Arbeitnehmer beklagen: Computerprogramme führen zu ungesetzlicher Leistungsbeurteilung

Linz (OTS) - Jede/-r fünfte Arbeitnehmer/-in beklagt, dass Daten aus SAP- oder ähnlichen Programmen zu einer ungesetzlichen Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter/-innen durch die Arbeitgeber/-innen verwendet werden. Die Hälfte der oberösterreichischen Beschäftigten wird von den Arbeitgebern/-innen auch nicht über ihre Rechte und Pflichten zum Datenschutz am Arbeitsplatz informiert. "Diese Zahlen sind im Hinblick auf die digitalen Entwicklungen in der Arbeitswelt, die wir unter dem Stichwort ‚Industrie 4.0‘ beobachten, mehr als bedenklich", sagt AKOÖ-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert einen besseren Datenschutz in den Betrieben.

Diese Forderung wird auch durch die Meinung der Arbeitnehmer/-innen untermauert: Für 90 Prozent ist es laut aktuellem Arbeitsklima Index wichtig, dass mit ihren persönlichen Daten im Unternehmen vertraulich umgegangen wird.

Denn es ist in Österreich fast nicht mehr denkbar, ohne Internet oder Computersysteme zu arbeiten (99 Prozent der Unternehmen verfügen laut Statistik Austria über Computer, 98 Prozent über einen Internetanschluss). Damit rückt auch die Frage des Schutzes und des rechtlich korrekten Umganges mit den Daten der Beschäftigten in den Mittelpunkt. Die technologischen Fortschritte eröffnen für Arbeitgeber/-innen neue Möglichkeiten der Überwachung, zum Beispiel für die Erstellung von Bewegungs- und Leistungsprofilen.

Auch die oberösterreichischen Betriebsräte/-innen beurteilen die Entwicklungen in Sachen Arbeitnehmer/-innen-Datenschutz sehr kritisch. In der aktuellen Betriebsrätebefragung des ISW (Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) gab fast die Hälfte (48 Prozent) der Betriebsräte/-innen an, dass "Datenschutz" und "sensible Behandlung von Beschäftigtendaten" im letzten Jahr Themen in Gesprächen mit dem Arbeitgeber/der Arbeitgeberin waren. Gleichzeitig klagt aber rund die Hälfte der Belegschaftsvertreter/-innen, dass ihnen kein ausreichender Zugang zu den gesetzlich zustehenden personenbezogenen Daten der Beschäftigten im Betrieb gewährt wird. "Betriebsräten wird es damit oft unmöglich gemacht, ihre Kontrollrechte in Sachen Datenschutz wahrzunehmen. Eine Praxis, die abgestellt werden muss", so Kalliauer.

Umgekehrt verbietet aber jede/-r vierte Arbeitgeber/-in den Beschäftigten, sich in sozialen Medien über den Arbeitgeber/die Arbeitgeberin zu äußern. Ebenfalls bedenklich: Jede/-r vierte Arbeitgeber/-in recherchiert laut Betriebsräten/-innen über Bewerber/-innen im Internet.

Für die Arbeiterkammer Oberösterreich ist deshalb der kontinuierliche Ausbau bestehender Datenschutzbestimmungen ein unbedingtes Muss. Auch die Einführung eines verpflichtenden Datenschutz-Beauftragten in Betrieben, die mit elektronischen Erfassungssystemen arbeiten, wirkungsvollere Sanktionsmöglichkeiten, wenn Arbeitgeber/-innen ihrer Informationspflicht bezüglich Arbeitnehmerdaten gegenüber dem Betriebsrat nicht nachkommen und der weitere Ausbau des Schutzes der Arbeitnehmer/-innen und der Rechte der Betriebsräte/-innen im Zuge der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Datenschutz stehen auf der Forderungsagenda der AK. Außerdem muss es in Zukunft Informations-, Überwachungs- und Einsichtspflichten für Betriebsräte/-innen bei der Erstellung neuer Datenerfassungssysteme geben - und in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit, Experten/-innen der Gewerkschaften und der Arbeiterkammer beizuziehen.

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