Digitaldialog: Corporate Publishing auf digitalen Wegen

Experten diskutierten in Graz über Unternehmenskommunikation der Zukunft – Trend geht zu Interaktivität und Dialog – „Dabei sein ist wichtig. Aber nicht um jeden Preis.“

Wien (OTS) - Print, Online und soziale Netzwerke verschwimmen, Apps ermöglichen eine emotionalere Verbindung zum Kunden und der zunehmende Dialog sorgt für neue Anknüpfungspunkte. Die Digitalisierung der Unternehmenskommunikation scheint kaum mehr aufzuhalten zu sein. Einen Überblick, wie man in diesem Labyrinth nicht die Orientierung verliert, gaben Expertinnen und Experten gestern, Dienstagabend, bei der Veranstaltungsreihe "DigitalDialog" in Graz.

"Die Digitalisierung des Corporate Publishing schreitet voran - von der App bis zu Social Media", erklärte Martin Schevaracz von der APA-IT Informations Technologie GmbH. Zwar würden Magazine und Broschüren im deutschsprachigen Raum noch am häufigsten eingesetzt -hier gebe es aber kaum Veränderungen. Bei Social Media, Apps und digitalen Magazinen verzeichne der Markt hingegen deutliche Zuwächse. "Kein Wunder, weil die Vorteile, wie Messbarkeit, Dialogfähigkeit, weniger Streuverluste und rasche Umsetzung immer stärker erkannt werden", so der Manager.

Von den knapp sechs Milliarden Euro, die im deutschsprachigen Raum jährlich für Corporate Publishing bzw. Content Marketing ausgegeben werden, fließt laut Studien rund die Hälfte in Printmedien, die andere Hälfte in den Online-Bereich. Letzterer habe seit 2014 die Nase vorne. Rund neun von zehn Unternehmen betreiben laut Schevaracz Corporate Publishing. Printmedien und digitale Medien werden dabei zum Großteil parallel eingesetzt. "Das zeigt die Richtung, in die es geht. Der Medien-Mix macht es aus."

Inzwischen seien auch einfache Tools vorhanden, die für wenig Geld viele Möglichkeiten bieten. "Da braucht es keine wahnsinnig hohen Investitionsbudgets", sagte Schevaracz. Der Trend gehe jedenfalls zu Interaktivität und Dialog, crossmedialem Content, Videos und neuen Technologien wie "Wearables". "Damit sind wir so nahe am Kunden wie nie zuvor. Hier muss man aber behutsam vorgehen", so der Experte.

"Erzählen Sie eine digitale Geschichte"

"Erzählen Sie eine digitale Geschichte", riet Nadine Rigele von der APA-IT. Hier gebe es viele Schätze im Unternehmen, die derzeit brach liegen würden. Idealerweise sollte man sich zuallererst ein Konzept überlegen und eine Strategie für digitale Inhalte erarbeiten. Der Ausspiel-Kanal hänge wiederum von Zielgruppe, Marke und Story ab.

Apps würden eine für den User emotionalere Verbindung zum Inhalt ermöglichen, allerdings sei die Reichweite beschränkt. Bei Web-Anwendungen profitiere man von der günstigeren Entwicklung, besseren Vermarktungsmöglichkeiten und der raschen Realisierung. Social Media wiederum biete einen sehr nahen Kontakt zum Kunden und ermögliche schnelle Reaktionszeiten.

Bei der Umsetzung gehe der Trend zu Multimedia und Interaktivität:
"Audiovisuelle Inhalte sind weiter auf dem Vormarsch. Komplexe Informationen werden in Infografiken aufbereitet." Allerdings sei die Qualität des Contents entscheidend: "Der User ist verwöhnt, anspruchsvoll und will ernst genommen werden", so Rigele. Immer wichtiger werde der mobile Kanal, der bei jeder Kampagne von Beginn an mitgedacht werden sollte. Der wichtigste Punkt sei aber, sich nicht abschrecken zu lassen, sondern auszuprobieren und zu experimentieren.

Mitarbeiter als Markenbotschafter

Beim TÜV AUSTRIA werden beispielsweise Mitarbeiter als Markenbotschafter eingesetzt. "Wir zeigen, was ein Prüfer im Alltag macht. Da entstehen spannende Storys", so Kommunikationsmanager Andreas Wanda. Hochwertiger Content werde auch geschaffen, indem man Kunden miteinbezieht und gemeinsam Geschichten erzählt. "Das ergibt ein runderes Bild", erklärte Wanda. Ein weiteres Beispiel sei der vom TÜV AUSTRIA ausgelobte Wissenschaftspreis. Hier werde den Technikern von morgen eine breite Kommunikationsbasis geboten, um aus ihrer Perspektive zu berichten.

Und auch beim eigenen Konzernmagazin stünden Geschichten und nicht das Produktportfolio im Mittelpunkt. Durch eine professionelle journalistische Aufbereitung würden komplexe Themen verständlich gemacht. Generell baue das Unternehmen auf drei Content-Säulen:
Printprodukte, Onlineangebote und die Konzern-App. "Wichtig ist, Anknüpfungspunkte zu schaffen. Der Kunde darf nicht verlorengehen", so Wanda.

Die zweisprachige Konzern-App sei beispielsweise international sehr wichtig und populär. "Das hat uns Kontakte gebracht, die wir mit einem Printmedium nie erreicht hätten." Printprodukte bleiben seiner Meinung nach - trotz vielleicht sinkender Auflage - aber trotzdem wichtig, weil sie eine Präsenz im realen Raum ermöglichen. "Etwas in die Hand nehmen zu können, ist auch für die Marke wichtig und generiert Interesse für die digitalen Angebote." Das eine Medium schließe keinesfalls das andere aus, sondern wirke komplementär.

"Digital nicht das einzige Mittel zum Zweck"
"Digital ist nicht immer das einzige Mittel zum Zweck. Es geht darum, den Content in den Mittelpunkt zu stellen, auf die Zielgruppe auszurichten und einen Mehrwert zu bieten", gab sich auch Roman Grandits vom ÖGB-Verlag überzeugt. Beim Storytelling könne man beispielsweise mit Informationen punkten und gleichzeitig unterhalten. Darüber würden sich auch Service-Leistungen wie Beratung anbieten lassen.

Im Bereich Corporate Publishing müsse der ÖGB-Verlag die digitale Agenda genau abwägen, da die Kunden große, alteingesessene Organisationen seien. Hier gehe es "langsamen Schrittes in Richtung digitaler Innovationen und Digital Publishing". Für Herausforderungen sorge auch, dass sich das User-Verhalten zum Teil schneller ändere als die technische Anpassung möglich sei. So würden Kunden verstärkt quer über an sich proprietäre Datenbanken Inhalte suchen wollen.

Zum Thema Social Media merkte Grandits an, dass Dialog kein Selbstzweck sei. "Wenn er aber Sinn macht, ist eine strukturierte Herangehensweise notwendig. Denn über Facebook und Twitter als Teaser-Medium können die Reichweite erhöht und neue Zielgruppen generiert werden", so der Experte. Für ihn steht fest: "Dabei sein ist wichtig. Aber nicht um jeden Preis."

Der "Digitaldialog" ist eine von der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG), APA - Austria Presse Agentur, evolaris, Campus02, Infonova und IBC Graz organisierte Veranstaltungsreihe (www.digitaldialog.biz), die sich den neuesten digitalen Trends, Technologien und Applikationen widmet. Die nächste Veranstaltung in dieser Reihe findet am 27. Oktober. zum Thema "Digitale Assistenzsysteme in der Fabrik von Morgen" statt.

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