ÖÄK-PK „Styriamed.net“: So kann Primärversorgung funktionieren (1)

Initiative von steirischer Ärztekammer und regionalen Ärzten versorgt bereits 61 Prozent der Bevölkerung

Wien (OTS) - Unabhängig von den umstrittenen "Primary Health Care"-Plänen des Gesundheitsministeriums gibt es in Österreich Projekte, die bereits nachweislich zu einer Verbesserung der Primärversorgung geführt haben, allen voran das steirische Ärztenetzwerk "Styriamed.net" - eine Initiative von Ärzten und Ärztekammer. "Solche auf die regionalen Anforderungen zugeschnittenen Projekte sollten ausgebaut werden", betonte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz.

"Primärversorgung ist derzeit laut reklamiertes versorgungspolitischen Dogma, dabei ist das etwas, was Hausärztinnen und -ärzte längst leben. Und zwar ohne öffentliche Förderungen und ohne bürokratischen Überbau", so der ÖÄK-Präsident. Dass das "Best-Practice-Beispiel Styriamed" spürbare Verbesserungen bringe, würden Auszeichnungen belegen. So war Styriamed.net im September unter den drei Finalisten des steirischen Gesundheitspreises "Salus" und erhielt zudem den ersten Preis der bundesweiten Selbsthilfeplattform "Allianz Chronischer Schmerz". Man brauche kein neues Gesetz, das ärztliche Eigeninitiative behindere, statt sie zu fördern, wie das beim Gruppenpraxen-Gesetz der Fall sei. Vielmehr solle die Politik dafür sorgen, dass die Sozialversicherung ihrem gesetzlichen Auftrag nachkomme. Wechselberger: "Dass es zu wenige Verträge für Kassenärzte, v.a. für Gruppenpraxen, gibt, ist bekannt. Was in der Öffentlichkeit und auch in den Medien viel zu wenig beachtet wird: Es fehlt auch an Kassenverträgen für die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe wie etwa die Krankenpflege."

61 Prozent der steirischen Bevölkerung und bis zu 40 Prozent der regionalen Arztpraxen

"Mit Styriamed.net haben wir quasi eine regionenübergreifende virtuelle Gruppenpraxis geschaffen, die Allgemeinmediziner und Fachärzte mit und ohne Kassenvertrag sowie Spitalsärzte umfasst", sagte der Präsident der Ärztekammer Steiermark (StÄK), Herwig Lindner. In einigen Regionen seien auch schon andere Gesundheitsberufe vertreten, das wolle man weiter ausbauen. Schon jetzt versorge man mit Styriamed.net mehr als 740.000 Menschen, also 61 Prozent der steirischen Bevölkerung. Derzeit kooperierten 30 bis 40 Prozent der regionalen Allgemeinmediziner und Fachärzte, dazu käme mindestens ein Spital pro Bezirk. Auch Lindner bekannte sich zu einem "uneingeschränkten Ja zu mehr Teamwork. Aber nein zu einem sinnlosen Gesetz, das die Bürokratie aufbläht, den Patienten nicht nützt und die Ärzte vor den Kopf stößt." Schon 2005 habe man ein Primärversorgungskonzept im steirischen Gesundheitsfonds vorgebracht, die Politik habe aber nicht reagiert. Lindner: "Wir Ärzte reden aber nicht dauernd über Reformen, wir machen sie." So sei Styriamed.net ohne politische Unterstützung und "ohne einen Cent" an öffentlichen Geldern entstanden. "Styriamed.net" sei in zehn der insgesamt 13 steirischen Bezirke tätig, die Ärzte nähmen freiwillig an den regionalen Verbünden von Styriamed.net teil und unterstützten einander unentgeltlich. "Wir passen uns dabei an die regionalen Bedürfnisse an: Styriamed.net ist vom Bezirk Hartberg am Rande des oststeirischen Hügellands ausgegangen, ein Primärversorgungszentrum mit vielen Ärzten auf einem Fleck wäre hier nicht sehr sinnvoll gewesen", so der steirische Ärztekammerpräsident. - (Forts.)

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