Hugo Portisch in Ö3-"Frühstück bei mir" über Angela Merkels Haltung in der Flüchtlingsfrage: "Sie möchte die deutsche Schuld abtragen."

Der Starjournalist spricht auf Ö3 über die Flüchtlingsfrage, die Präsidentschaftswahl und den plötzlichen Tod seines Sohnes vor vier Jahren.

Wien (OTS) - Er ist für viele der "bekannteste Geschichtelehrer der Nation" und als solcher erklärte Starjournalist Hugo Portisch heute auch in Ö3-"Frühstück bei mir" Angela Merkels freundlichen Kurs in der Flüchtlingsfrage: "Angela Merkel sieht noch immer die gesamte deutsche Schuld auf ihren Schultern lasten. Jeder deutsche Kanzler hat das anerkennenswert mitgetragen und hat gesagt: 'Wir haben das angestellt, wir haben den Holocaust gemacht, wir haben andere Völker unterjocht, wir haben eine Schuld abzutragen.' Es hat noch niemand so gesagt, aber man kann es ruhig so sehen: Merkel möchte die deutsche Schuld abtragen. Sie sagt: 'Weil es deutsche Schuld gegeben hat, ist es deutsche Pflicht menschlich zu handeln.' Nur hat sie das zu einladend gesagt."

Die Flüchtlingsfrage müsse jetzt auf diplomatischer Ebene gelöst werden, meinte Portisch auf Ö3: "Putin und Obama müssen sich in der Assad-Frage einigen. Wegen eines Mannes, der bleibt oder weg muss -das muss doch auszuhandeln sein." Über das Erstarken der rechten Kräfte in Österreich sagte der große Kommentator, der vorgestern auch seine neue Autobiografie "Aufregend war es immer" präsentiert hatte:
"Das Erheben gegen die Fremden ist eine globale Erscheinung. Und das kann man leicht ausnützen, wenn über Nacht viele Flüchtlinge kommen. Und da können die Populisten schnell die Leute aufwiegeln. Aber Volksverhetzung ist strafbar. Aber bei uns können Politiker sogar auf Twitter und Facebook jede Volksverhetzung betreiben, die ihnen Spaß macht und es wird nicht verfolgt. Das halte ich für eine Feigheit der Demokraten."

Über die Wahl zum Bundespräsidenten im nächsten Jahr meint er nur:
"Der nächste Bundespräsident sollte ein überzeugter Pro-Europäer sein. Ansonsten bin ich sein Gegner." Für Entsetzen sorgt bei Portisch der derzeitige Präsidentschaftswahlkampf in den USA: "Donald Trump ist zwar reich, aber dumm."

Im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl erzählte der lebenslustige Fernsehmacher, der "What A Wonderful World" als seinen Leit-Song angab, auch erstmals über seinen bittersten Verlust: Sein Sohn Edgar starb 2011 mit 61 in Madagaskar an der Tropenkrankheit Bilharziose. Hugo Portisch auf Ö3: "Mein Sohn wurde geheilt aus dem Spital entlassen und wollte auf die Insel Réunion zur Erholung fliegen. Was er aber dann gemacht hat, war Wahnsinn: Er hat sich noch den Laptop von zuhause geholt und ist von 0 Meter Meeresspiegel auf 1200 Meter in einem Zug gefahren. Wie er oben angekommen ist, war ihm schlecht - im Rettungsauto ist er dann gestorben: Herzstillstand." Was den 88-jährigen getröstet hat? "Meinen Sohn zu verlieren war mehr als ein Kind zu verlieren - er war ein ganz enger Freund. Aber meine Frau und ich haben uns gesagt: 'Er hat bis zum Schluss gelebt wie es für ihn typisch war - immer in Bewegung, irgendwie verrückt, engagiert.' Es hat ihm einfach ähnlich gesehen wie er gegangen ist. Ich sage immer lachend: 'Er könnte gar nicht besser gestorben sein als sich selbst zu ruinieren'."

Für die Zukunft macht Portisch keine Pläne: "Ich habe gar nichts vor, außer dass ich mir noch etwas anschauen möchte auf der Welt - gewisse Teile von Frankreich, Spanien, Osteuropa. Falls ich abtreten sollte, ist alles geregelt. Was wird mit dem Haus geschehen, wer nimmt den Hund - ist alles mit meiner Frau ausgemacht. Traudi und ich hoffen allerdings beide als erste zu sterben, das ist leichter als derjenige zu sein, der zurückbleibt. Für uns ist der Tod aber nur einen Lacher wert. Wir nehmen es so wie es kommt."

Ö3-"Frühstück bei mir" - das große Interview der Woche, Persönlichkeiten ganz persönlich - jeden Sonntag von 9.00 bis 11.00 Uhr im Hitradio Ö3 und zum Nachhören online auf http://oe3.orf.at.

Weitere Termine mit Hugo Portisch demnächst im ORF

ORF III sendet die dritte Tranche der Reihe "Österreich II" mit den Folgen 25 bis 31. Die Ausstrahlung der dritten Staffel, die Österreichs Weg nach der Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 bis zur Kreisky-Ära beschreibt, startet traditionell wieder am Nationalfeiertagswochenende: am Samstag, dem 24. Oktober, um 20.15 Uhr in ORF III und wird dann wöchentlich - bis inklusive 5. Dezember - immer im Samstag-Hauptabend fortgesetzt. Als besonderes Highlight zum Finale erwartet das Publikum am 2. Jänner 2016 eine neu produzierte 90-minütige Folge. Im Vorfeld des "Österreich II"-Starts ist Hugo Portisch, auch am Dienstag, dem 21. Oktober, Gast eines "erLesen Spezial" (20.15 Uhr, ORF III), am Donnerstag, dem 22. Oktober, im ORF-Nighttalk "Stöckl." (23.05 Uhr ORF 2) sowie am Freitag, dem 23. Oktober, in "heute leben" (17.30 Uhr, ORF 2).

Rückfragen & Kontakt:

Hitradio Ö3 Öffentlichkeitsarbeit
Verena Enzi
+43 (1) 360 69 – 19120
verena.enzi@orf.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HOA0001