TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 29. September 2015, von Peter Nindler: "Der Kraft(werks)akt"

Innsbruck (OTS) - Der heutige Tiwag-Gipfel im Landhaus wird mehr sein als ein Informationsaustausch. Zu viele negative Botschaften haben zuletzt die Energiepolitik des Landes überschattet. LH Günther Platter gerät damit selbst unter Zugzwang.

Ein Kaffeeplausch wird es heute wohl nicht werden, denn im Verhältnis zwischen der Landesregierung und dem Landesenergieversorger Tiwag hat sich in den vergangenen Monaten viel Frust aufgestaut. Schließlich steht und fällt für Landeshauptmann Günther Platter (VP) die Energiewende, und damit ein Eckpfeiler seines Regierungsprogramms, mit dem Ausbau der Wasserkraft. Natürlich sind das auch koalitionäre Reibungsflächen, doch die Grünen müssen derzeit nicht einmal die ÖVP nerven. Das besorgt nämlich die Tiwag selbst. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Kaunertal wurde wegen des Wasserstreits im Ötztal ausgesetzt, jene für den Ausbau von Sellrain-Silz geht vorerst einmal bis Ende November in die Verlängerung.
Das beinahe im Jahrestakt verkündete landespolitische Bekenntnis zur Wasserkraft, das von der EU dokumentierte öffentliche Interesse am Pumpspeicherkraftwerk Kaunertal oder der von Umweltminister Andrä Rupprechter (VP) verordnete Wasserrahmenplan Tiroler Oberland sollten die Kraftwerkspläne beschleunigen, doch der Turbo hat noch nicht gezündet. Warum das so ist, wird heute im Mittelpunkt der Unterredung mit der Tiwag-Spitze stehen. Während nach außen hin von einem Informationsaustausch die Rede ist, dürfte Platter in den letzten Tagen wohl der Geduldsfaden gerissen sein. Zu viele negative Botschaften aus der Tiwag-Zentrale überschatten derzeit die Energiepolitik des Landes. Und je länger es holpert, desto größer werden die Zweifel und Angriffsflächen.
Vergeblich hat Platter auf eine rasche Einigung im Wasserstreit mit Sölden gedrängt, damit zumindest die ohnehin schwierige Umweltverträglichkeitsprüfung für den Kaunertal-Ausbau auf Schiene bleibt. Vielfach beklagt die Politik deshalb Kommunikationsdefizite ihres Landesenergieversorgers, die Tiwag wiederum spielt den schwarzen Peter den Behörden zu. Das sorgt allerdings für heftiges Naserümpfen in der Umweltabteilung und bei Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne). Was bleibt, ist deshalb Sand im Getriebe. Die zweite Halbzeit der Regierungsperiode ist bereits angebrochen, auf einen Prestigeerfolg bei der Wasserkraft wartet Platter nach wie vor. In den vergangenen Jahren wirkte der Bonus, dass die Tiwag dem Land nach dem Hypo-Kreditdebakel mit 220 Mio. Euro aus der Patsche geholfen hat. Doch die Gutschrift ist aufgebraucht, Platter und die ÖVP benötigen endlich vorzeigbare und brauchbare Kraftwerksergebnisse.

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