MitarbeiterInnen mit Behinderung: Aufklärung beginnt zu greifen, Informationsbedarf weiterhin hoch

Mangelnde Chancengleichheit und Informationsbedarf von Unternehmen sind die größten Herausforderungen. Die Stimmungsindikatoren entwickeln sich jedoch positiv.

Wien (OTS) -

  • Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung wird wahrgenommen und deren Potenziale als wichtige Ressourcen für den Arbeitsmarkt gesehen.
  • Aufklärungsbedarf zu Förderungen und gesetzlichen Regelungen bleibt hoch, speziell bei der Verpflichtung zur baulichen Barrierefreiheit ab dem 1.1.2016.
  • Bewusstsein für mangelnde Chancengleichheit steigt weiterhin. Vielen Personalverantwortlichen ist es wichtig Diversität zu fördern.
  • Zahl der Unternehmen, die sich sehr gut vorstellen können Menschen mit Behinderung anzustellen, steigt um 18 %.

Der Chancen-Barometer der Online-Jobplattform Career Moves erhebt die Situation von Menschen mit Behinderung am österreichischen Arbeitsmarkt. Befragt wurden mehr als 250 CEOs und Personalverantwortliche in ganz Österreich. Die Ergebnisse belegen mit konkreten Zahlen die Einstellungsbereitschaft, Stimmungsindikatoren und die Haltung zu diesem Thema.

Bewusstsein für Menschen mit Behinderung als wertvolle Ressource steigt weiterhin

In den vergangenen drei Jahren sind viele Stimmungsindikatoren gestiegen. Ungefähr 40 % der Befragten sind davon überzeugt, dass Menschen mit Behinderung eine wichtige Personalressource für Österreichs Arbeitsmarkt sind, was einer Steigerung von 6 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Zahl derer, die glauben, dass Menschen mit Behinderung gute Arbeit leisten, bleibt bei hohen 85 %. Um 7 %, auf 47,5 %, erhöht sich der Anteil der Befragten, die Menschen mit Behinderung als wichtiges Potenzial für die Arbeitswelt sehen. Insgesamt wächst abermals die Zahl der Führungskräfte, denen die Inklusion von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt sehr wichtig ist, um 9 %. Erstmals wurde heuer gefragt, ob Unternehmen als attraktive Arbeitgeber für Menschen mit Behinderung wahrgenommen werden wollen. Über 50 % der Personalverantwortlichen geben an, dass das ein Ziel für ihr Unternehmen ist.

Gregor Demblin, Co-Gründer von Career Moves: "Diese Zahlen zeigen, dass der Arbeitsmarkt beginnt, die Türen für Menschen mit Behinderung zu öffnen. Der Informationsbedarf der Unternehmen ist jedoch ungebrochen hoch. Wir stellen fest, dass die Aufklärungsarbeit der letzten Jahre Früchte zu tragen beginnt, die Umsetzung im Alltag bedarf aber noch etwas Zeit."

Beschäftigungsoffensive für Menschen mit Behinderung

Sozialminister Rudolf Hundstorfer unterstreicht: "Menschen mit Behinderung müssen wie alle anderen Menschen die Chance auf ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben erhalten. Dazu gehört neben einem funktionierenden sozialen Umfeld und einer guten Ausbildung vor allem ein Arbeitsplatz, der den Fähigkeiten und Qualifikationen entspricht und ein eigenständiges Leben und Teilhabe ermöglicht".

2014 wurden für die Beschäftigungsoffensive für Menschen mit Behinderung über 170 Millionen Euro investiert - insgesamt wurden damit 84.000 Förderfälle mit rund 66.000 Personen finanziert. Mit diesen Maßnahmen konnten im Jahr 2014 vom Sozialministeriumservice rund 9.731 Arbeitsplätze von Menschen mit Behinderung gesichert und 5.615 Arbeitsplätze erlangt werden

Chancenungleichheit in den Köpfen angekommen

Deutlich wird auch die anhaltende Sensibilisierung von Personalverantwortlichen und UnternehmerInnen. Praktisch allen ist Chancenungleichheit am Arbeitsmarkt von Menschen mit Behinderung bewusst. Beinahe 100 % geben an, dass Menschen mit Behinderung Hürden am Arbeitsmarkt gegenüberstehen. Über die in den vergangenen Jahren eingeführten Abschwächungen des Kündigungsschutzes wissen immer mehr Befragte Bescheid. Jedoch hält sich das Vorurteil, Menschen mit Behinderung seien prinzipiell schwer kündbar, bei noch immer mehr als 50 % der Befragten. Dies verdeutlicht den weiterhin hohen Aufklärungsbedarf.

94% der Führungskräfte empfehlen Beschäftigung von Menschen mit Behinderung weiter

Rund die Hälfte der befragten Führungskräfte gab an, Bewerbungen von Menschen mit Behinderung erhalten zu haben, was eine Steigerung um 9 Prozentpunkte gegenüber 2014 bedeutet. Gleichzeitig steigerte sich die Anzahl der Befragten, die eine Bewerbung von Menschen mit Behinderung erwarten, um 22 % auf 40 %. Auch Gregor Demblin sieht hier eine positive Entwicklung: "Das Angebot an Beratung und Informationen verbessert sich laufend, dadurch werden Menschen mit Behinderung selbstbewusster. Natürlich bleibt die Arbeitsmarktsituation für Menschen mit Behinderung kritisch, wie die aktuellen Zahlen des Sozialministeriums Service zeigen. Unsere Aufgabe ist es, Unternehmen die Stärken von Menschen mit Behinderung klarzumachen, denn 94 % der Führungskräfte sind bereit, Angestellte mit Behinderung weiterzuempfehlen."

Bauliche Barrierefreiheit ab 1.1.2016 als Herausforderung

Bei weiter gestiegenem Informationsstand über Fördermöglichkeiten und gesetzliche Rahmenbedingungen, fühlen sich jedoch immer noch 56 % der Befragten nicht ausreichend informiert. Speziell die Verpflichtung zur baulichen Barrierefreiheit, die ab 1.1.2016 in Kraft tritt, bereitet den Unternehmen Sorgen. Über 60 % gaben an, über keine ausreichenden Informationen zu verfügen. Eine derzeit laufende Kampagne des Sozialministeriums unter dem Motto "Österreich barrierefrei" sollte Abhilfe schaffen.

Unternehmen können von Menschen mit Behinderung profitieren

Mehr und mehr rücken Menschen mit Behinderung auch als wirtschaftliche Zielgruppe in den Fokus von Unternehmen. Fast die Hälfte der Befragten weiß um dieses wirtschaftliche Potenzial. Barrierefreie Produkte oder Dienstleistungen werden von 55 % der Unternehmen als Zukunftsthema betrachtet, was einer Steigerung von fast 4 % entspricht. "Nicht zuletzt in Anbetracht der Alterung der Gesellschaft ein Thema mit dem Unternehmen wirtschaftlich punkten könnten", schließt Demblin.

Zum Chancen-Barometer

Mehr als 250 CEOs und Personalverantwortliche aus Unternehmen aller Branchen und Größen aus ganz Österreich haben am Career Moves Chancen-Barometer 2015 teilgenommen. Der Career Moves Chancen-Barometer dokumentiert seit 2013 jährlich die Entwicklung von Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung am Arbeitsplatz.

Über Career Moves

Career Moves ist die erste inklusive Online-Jobplattform in Europa auf der Jobsuchende mit Behinderung sich völlig chancengleich bewerben können. Mittels Symbole und dem Satz "Bewerbungen von Menschen mit Behinderung ausdrücklich erwünscht" zeigen Unternehmen, dass sie explizit offen sind für BewerberInnen mit Behinderung. Ein Online-Service-Center vernetzt Unternehmen und Jobsuchende mit Organisationen und Behörden in ganz Österreich. Die Anfragen zu Beschäftigung und Behinderung werden innerhalb von nur 48 Stunden beantwortet.

Die 2009 gestartete Online-Jobplattform Career Moves arbeitet mit zahlreichen Unternehmen und Organisationen in Österreich zusammen und wird durch das Sozialministeriumservice gefördert. Die Plattform wurde 2012 mit dem renommierten TRIGOS-Award in der Kategorie Social Entrepreneurship und 2013 mit dem SEA ausgezeichnet. Ende 2013 wurde Co-Gründer Gregor Demblin zum Ashoka-Fellow ernannt. Außerdem wurde Career Moves 2014 der 1st European Award for Social Entrepreneurship and Disability und der Staatspreis PR, in der Kategorie CSR, verliehen.

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