GLOBAL 2000-Test: Gesundheitlicher Richtwert für HCB im Fleisch neunfach überschritten

Aufhebung der Untersuchungspflicht für Schlachttiere gefährdet Gesundheit; EU-Grenzwert für HCB nicht sicher; MedUni Wien empfiehlt Absenkung um Faktor 100 für belastete Bevölkerung

Wien/Klagenfurt (OTS) - Auf Ersuchen einer besorgten Biobäuerin aus dem Görtschitztaler Eberstein (Kärnten) ließ die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 ein frisch geschlachtetes Schaf und ein fünf Monate altes Lamm an der Lebensmittelversuchsanstalt Klosterneuburg auf Hexachlorbenzol (HCB) untersuchen.

Erfreuliches Detail: Das Lamm, welches im April geboren und somit nie mit kontaminiertem Futter in Kontakt kam, wies nur geringe Spuren von HCB mit weniger als ein Mikrogramm pro Kilogramm auf. Doch das Schaf, welches bis zum Bekanntwerden des HCB-Skandals im Freien gehalten wurde und seit Dezember des Vorjahres HCB-freies Austauschfutter erhielt, wies HCB-Belastungen von 17 bzw. 18 Mikrogramm pro Kilo im Faschierten bzw. Schlögel sowie 107 Mikrogramm pro Kilogramm im Nierenfett auf.

MedUni Wien: Maximalwerte für HCB neunfach überschritten

"Dieses Ergebnis ist in hohem Maß alarmierend", sagt GLOBAL 2000-Umweltchemiker DI Dr. Helmut Burtscher. "Es zeigt, dass Tiere, die über einen längeren Zeitraum HCB-belastetes Futter erhielten, noch Monate nach der Futterumstellung inakzeptabel hohe HCB-Belastungen aufweisen. Die von der MedUni Wien berechneten Maximalwerte für HCB sind um das Neunfache überschritten!"

Assoz.-Prof. DI Dr. Hans Peter Hutter von der MedUni Wien erklärt:
"Unsere Blutuntersuchungen an 135 Personen aus dem Görtschitztal haben gezeigt, dass diese Menschen eine deutlich erhöhte HCB-Belastung aufweisen. Unser Institut wurde daher beauftragt, auf Basis dieser Blutwerte HCB-Grenzwerte zu berechnen, die sicher stellen, dass belastete Personen weniger HCB aufnehmen als ausscheiden und daher eine Entgiftung stattfinden kann. Unsere Berechnungen zeigten dass diese toxikologisch begründeten Maximalwerte zum Teil sehr deutlich unterhalb der geltenden EU-Grenzwerte für HCB liegen. Jetzt geht es darum, für die belasteten Menschen im Görtschitztal sicherzustellen, dass diese gesundheitlichen Richtwerte nicht überschritten werden."

Aufhebung der Untersuchungspflicht muss revidiert werden

Besorgt über das Untersuchungsergebnis ist auch die betroffene Biobäuerin Isa Priebernig. "Wenn sogar unsere Tiere, obwohl unser Hof sieben Kilometer vom Zementwerk Wietersdorfer entfernt liegt, neun Monate nach dem Futtertausch immer noch derartig hohe HCB-Werte haben, dann möchte ich wissen, wie es im Zentrum der Kontamination ausschaut, etwa in Klein St. Paul oder Wieting", sagt die Mutter von vier HCB-belasteten Kindern. "Doch seit das Land Kärnten uns Bauern in einem Schreiben über die Aufhebung der HCB-Untersuchungspflicht für Schlachttiere informiert hat, glauben natürlich viele, dass die HCB-Belastung soweit gesunken ist, dass unsere Erzeugnisse wieder bedenkenlos konsumiert und vermarketet werden können."

Von der allgemeinen Untersuchungspflicht waren im Görschitztal seit Bekanntwerden der HCB-Problematik rund 400 Tierhalter betroffen. GLOBAL 2000-Experte Burtscher: "Der Bescheid des Landes Kärnten zur Aufhebung der HCB-Untersuchungspflicht ist wissenschaftlich nicht nachvollziehbar und prolongiert die Gefährdung der menschlichen Gesundheit im Görtschitztal. Denn der EU-Grenzwert, auf dessen Einhaltung sich der Bescheid bezieht, ist nicht sicher. Darüber sind sich die ExpertInnen des UBA (Umweltbundesamt), der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und der Meduni Wien einig." Ein schriftliches Ersuchen des Gesundheitsministeriums an die EU-Kommission, den HCB-Grenzwert neu zu bewerten, wurde von der Kommission allerdings ablehnend beantwortet.

"Fragwürdig ist auch die Annahme einer Halbwertszeit von 73 Tagen für den HCB-Abbau bei Nutztieren. Denn beim Menschen liegt diese Halbwertszeit bei durchschnittlich sechs bis sieben Jahren. So lange wird es dauern, bis die erhöhten HCB-Belastungen in Körperfett, Blut und Muttermilch der Görtschitztaler Bevölkerung auf die Hälfte reduziert sein werden. Aber auch nur dann, wenn jede weitere vermeidbare Zufuhr von Hexachlorbenzol verhindert wird", so Burtscher abschließend.

GLOBAL 2000 fordert daher:

1.) Umgehende schriftliche Information an alle Görtschitztaler Haushalte über die von der MedUni Wien berechneten "Maximalwerte für HCB in Lebensmitteln", deren Einhaltung erforderlich ist, um eine Entgiftung der belasteten Bevölkerung im Görtschitztal zu ermöglichen.

2.) Sofortige Wiedereinführung der Untersuchungspflicht für Schlachttiere im Görtschitztal.

3.) Laufendes Lebensmittelmonitoring für Erzeugnisse aus dem Görtschitztal hinsichtlich der Einhaltung der "HCB-Maximalwerte" der MedUni Wien und Veröffentlichung aller Untersuchungsergebnisse.

4.) 100-prozentige Entschädigung der Bauern für all jene Produkte, die aufgrund einer Überschreitung der HCB-Maximalwerte der MedUni Wien nicht vermarktet werden können. Bis die Verantwortung für die Kontamination, also der Verursacher, rechtskräftig festgestellt ist, muss das Land Kärnten im Interesse der öffentlichen Gesundheit diese Gelder vorstrecken!

Anmerkung: Die in der Aussendung zitierten Quellen finden Sie unter http://www.global2000.at/presse zum Herunterladen...

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GLOBAL 2000 Umweltchemiker: DI Dr. Helmut Burtscher, 0699 14 2000 34, helmut.burtscher@global2000.at

ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt: Assoz.-Prof. DI Dr. Hans Peter Hutter, 01 40160 34 930, hans-peter.hutter@meduniwien.ac.at

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