Gendersensible Krebsforschung an der IMC FH Krems

Krems (OTS) - Ein zentraler Schritt in der Weiterentwicklung der Forschungsaktivitäten ist der IMC FH Krems gelungen. Die junge Biotechnologin DI(FH) Rita Seeböck, PhD erhielt den Zuschlag für ein FEMtech-Projekt, das auf geschlechtsspezifische Unterschiede, die für die Entwicklung von Lungenkrebs relevant sind, fokussiert ist. Bei gleichem Rauchverhalten haben Frauen ein höheres Risiko ein Lungenkarzinom zu entwickeln als Männer. Die Forschungsarbeit von Rita Seeböck soll die Auswirkungen des Geschlechts auf das DNA-Methylierungsmuster des Tumors und auf die Wirksamkeit moderner epigenetischer Therapien erforschen und durch eine bessere Differenzierung eine personalisierte sowie gendersensible Therapie möglich machen. Forschungspartner ist das Pathologielabor Dr. Obrist & Dr. Brunhuber OG in Zams, Tirol.

Lungenkrebs ist in Österreich die zweithäufigste Krebserkrankung bei Männern und die dritthäufigste bei Frauen. "Auffallend ist, dass die Sterberate der an Lungenkrebs erkrankten Männer im letzten Jahrzehnt um knapp 20 % gesunken ist. Gleichzeitig stieg jedoch die Rate der Frauen um fast 30 % an. Lungenkrebs ist die einzige Tumorentität, bei der dieser Unterschied auftritt. Unsere Forschung versucht nun diagnostische Parameter festzumachen, die eine gendersensible Therapie ermöglichen." Da Männer nach wie vor die größere Patientengruppe ausmachen, wurden bisherige Therapien eher auf eine männliche Kohorte abgestimmt. Frauen reagieren jedoch wesentlich schneller und intensiver auf das Rauchen und entwickeln eher Tumore -unter anderem bedingt durch das Östrogen, das den zellulären Schädigungsprozess beschleunigen kann. "Ziel des Projekts ist es, diagnostische Marker zu finden, durch die Männer und Frauen die jeweils beste Therapie erhalten können", erklärt Rita Seeböck.

Vorarbeit für personalisierte Gender-Medizin

FEMtech ist eine Initiative des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT), die Chancengleichheit, Bewusstseinsbildung und Sichtbarmachung von Frauen in Forschung und Technologie fördert. Unter zahlreichen Bewerbungen ging das vielversprechende Forschungsprojekt von DI(FH) Rita Seeböck, PhD, Projektleiterin im Department Life Sciences an der IMC FH Krems, als förderwürdig hervor und wird nun über einen Zeitraum von drei Jahren unterstützt. Die junge Forscherin leitet das Projekt "DNA Methylierung im Lungenkrebs und ihre geschlechtsspezifische Auswirkung auf die Effizienz epigenetischer Therapien" und stellt sich mit viel Elan den Herausforderungen. Der Forschungsschwerpunkt auf Biomarker wird an der Fachhochschule somit verstärkt und will von Rita Seeböck auch noch über dieses Projekt hinaus intensiviert werden. FEMtech ist an der IMC FH Krems nicht neu, denn schon seit 2012 ist mit Dr.in Elisabeth Hofmann eine Genderexpertin vor Ort, die auch ein eigenes FEMtech-Projekt leitet. "Das Genderbewusstsein wird durch FEMtech-Projekte gestärkt und kann so auch besser an die Studenten weitergegeben werden", freut sich Seeböck für die Fachhochschule, an der sie im Bereich "Medizinische und Pharmazeutische Biotechnologie" tätig ist. Mit dem Projekt gewinnt die FH auch einen wertvollen Forschungspartner im Pathologielabor Dr. Obrist & Dr. Brunhuber OG in Zams, Tirol, dazu. "Diese Nähe zur Klinik und den Patienten ermöglicht eine optimale Interaktion, und zwar in dem Sinne, dass wir umsetzbare Diagnostika etablieren und an tatsächlichen Patientenproben entwickeln können. All das macht das Projekt zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten: uns Forscherinnen und Forscher, die Fachhochschule und das Labor - und letztlich natürlich auch die Patientinnen und Patienten."

Hohes Potenzial für die Zukunft

Das FEMtech-Projekt wird keine neuen Therapiestrategien gegen Lungenkrebs erstellen, aber bestehende Therapien können dadurch besser zugewiesen werden. "Wir möchten ein diagnostisches Tool entwickeln, das in der Routine leicht umsetzbar ist", meint dazu Rita Seeböck. Jeder Tumor hat unterschiedliche Veränderungen in der DNA, die das Ansprechen auf eine Therapie beeinflussen können. Die Analyse "klassischer" Tumormarker beeinflusst die prädiktive Diagnostik heute schon intensiv. Darüber hinaus werden epigenetische Veränderungen, vor allem für Lungenkrebspatientinnen und -patienten, in Zukunft eine wichtige Ebene der Tumorcharakterisierung und -diagnostik darstellen. Diese epigenetischen Veränderungen analysiert das Forscherteam rund um Rita Seeböck, um daraus neue Diagnostikmethoden zu entwickeln. Der gendersensible Einsatz bestehender Therapeutika ermöglicht dadurch eine effizientere Behandlung und eine reduzierte Belastung der Patienten.

"Wir wollen die heutige State-of-the-art Diagnostik an Komplexität erweitern, indem wir epigenetische Biomarker analysieren und uns das Patientengeschlecht als sehr einflussreich bewusst machen." Projektleiterin DI(FH) Rita Seeböck, PhD

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DI (FH) Rita Seeböck, PhD
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