Aus „High-Noon“ in Wien ist nichts geworden

Wien-Wahl: OÖNachrichten; Leitartikel von Gerald Mandlbauer

Linz (OTS) - Wels ist gestern nicht Wien gewesen, Wien nicht Wels. Die siebtgrößte österreichische Stadt, seit 70 Jahren eine Bank für die Sozialdemokratie, hat die Seiten gewechselt und bekommt mit Andreas Rabl einen freiheitlichen Bürgermeister. Konträr Wien, wo die Sozialdemokratie zwar Stimmen verloren hat, aber in viel geringerem Ausmaß als zuletzt prognostiziert. Ihr Machtverlust wird sich in Grenzen halten. Er wird geringer sein als der Stimmenverlust, Rot-Grün wird eine Fortsetzung erfahren.
Michael Häupl hat damit ein Ergebnis erzielt, das angesichts der Ausgangslage und der vorangegangenen drei Landtagswahlen eine ordentliche Schadensbegrenzung bedeutet. Die Wiener SP ist am Plafond des momentan Möglichen gelandet, was allerdings noch immer das zweitschlechteste Ergebnis seit 1945 bedeutet. Aber eben: Es hätte viel schlimmer kommen können.
Die ersten Berichte aus den Parteizentralen geben diese gefühlte Stimmung wieder. Die Freiheitlichen, als die Partei mit den größten Zugewinnen in Wien Wahlsieger, müssen mit einer großen Diskrepanz zwischen Erwartungen und Ergebnis leben. Das ist ihnen gestern sichtlich nicht leichtgefallen. HC Strache wurde schon euphorischer gesehen, der zähe Wahlabend mit dem langen Zuwarten und der bis zuletzt genährten Erwartung eines Kopf-an-Kopf-Rennens hat das seine zur Ernüchterung beigetragen. Und doch setzte sich der blaue Erfolgslauf fort, das darf in dieser Bewertung nicht übersehen werden.
Was hat den Ausschlag gegeben? Wahrscheinlich das Ausrufen eines Duells Häupl gegen Strache, ausgetragen mit konträren Positionen in der Asylfrage. Ohne nur das kleinste Zugeständnis an die Rechtspopulisten hat Michael Häupl das wahrscheinlich beste Ergebnis für die SPÖ herausgeholt, das sich in diesem Szenario hat einfahren lassen. Seine Politik des nie zögerlichen Dagegenhaltens hat Schlimmeres verhindert, die VP wurde in diesem Zweikampf total zerrieben.
Was heißt dies bundespolitisch? Der Vormarsch der FPÖ wird prolongiert, das große Beben bleibt vorerst jedoch aus. Michael Häupl, gestärkt, wird in der SPÖ noch dominanter sein. Vielleicht erkennt die Regierung dazu die Zeichen, die im Wiener Resultat zu erkennen sind: Dagegenhalten, sich was trauen, klare Meinung beziehen - dieses deutlich gelebte Verständnis von Politik muss nicht geradewegs in den Abgrund führen.

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