Pachtzinshöhe des Stifts Klosterneuburg nicht nachvollziehbar

Wo endet der freie Markt und wo beginnt der Wucher*?

Langenzersdorf (OTS) -

Kristallkugel oder Würfelspiel?

Jüngst präsentierte der Pächterverein der Gemeinde Langenzersdorf, wo mehr als tausend Pächter im Laufe der letzten Jahrzehnte ihre Häuser auf Stiftsgrund errichtet haben, bei seiner Generalversammlung einen Ortsplan mit aktuellen Pachtzinsen. Es wurden in diesem Plan die seit rund einem Jahr von Immobilienmaklern inserierten Pachtzinse bei Erwerb von Neubauten und auch die verlangten Pachtzinse bei Weitergabe der Häuser an Nachpächter eingetragen. Damit ist eine nicht nachvollziehbare Praktik des Stifts zu Tage getreten:

In Bestlagen (am Fuße des Bisambergs) werden 4,58 und 6,-- Euro/m2 von Neupächtern verlangt und im Siedlungsgebiet entlang der Autobahn A22 (die trotz Lärmschutzwand zu einer immer größeren Lärmbelastung wird, ganz abgesehen von den Emissionen!) zwischen ca. 6,-- und mehr als 10,- Euro/m2! Hier führt auch noch eine - möglicherweise gesundheitsgefährdende - 110 kV- Hochspannungsleitung quer über die gesamte Siedlung.
Ein anderes Beispiel: Warum wird der Pachtzins für zwei Grundstücke in der gleichen Straße, nur 300m voneinander entfernt und ungefähr gleich weit weg von der Autobahn, einerseits mit Euro 6,09/m2 und andererseits mit Euro 10,36/m2 festgesetzt?

Zur Historie:

vor fast 1000 Jahren schenkte Marktgraf Leopold III. dem Stift Klosterneuburg ganze Landstriche entlang der Donau (von der Wachau bis Wien reichend), welche bis zu den Donauregulierungen praktisch wertloser Boden waren - Augebiete, Sümpfe, Wiesen, etc. Erst die anschließende Urbarmachung (Aurodungen) durch Pächter, beginnend nach dem Ersten Weltkrieg, machte dieses Land brauchbar für Wohnsiedlungen. Die für die Grundstücke notwendigen Aufschließungsgebühren für Kanal, Wasser, Gas, Strom, Straßen und Gehsteige mussten immer von den "Häuslbauern" entrichtet werden. Vor Ende des Zweiten Weltkrieges kam es durch die zahlreichen Bombenabwürfe zwischen Tulln und Wien ("Ölziele", Bahnlinien, Donau-Schifffahrt und Fabriken zur Kriegsmaterialherstellung) in Langenzersdorf zu großen Schäden. Das Siedlungsgebiet war mit Bombentrichtern übersät, die Bomben sollten sowohl die Raffinerie im Tuttendörfl, als auch die Bahnlinie und das Trautzl-Werk in der Scheydgasse treffen. Diese Mulden wurden in der Folge mit Müll und Bauschutt von den damaligen örtlichen und Wiener Müllentsorgungsunternehmen befüllt, teilweise bis in die späten 70er-Jahre, solange diese Teile des Orts noch nicht in Bauland umgewidmet waren. Heute muss so mancher Häuslbauer deswegen - unter anderem - Setzungen und Risse in seinen Mauern hinnehmen. Wo bleiben die Pflichten des Grundeigentümers bezüglich Bodenbeschaffenheit?

Und heute?

Heute macht sich das Stift Klosterneuburg die Mühen und Investitionen dieser Pioniere und auch der Allgemeinheit zunutze, indem sie von Neupächtern ein Vielfaches jenes Pachtzinses verlangt, den die sogenannten "Altpächter" zu entrichten hatten, wobei ohnehin eine Wertsicherung gemäß Bauhilfsarbeiter-Lohnindex verlangt wurde, welcher im Vergleich zum Verbraucherpreisindex weitaus höher liegt. Durch die erhöhten Pachtzinse sinken aber im entsprechenden Ausmaß die für die Häuser erzielbaren Verkaufspreise.
Soweit bekannt, soll die Basis für die Berechnung des Pachtzinses der angebliche Grundstückswert (eines bestandsfreien, baureifen Bauplatzes) sein, welcher mit einem (top wertgesicherten) Realzins von 3 % verzinst werden soll, was ebenfalls nicht nachvollziehbar ist, weil ein solcher Zinssatz im Wohnungsmietenbereich angewendet wird, wo auch der Erhaltungs- und Renovierungs-Aufwand des Vermieters abgedeckt werden muss. Bei Grund und Boden gibt es einen solchen Aufwand aber nicht! Die Baurechtsaktionen des Landes NÖ begnügen sich daher mit lediglich 1 % des Grundstückswertes (VPI-gesichert) als Pachtzins und es gibt überdies noch eine Option, das Grundstück zu einem fairen Preis zu kaufen!
Wo bleibt also hier die Fairness den abhängigen Häuslbauern gegenüber?
Wo bleibt die Gemeinde Langenzersdorf, die ihre rund 3.000 Bürger auf Pachtgrund vor solchen Praktiken schützen sollte?

Forderung des Pächtervereins Langenzersdorf:

Der Pächterverein Langenzersdorf fordert daher vom Stift Klosterneuburg eine faire Berechnungsmethode und eine Zoneneinteilung des Orts, anhand derer neu vereinbarte Pachtzinse in einer jeweils nachvollziehbaren Weise festgelegt werden!

* Gutachten 2 Dr. Würth/05.12.2007

Rückfragen & Kontakt:

Pächterverein Langenzersdorf
Elisabeth Weidenthaler
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