Umweltdachverband zu EU-Biodiversitätszielen 2020: Ernüchterung nach der 1. Halbzeit!

- Aktueller Mid-term Review der EU-Biodiversitätsstrategie zeigt: Erreichung der Ziele bis 2020 in weiter Ferne

Wien (OTS) - Verlust der Biodiversität und Ökosystemleistungen schreitet ungehindert voran
- Umweltdachverband fordert: Umsetzung von Natura 2000 und biodiversitätsfördernde Landwirtschaft müssen jetzt oberste Priorität haben!

Die EU-Biodiversitätsstrategie beinhaltet das Kernziel, bis 2020 den Verlust der Biodiversität und der Ökosystemleistungen aufzuhalten, die Ökosysteme bestmöglich wieder herzustellen und den Beitrag der EU zum Stopp des globalen Biodiversitätsverlustes zu erhöhen. "Der jetzt veröffentlichte Mid-term Review der Europäischen Kommission zeigt, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten weit davon entfernt sind, dieses Ziel zu erreichen. Der Biodiversitätsverlust und die Verschlechterung der wertvollen Ökosystemleistungen schreiten weiter voran und die Hauptbedrohungen der Biodiversität - wie etwa Habitatverlust durch Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft sowie invasive gebietsfremde Arten und Klimawandel - üben europaweit weiterhin Druck auf die biologische Vielfalt aus", erklärt Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes. Folge davon: 70 % der EU-Arten sind von Habitatverlust bedroht, um viele Arten und Lebensraumtypen von europäischem Interesse, die 2010 bereits in ungünstigem Erhaltungszustand waren, steht es noch immer schlecht. Im Fall der Wälder betrifft das sogar 80 % der bewerteten Waldlebensraumtypen. Der Trend der Degradierung der Ökosysteme und ihrer unersetzbaren Leistungen wurde gleichfalls nicht gestoppt.

Natura 2000: Biodiversitätsschutz endlich umsetzen

Die Umsetzung des Natura 2000-Schutzgebietsnetzwerks wird im Mid-term Review als wichtigste Herausforderung zur Verbesserung des Zustandes der wertvollen Schutzgüter von gemeinschaftlichem Interesse genannt. Prioritär dabei: Die Umsetzung eines effektiven Managements aller Natura 2000-Gebiete sowie die Sicherung der Finanzierung von Natura 2000. "Das Natura 2000-Netzwerk, welches ca. 18 % der Landoberfläche der EU umfasst ist mittlerweile weitgehend geknüpft. Die Alpenrepublik hinkt bei der Umsetzung allerdings deutlich nach:
Österreich muss nun endlich seine Pflichten erfüllen und die ausständigen Natura 2000-Gebiete bis Ende des Jahres an die EU-Kommission melden. Die Vervollständigung der Natura 2000-Gebietskulisse ist eine längst fällige Aufgabe, die endlich sauber erledigt werden muss", so Maier.

Intensiv-Landwirtschaft bedroht biologische Vielfalt europaweit

Speziell für den Biodiversitätsschutz in der Landwirtschaft müssen wesentlich stärkere Anstrengungen unternommen werden. "Die Intensivierung der Landwirtschaft gilt als eine der Hauptbedrohungen der Biodiversität. Die Vögel der Agrarlandschaft sind ebenso im Rückgang begriffen wie die Schmetterlinge des Grünlandes. Die Bestäubung als Ökosystemleistung, deren Wert in der EU auf 15 Milliarden Euro pro Jahr allein durch Insekten geschätzt wird, geht massiv zurück. "Die Mitgliedstaaten haben allerdings mit der reformierten Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein Instrument in der Hand, mit dem sie wesentlich zur Förderung der Biodiversität beitragen können, vor allem im Bereich der Agrarumweltmaßnahmen und in Natura 2000-Gebieten. Dieses Instrument gilt es auch zu nutzen!", betont Maier.

Sektorenübergreifender Biodiversitätsschutz notwendig

Der Mid-term Review zeigt, dass die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie bis 2020 nur erreicht werden können, wenn die Durchsetzungsbemühungen mutiger und ehrgeiziger werden. Der Fortschritt zur Erreichung des 2020-Ziels wird auch von den Zielerreichungen in Politikbereichen abhängen, auf welche die EU-Biodiversitätsstrategie nicht direkt abzielt, wie Klima, Luft, Wasser oder Bodenschutz. Alle Bereiche, die von der Biodiversität als fundamentale Grundlage für Wirtschaft, Gesundheit und Ernährung profitieren, sollten auch ihren Beitrag zu einem zielführenden Biodiversitätsschutz leisten. Nur durch einen sektorenübergreifenden Schutz der biologischen Vielfalt können wir den anhaltenden Verlust dieser überlebenswichtigen Ressource aufhalten!", so Maier abschließend.

Link zum Mid-term Review:
http://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/comm2006/pdf/mid_
term_review.pdf

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Umweltdachverband
Dr.in Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit
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sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
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