhöhe. Demnach gehen pro Jahr 34.000 Krebstodesfälle auf verarbeitetes Fleisch und 50.000 auf rotes Fleisch zurück. Beides wurde in einem Atemzug mit gefährlichen Krebserregern wie Asbest, Alkohol und Tabak genannt. Ein Fazit der Studie: Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, erhöht sich um 18 Prozent, wenn man täglich 50 Gramm (das sind laut Auskunft einer hiesigen Wurstverkäuferin ungefähr zwölf Scheiben Salami) verarbeitetes Fleisch verzehrt. Bei rotem Fleisch könnte der Konsum von 100 Gramm täglich das Darmkrebsrisiko um 17 Prozent erhöhen.
Anlass zur Panik? Definitiv nein. Erstens ist diese Beziehung zwischen häufigen Fleischkonsum und Krebs schon lange bekannt, nur wurde es bis dato nicht mit so großer Kraft kommuniziert. Zweitens ließe sich die Menge anderer möglicher krebserregender Substanzen, denen wir tagtäglich auf unseren Tellern begegnen, endlos fortsetzen. Ein Problem des modernen Menschen ist generell, dass dieser zu viel an industriell verarbeiteten Lebensmitteln konsumiert, was sich ungünstig auf die Gesundheit auswirken kann. Auch dazu gibt es Studien. Der Schlüssel für eine gesunde Ernährung dürfte in Mäßigung und einer ausgewogenen Nahrungszufuhr liegen - da darf hin und wieder ein lustvoller Biss in ein saftiges Steak dazugehören. Glücksmomente sollen ja auch lebensverlängernd sein.

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