„Österreich für Anfänger. Horn und seine Flüchtlinge“ und „Kolaric’ Erben – Die Tschuschenkinder von einst“ in „kreuz und quer“

Am 29. September an 22.35 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Die menschlichen Tragödien, die sich auf den Fluchtrouten nach und in Europa abspielen, nehmen kein Ende. Die Politik ringt immer noch mit adäquaten Lösungsvorschlägen. Wie soll Europa mit den nicht enden wollenden Flüchtlingsströmen umgehen? Welche Lösungsmöglichkeiten gibt es? Wie viele Flüchtlinge verträgt Europa? Und was ist der Beitrag der Kirchen im Bereich der Asyl- und Flüchtlingspolitik? "kreuz und quer" - präsentiert von Christoph Riedl-Daser - ist diesen Fragen am Beispiel der kleinen Stadt Horn im Waldviertel nachgegangen, in der sich die ganze Problematik der europaweiten Flüchtlingskrise zeigt. In der Reportage "Österreich für Anfänger. Horn und seine Flüchtlinge" zeigt Peter Beringer am Dienstag, dem 29. September 2015, um 22.35 Uhr in ORF 2 nah an den Menschen in Horn, wie man positiv damit umgehen kann, aber auch, wo wahrscheinlich die Grenzen liegen.

Um 23.20 Uhr folgt die Dokumentation "Kolaric’ Erben - Die Tschuschenkinder von einst" von Peter Liska und Meryem Çitak. Der Film ist eine Spurensuche, ein Blick auf den Werdegang von Kindern der ersten Gastarbeitergeneration, ein Blick auf die alltägliche Fremdenfeindlichkeit von einst und heute und ein Blick auf die Glück-und Schattenseiten des Gastarbeiterlebens.

"Österreich für Anfänger. Horn und seine Flüchtlinge" - Ein Film von Peter Beringer

In Horn wurden im Juli hundert Flüchtlinge aus Syrien, aus dem Irak, aus Somalia und Eritrea in einem ehemaligen Pflegeheim der Caritas einquartiert. Vorausgegangen war eine heftige Bürgerdiskussion. Die Horner wehren sich schon länger gegen das Ansinnen der Bundesregierung, auf dem Gelände der Horner Radetzkykaserne bis zu 400 Flüchtlinge unterzubringen. Doch Bürgermeister und Gemeinde entschließen sich, das Thema offensiv anzugehen und im ehemaligen Stephanusheim der Caritas 100 Flüchtlinge aufzunehmen.

Bei einer Bürgerversammlung gelingt es, viele widerstrebende Horner zu überzeugen. Plötzlich ist die Hilfs- und Spendenbereitschaft groß. Eine Initiative hilft, das neue Flüchtlingsheim zu renovieren und bezugsfertig zu machen. Betten, Geschirr, Handtücher, Lebensmittel und Willkommensgeschenke werden in großer Zahl angeliefert. Im heißen Sommer 2015 organisieren die Horner Deutschkurse, helfen bei Behördengängen, beschaffen fehlende Kleidung, Fahrräder, feiern Willkommensfeste und sorgen für sportliche Begegnungen.

Konflikte bleiben nicht aus: etwa, wenn im Supermarkt von Kindern angeblich Spielzeugverpackungen aufgerissen werden oder wenn sich die Flüchtlinge nicht an Verkehrsregeln oder an die Mülltrennung halten. Für die Flüchtlinge ist die Lage unsicher: Niemand weiß, wie das eigene Asylverfahren ausgehen wird. Ihre Motive zu kommen, waren höchst unterschiedlich. Immer spielt der Traum vom besseren Leben im reichen Europa mit. Von der Gastfreundschaft der Horner sind die meisten überwältigt. Doch wie soll es weitergehen? Wer bekommt Asyl? Gibt es Arbeit, wird es Platz für sie geben? Was geschieht mit denen, die es nicht schaffen? Und werden die Horner noch hilfsbereit sein, wenn die nächsten Asylwerber kommen?

"Kolaric’ Erben - Die Tschuschenkinder von einst" - Ein Film von Peter Liska und Meryem Çitak

Anfang der 1970er Jahre sorgte ein Plakat für Aufsehen. Es sollte für Toleranz gegenüber Gastarbeitern werben, den "Tschuschen", wie sie von vielen Wienern abfällig genannt wurden. "I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogn’s zu dir Tschusch?", fragte ein kleiner Bub einen offensichtlich Fremden. Seither ist Kolaric der Inbegriff für die Gastarbeitergeneration der 1960er und 1970er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals begann sich das Fernsehen für das Schicksal der billigen Arbeitskräfte zu interessieren und rückte auch einige der sogenannten "Tschuschenkinder" ins Bild. Jenen, die damals mit dürftigen Deutschkenntnissen vor der Kamera saßen, ist dieser Film gewidmet. Peter Liska und Meryem Çitak haben sich auf Spurensuche begeben und nachgefragt, was aus den kleinen Zuwanderern von einst geworden ist.

Die Dokumentation zeigt an Hand dieser Beispiele, dass Integration funktionieren kann. Zum Beispiel bei Familie Čamba: der Vater Hilfsarbeiter, die Mutter Putzfrau, alle drei Kinder sind Akademiker. Oder Ahmet Orta aus Bad Vöslau, der als Kind kaum Deutsch konnte und später als Manager tätig ist. Oder Nuray Sevinç-Öztonga, eine gebürtige Türkin, heute Österreicherin und Unternehmerin in Vorarlberg. Nuray weiß so wie viele andere noch immer nicht, wo sie eigentlich hingehört. Ihre ursprüngliche Heimat, die Türkei, ist ihr fremd geworden und die Fremde, sprich Österreich, nicht zur Heimat. Nur eines ist für sie sicher: "Man wird als Ausländer geboren und stirbt auch als Ausländer, egal ob man die Staatsbürgerschaft hat oder nicht."

Der Film von Peter Liska und Meryem Çitak ist ein Blick auf den Werdegang von Kindern der ersten Gastarbeitergeneration, ein Blick auf die alltägliche Fremdenfeindlichkeit von einst und heute und ein Blick auf die Glück- und Schattenseiten des Gastarbeiterlebens. Die Dokumentation zeigt, dass sozialer Aufstieg trotz schwierigster Startbedingungen möglich ist und viel öfter passiert, als allgemein angenommen wird.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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