- 23.09.2015, 18:04:09
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OÖNachrichten-Leitartikel: ",So kann es nicht weitergehen'", von Gerald Mandlbauer
Ausgabe vom 24. September 2015
Utl.: Ausgabe vom 24. September 2015 =
Linz (OTS) - Das wahrscheinlich das Volksempfinden am besten
wiedergebende Wahlplakat hängt in Linz, seine Schlagzeile lautet: "So
kann es nicht weitergehen!"
Diese Überzeugung ist tatsächlich weit verbreitet. Sie führt deutlich
über das Asylthema hinaus, besteht aus diffusen Zukunftsängsten, die
sachlich schwer zu widerlegen sind, und findet sich nun verdichtet
auf besagtem Plakat. Dessen Absender ist die FPÖ, die es wie keine
andere Partei versteht, Ängste zu verdichten und mit politisch
legitimer Vereinfachung als Grundierung zu versehen. Nur konstruktiv
ist das alles nicht.
So lautet auch der grundlegende Vorwurf an die Freiheitlichen, dass
sie auf Gefühlen und Ängsten reiten, wohl im Wissen, dass starke
Emotionen nicht zu widerlegen sind, es sei denn, durch noch stärkere
Emotionen.
Doch finden sich solche in der Asylfrage, oder gegen die oben
zitierte Zukunftsangst? Das vor uns Liegende ist immer schwierig,
komplex, unsicher. Man kann sich dieser Zukunft allerdings
konstruktiv und sachlich nähern, oder eben anders, latente Ängste
übertreibend, vereinfachend, nicht zu einer Lösung beitragend,
sondern eine solche erschwerend. Das sind unterschiedliche Muster,
die Wortwahl spielt immer eine Rolle.
Die FPÖ geht dabei den leichteren Weg, ihr spielen die Themen in die
Hände, sie nutzt die Umstände dieses Wahlkampfes mit ihrer Art der
Kommunikation am effektivsten. Auch deswegen wird sie ab Sonntagabend
in Oberösterreich ein anderes Gewicht einnehmen, sie wird viel
bedeutender sein (ob vielen Wählern das passt oder nicht), und sie
hat einen größeren Weg zur Versachlichung vor sich, weil sie wie in
jedem Wahlkampf die Dinge an die Grenze und in den Bierzelten darüber
hinaus getrieben hat.
Dieser Spurwechsel kann gelingen, daran soll Manfred Haimbuchner
schließlich gemessen werden. Denn er ist zwar vieles, aber sicher
nicht "der größte Dolm seiner Partei", als den ihn vor fünf Tagen der
Chef einer bunten Wiener Zeitung beschrieben hat. Und weil er nicht
dumm ist, wird er weiters wissen, dass der zurückliegende Wahlkampf
eine eher leichte Übung gegen das ist, was vor den Freiheitlichen
liegt. Sie sollen als Mittelpartei einen konstruktiven Beitrag zu
einem moderneren Oberösterreich leisten. Mit den Mitteln ihres
Wahlkampfs wird das nicht gelingen. Haimbuchner weiß es. Wissen es
alle seine Sympathisanten?
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