Unterrainer: Offener Brief an die Westbahn-Geschäftsführung

Wien (OTS/SK) - "Sehr geehrte Geschäftsführung der Westbahn!

Ein Sturm der Entrüstung ging dieser Tage durch Österreich, als sie Flüchtlinge zum Anlass nahmen, Stationsentgelt einzubehalten und von den ÖBB Ausgleichsleistungen einforderten. Mit anderen Worten: Sie wollten Kapital aus der Hilflosigkeit anderer schlagen. Selbstverschuldet, durch unehrliche öffentliche Kommunikation verstärkt, brach ein ganzer Schwall an Unmutsbekundungen über ihr Unternehmen herein, gerade in den Sozialen Medien.
Verstärkt wurde dieser Umstand von der unprofessionellen Krisenkommunikation, welche die Tatsachen herunterspielte, bis der Falter-Journalist Florian Klenk ihren Brief an die ÖBB auf Facebook und Twitter veröffentlichte. Auf Facebook versuchten sie den Brief zu löschen, doch das Internet vergisst nicht. Ehrlichkeit währt am Längsten, auch was die Kommunikation und gerade was das Geschäftsgebahren betrifft.

Die ÖBB haben hingegen von der ersten Stunde an Haltung gezeigt. Die ÖBB haben verstanden, dass Verkehrsbetrieben, gerade in Zeiten von großen Herausforderungen, höhere gesellschaftliche Verantwortung zukommt. Dies gilt auch für Privatunternehmen und die sogenannte Zivilgesellschaft - immerhin haben in den letzten Wochen unzählige Unternehmen und Privatpersonen geholfen und damit Haltung bewiesen.

Freiwillige, die am Westbahnhof aushalfen, berichteten mir über die große Anteilnahme und Bereitschaft der Reisenden - Beschwerden über mangelnde Sicherheit waren dabei kaum bis nie Thema. Genau diesen Punkt aber führten sie als Grund für ihre überzogenen Forderungen an.

Ich bin jedenfalls überzeugt, dass man hilfesuchende Menschen nicht gegeneinander ausspielen soll, dass Menschen, die nur ihr nacktes Leben retten, keine Gefahr darstellen. Schutz- und Hilfesuchende sollen auch nicht als Sündenbock herhalten müssen. Zu Risiken und Nebenwirkungen empfiehlt sich das Studium von Geschichtsbüchern.

Der entstandene Schaden, den sie in der öffentlichen Wahrnehmung "erlitten" haben, wird in keiner Relation zur erhofften Kostenreduktion stehen. Dies sollte Grund genug für sie sein, ihre Gangart zu überdenken. Unsolidarisches und unmenschliches Handeln von Unternehmen bleiben nicht mehr ungehört - den Schaden müssen allein die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter austragen. Der nächste Schritt in einer Kette von Zynismus. Für ein Verkehrsunternehmen steht wahrscheinlich für wie kein anderes Unternehmen das Miteinander und Zusammenbringen von unterschiedlichen Menschen im Vordergrund. Für mich als SPÖ-Tourismussprecher sind Verkehrsbetriebe ein Aushängeschild der Republik - im Guten wie im Schlechten. Sehr geehrte Geschäftsführung, nehmen sie Haltung an, entschuldigen sie sich und bringen sie ihre Unternehmenskultur auf neue Schienen!

Mit freundlichen Grüßen,
Max Unterrainer, SPÖ-Tourismussprecher"

(Schluss) ve/rm/mp

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