E-Control: In vielen Bereichen stärkerer Wettbewerb am Energiemarkt

Reger Anbieterwechsel, höhere Tarifvielfalt und Preissenkungen vieler Strom- und Gaslieferanten – Ersparnisse bei Wechsel hoch wie nie – Stärkere Kontrolle des Strom- und Gashandels

Wien (OTS) - Der Wettbewerb am heimischen Strom- und Gasmarkt hat sich seit dem vergangenen Jahr in vielen Bereichen positiv entwickelt. Das geht aus dem neuen Marktbericht der Energieregulierungsbehörde E-Control hervor, der heute auf einem Pressegespräch in Wien vorgestellt wurde. "Die Konsumenten wechseln häufiger als früher ihren Strom- und Gaslieferanten, es gibt eine größere Auswahl an Produkten und viele Lieferanten haben ihre Preise gesenkt", sagte E-Control-Vorstand Walter Boltz vor Journalisten. In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres haben 122.500 Haushalte und Unternehmen ihren Strom- und Gaslieferanten gewechselt, das waren die zweithöchsten Werte seit der Liberalisierung. Der bisherige Allzeitrekord wurde im vergangenen Jahr mit insgesamt 264.000 Strom-und Gaswechslern (innerhalb von zwölf Monaten) aufgestellt. Die Zahl der erhältlichen Stromprodukte hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um rund 30 Prozent erhöht.

48 Stromlieferanten haben heuer ihre Preise gesenkt

Im heurigen Jahr haben 48 Stromlieferanten ihre Preise gesenkt, darunter auch die Landesenergieversorger in Salzburg, Steiermark, Niederösterreich, Burgenland, Wien und Vorarlberg. "Viele der Lieferanten haben endlich die gesunkenen Einkaufspreise für Strom an ihre Kunden weitergegeben. Besonders von den Senkungen der großen Versorger profitieren viele Kunden", so Walter Boltz. Am Gasmarkt senkten heuer neun Gasanbieter ihre Preise, darunter sechs Landesenergieversorger (Tirol, Steiermark, Vorarlberg, Burgenland, Wien, Niederösterreich). Die heimischen Haushalte sparen sich durch diese Senkungen rund 80 Millionen Euro pro Jahr, 49 Millionen Euro davon entfallen auf Stromkunden, 31 Millionen auf Gaskunden. Insgesamt profitieren von den Preissenkungen 62 Prozent aller Stromkunden und 78 Prozent aller Gaskunden.

141 verschiedene Stromlieferanten

Mittlerweile rittern 141 verschiedene Stromlieferanten um Haushaltskunden, 30 davon sind österreichweit tätig. Am Gasmarkt gibt es 33 verschiedene Gaslieferanten. "Der stärkere Wettbewerb lässt sich auch an der gestiegenen Lieferantenzahl ablesen", betonte E-Control-Vorstand Martin Graf und verweist auf weitere Neueintritte im heurigen Jahr. Am Strommarkt sind 2015 zwei neue Anbieter (MeinAlpenStrom und aWATTar) in den Markt eingetreten, 2014 waren es drei (Stadtwerke Klagenfurt, MaxEnergy und PGNiG). Am Gasmarkt ist heuer ein neuer Lieferant hinzugekommen (Leu Energie), 2014 gab es drei Neueintritte (Max Energy, PGNiG und Verbund).

Wiener Stromkunde kann zwischen 66 Angeboten wählen

Ein Kunde in Wien kann zwischen 66 unterschiedlichen Stromprodukten wählen, in Oberösterreich haben Gaskunden mittlerweile die Wahl zwischen 41 verschiedenen Gasprodukten. Die Zahl der Angebote ist abhängig vom Wohnort. Ein Drittel der Produkte sind Onlineprodukte, bei denen die gesamte Kommunikation per E-Mail erfolgt, mehr als zwei Drittel der Stromprodukte sind Ökostromprodukte. Zur Wahl stehen auch Produkte mit oder ohne Preisgarantie oder sogenannte Floater-Tarife, deren Preise in regelmäßigen Abständen an den ausgewählten Indizes wie z.B. den aktuellen Börsenpreisen angepasst werden. "Positiv ist auch, dass am Energiemarkt neue für Kunden nützliche Dienstleistungen entstehen", ergänzte Martin Graf. So gibt es etwa Dienstleister, die jährlich den Wechsel zum günstigsten Lieferanten für den Kunden übernehmen.

Ersparnisse bei Anbieterwechsel so hoch wie nie

Das Einsparpotenzial bei einem Wechsel vom angestammten Versorger zum günstigsten Lieferanten hat heuer einen neuen Höchststand erreicht. Ein Haushalt mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch kann sich aktuell bei einem Wechsel des Stromanbieters bis zu 230 Euro (Oberösterreich) jährlich sparen, bei Gas sogar bis zu 420 Euro (Klagenfurt). Beim gleichzeitigen Wechsel des Strom- und Gaslieferanten können sich Kunden in Klagenfurt rund 600 Euro inklusive Neukundenrabatt ersparen. "Das Einsparpotenzial hat sich zuletzt rasant nach oben entwickelt. Die Ersparnisse haben sich in den letzten drei Jahren in vielen Bundesländern mehr als verdoppelt", sagte Graf. 2012 betrug die maximale Gesamtersparnis noch 345 Euro (Netzgebiet Linz). Der Wechsel des Stromlieferanten brachte damals 125 Euro, der Gasanbieterwechsel 220 Euro.

Handel mit Strom und Gas wird noch stärker kontrolliert

Der Handel mit Strom und Gas wird zukünftig in Österreich noch stärker kontrolliert. Ab morgen, 1. Oktober, müssen auch bilaterale Handelsgeschäfte an den Regulator E-Control gemeldet werden. Seit Mai sind bereits alle auf Handelsplätzen abgeschlossenen Standardverträge für die Lieferung in Österreich zu melden. Das ist ein wichtiger Schritt, da bilaterale Handelsgeschäfte, dazu zählen auch nicht-standardisierte Energielieferverträge zwischen Anbietern und bestimmten Großkunden, einen wichtigen Teil des Handelsgeschäftes darstellen. "Mit Herbst können wir nun tatsächliche alle wichtigen Handelsgeschäfte mit Strom und Gas überwachen", erläuterte E-Control-Vorstand Walter Boltz. Bei einem Marktmissbrauch drohen in Österreich empfindliche Geldstrafen. Je nach Umfang des Vergehens werden Geldstrafen von bis zu 150.000 Euro oder in bestimmten Fällen des Insiderhandels sogar Freiheitsstrafen fällig.

REMIT-Verordnung als Grundlage für die Überwachung

Mit 7. Oktober startet auch die Energieregulierungsagentur ACER in Laibach die Sammlung von Energiegroßhandelsdaten. Rechtliche Basis für die Überwachung des Großhandels auf europäischer Ebene ist die REMIT-Verordnung der EU aus 2011, die Insiderhandel und Marktmanipulation im Strom- und Gasgroßhandel verbietet. Vor der EU-Verordnung war es weitgehend legal, Insiderwissen im Strom- und Gashandel zu nutzen.

Neuer Marktbericht der E-Control:
http://www.e-control.at/publikationen/marktberichte

Audiostatements von dem Pressegespräch demnächst auf www.o-ton.at

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