ORF III am Wochenende: Programmtag „Flucht und Exil in der NS-Zeit“, „Die Rückkehr des Tanzlehrers“ in memoriam Henning Mankell

Außerdem: „Erlebnis Bühne“ mit „Verdi’s Backyard“, Pavarotti als „André Chénier“, Porträt „Joseph Schmidt – Geschichte eines kurzen Lebens“

Wien (OTS) - Im Rahmen des umfassenden Oktober-Schwerpunkts "Flucht und Exil in der NS-Zeit" widmet ORF III Kultur und Informationen jenen 150.000 Österreicherinnen und Österreichern, denen nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Flucht ins Ausland rechtzeitig gelang, am Samstag, dem 10. Oktober 2015, ab 9.30 Uhr einen ganzen Programmtag.

Am Sonntag, dem 11. Oktober, zeigt ORF III "In memoriam Henning Mankell" die zweiteilige Romanverfilmung "Die Rückkehr des Tanzlehrers" (13.00 Uhr) in der Regie von Urs Egger. Teil zwei des vom ORF koproduzierten Spielfilms aus dem Jahr 2003 mit Tobias Moretti, Veronica Ferres und Maximilian Schell steht um 14.35 Uhr auf dem Programm.
Den "Erlebnis Bühne"-Abend leitet um 19.15 Uhr der Dokumentarfilm "Verdi’s Backyard" ein, der Verdis frühes Schaffen und seine künstlerische Entwicklung in Parma - vom einfachen Bauern bis zu einem der bedeutendsten Opernkomponisten der Welt - beleuchtet. Um 20.15 Uhr folgt eine Inszenierung der Metropolitan Opera 1996:
Luciano Pavarotti ist in Umberto Giordanos "André Chénier" in einer seiner Glanzrollen zu sehen, es dirigiert James Levine. Zum Abschluss präsentiert Barbara Rett zum Thema "Flucht und Exil in der NS-Zeit" das Künstlerporträt "Joseph Schmidt - Geschichte eines kurzen Lebens" (22.20 Uhr) über den kleinwüchsigen Sänger der 1930er Jahre, der als Jude 1942 im Internierungslager Girenbad in der Nähe von Zürich starb. Marieke Schroeder rekonstruiert seinen Erfolg mit Ausschnitten aus Spielfilmen und Fotos.

Details zum Programmtag "Flucht und Exil in der NS-Zeit" am Samstag:

Den Auftakt zum Programmtag bildet die zweiteilige Dokumentation "Emigration N.Y.: Die Geschichte einer Vertreibung" von Egon Humer mit den beiden Folgen "Von Europa nach Amerika" (9.30 Uhr) und "Europa in Amerika" (11.00 Uhr), die von den diskriminierenden Erlässen und Gesetzen, die jüdische Mitbürger/innen aus Österreich trieben, erzählt.
Danach bringt Herwig Strobls filmische Dokumentation "Shalom Linz -Musik und jüdisches Leben vor 60 Jahren" (12.30 Uhr) Erinnerungen an Plätze und Menschen, die mit der NS-Zeit in Verbindung stehen, und das jüdische Leben vor sechs Jahrzenten ins Bewusstsein.
In der österreichischen Erstausstrahlung "Feuchtwanger lebt!" (13.10 Uhr) begibt sich dann Regisseur Herbert Krill auf internationale Spurensuche nach dem Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der ein Drittel seines Lebens im Exil verbrachte.
Die TV-Premiere von Bernhard Hetzenauers Dokumentation "Und in der Mitte der Erde war Feuer" (14.00 Uhr) porträtiert die 98-jährige jüdische Psychologin, Therapeutin, Meditationslehrerin und ehemalige Theaterschauspielerin Vera Kohn.
Elf österreichische Emigranten in den USA, darunter der Autor Frederic Morton, der Regisseur Otto Preminger und die Bildhauerin Anna Mahler, beschreiben danach in Rudolf Stoibers Dokumentation "Erinnerungen an Österreich, 1978" (15.20 Uhr) ihre Zeit in der alten Heimat und wie sie diese verlassen haben.
In der anschließenden Dokumentation "Die Porzellangassenbuben - Ari Rath und Eric Pleskow im Gespräch" (16.10 Uhr) von Lukas Sturm, Andrea Zsutty und Helfried Carl trifft der legendäre Hollywood-Produzent und vielfacher Oscar-Gewinner Pleskow in Wien auf Rath, den ehemaligen Herausgeber der "Jerusalem Post" und Publizisten von Weltrang.
Eberhard Büssems Porträt "Carl Djerassi - Wiens verlorener Sohn" (17.05 Uhr) gewährt tiefe Einblicke in das ereignisreiche Leben des herausragenden Wissenschafters.
Die Dokumentation "Zuflucht in Shanghai" (17.55 Uhr) von Joan Grossmann und Paul Rosdy zeigt dann das Leben jener 20.000 Juden, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in die chinesische Metropole flohen und dort fast ein Jahrzehnt im Exil und in verzweifelter Armut lebten.
Die aus Österreich stammende Holocaust-Überlebende Ruth Klüger, die zu den renommiertesten Literaturwissenschafterinnen unserer Zeit zählt, steht im Zentrum des anschließenden Filmporträts "Landschaften der Erinnerung - Das Weiterleben der Ruth Klüger" (19.20 Uhr) von Renata Schmidtkunz.
Im Hauptabend begibt sich Regisseurin Helene Maimann in der neuen ORF-III-Dokumentation "Der Riss der Zeit - Die Vertreibung von Intelligenz und Kultur" (20.15 Uhr) auf Spurensuche in der österreichischen Exilgeschichte. Der Film erzählt von jenen vertriebenen und geflohenen Persönlichkeiten, die einst die wissenschaftliche und kulturelle Elite Österreichs gebildet haben und - zumeist für immer - ins Exil gegangen sind. Etwa 15.000 Menschen umfasste das kreative Potenzial, das durch den kulturellen und wissenschaftlichen Transfer seinen Asylländern einen enormen Aufschwung verschaffte, vor allem den USA, aber auch einigen Ländern Lateinamerikas.
Danach wirft die Dokumentation "Lise Meitner - Die Mutter der Atombombe" (21.05 Uhr) von Wolf von Truchsess ein Licht auf das Leben einer der genialsten Wissenschafterinnen, die Österreich je hervorgebracht hat. Meitners wechselvolles Leben erzählt eine exemplarische Geschichte über die Benachteiligung und die Leistung von Frauen in Wissenschaft und Forschung, ist vor dem historischen Hintergrund der Schoah aber auch das Drama einer jüdischen Pazifistin, die durch ihre geliebte Arbeit die Grundlage für die tödlichste Waffe der Geschichte schuf.
Dominik Wesselys Dokumentation "Georg Kreisler gibt es gar nicht" (22.00 Uhr) widmet sich anschließend einem der wenigen Künstler, der trotz schrecklicher Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg wieder nach Wien zurückkehrte und dazu beitragen wollte, aus Österreich ein tolerantes, weltoffenes Land zu machen.
Acht jüdische Frauen im Alter von mehr als 80 Jahren sind die Protagonistinnen in Mirjam Ungers Dokumentarfilm "Wiens verlorene Töchter" (22.55 Uhr), dessen TV-Premiere den Programmtag beschließt. Als junge Mädchen sind sie vor den Nazis aus Wien geflüchtet und erzählen u. a. über ihre traumatischen Erfahrungen und ihr ambivalentes Verhältnis zur einstigen Heimatstadt.

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