- 23.09.2015, 12:48:51
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Österreichs E-Wirtschaft kämpft für Erhaltung der Preiszone mit Deutschland
„Europäische Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden ACER entscheidet wider den Geist des Strombinnenmarkts“
Utl.: „Europäische Agentur für die Zusammenarbeit der
Energieregulierungsbehörden ACER entscheidet wider den Geist
des Strombinnenmarkts“ =
Wien (OTS) - Als Schlag gegen den Strombinnenmarkt bezeichnete
Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, der
Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft die
Stellungnahme der Europäischen Agentur für die Zusammenarbeit der
Energieregulierungsbehörden (ACER), in der die Austrian Power Grid AG
und die betroffenen Übertragungsnetzbetreiber sowie Regulatoren
aufgefordert werden, innerhalb von vier Monaten einen Umsetzungsplan
zur Einführung einer Engpassbewirtschaftung an der Grenze von
Österreich nach Deutschland zu erstellen. Schmidt: "Statt die
Integration zur Vollendung des Elektrizitätsbinnenmarktes
voranzutreiben, desintegriert ACER aus durchsichtigen politischen
Überlegungen die Märkte."
Für die österreichischen Stromkunden würde eine
Engpassbewirtschaftung an der Grenze zu Deutschland, wo es gar keinen
strukturellen Engpass gibt, Mehrkosten von bis zu 300 Millionen Euro
pro Jahr bedeuten. Schmidt: "Osterreichs Energie fordert daher alle
verantwortlichen Akteure auf, gegen dieses Vorhaben zu kämpfen und
eine Benachteiligung Österreichs zu verhindern." Die Stellungnehme
von ACER beruhe zudem auf einer reinen Vergangenheitsbetrachtung und
berücksichtige keine zukünftigen Entwicklungen wie den Leitungsausbau
in Deutschland, an den Grenzkuppelstellen oder die
Phasenschieberinvestitionen zwischen Deutschland und Polen.
Versäumnisse beim Netzausbau verursachen Probleme
Ursache der aktuellen Probleme im Stromnetz ist nicht ein
vermeintlicher Engpass an der österreichischen Grenze, sondern die
hohe Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in
Norddeutschland, für dessen Transport nach Süddeutschland keine
ausreichenden Leitungskapazitäten vorhanden sind. So kommt es zu
sogenannten "Ringflüssen", weil dieser Strom seinen Weg über Polen,
Tschechien und Österreich nach Süddeutschland nimmt.
Die innerdeutschen Engpässe und Ringflüsse werden durch die Aufgabe
der gemeinsamen Preiszone ja nicht verschwinden, so Schmidt: "Durch
die Einführung eines Engpassmanagementverfahrens an der Grenze wird
das innerdeutsche Engpassproblem künstlich an die Grenze verlagert,
obwohl ein solches künstliches Verschieben von Engpässen an nationale
Grenzen nach EU-Wettbewerbsrecht nicht zulässig ist." Zu befürchten
ist vielmehr eine Verschleppung des Problems. Schmidt: "Diese
Maßnahme setzt gerade keine Anreize, den jedenfalls notwendigen
Netzausbau in Deutschland und auch in Polen voranzutreiben, ganz im
Gegenteil, eine erhebliche Verzögerung wird die Folge sein. Weniger
marktinvasive technische Maßnahmen und Kooperationen sind deutlich
besser geeignet, den Netzausbau zu überbrücken".
E-Wirtschaft geschlossen für Erhaltung des funktionierenden
Binnenmarkts
Ein Marktsplitting widerspricht komplett dem Ziel des europäischen
Strombinnenmarkts. "Gerade die gemeinsame Preiszone mit Deutschland
war bisher ein erfolgreiches Beispiel europäischer
Integrationsbestrebungen. Einschlägige Studien (Consentec 2015,
Frontier Economics 2013, RWTH Aachen 2012) warnen deshalb vor der
Aufteilung großer, liquider Gebotszonen, denn im Ergebnis würden
Wettbewerbsintensität und Liquidität des Strommarkts sinken."
Oesterreichs Energie spricht sich dezidiert für einen ungehinderten
Stromaustausch, die Aufrechterhaltung der derzeitigen Preiszonen und
einen Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit über
ein koordiniertes Redispatching und Countertrading aus. Die
gemeinsame Preiszone nützt nicht nur der E-Wirtschaft, sondern ist
ein Grundelement für den Wirtschaftsstandort. Mit zunehmender
Liquidität nehmen die Kosten des Handels ab, Kraftwerksbetreiber,
Lieferanten und Endkunden können sich kostenoptimal absichern und der
breitere Wettbewerb führt zu adäquaten Energiepreisen, von denen der
Wirtschaftsstandort Österreich profitiert.
Oesterreichs Energie hat in den vergangenen Jahren vielfach gegen die
Aufteilung der Preiszone Stellung bezogen und plädiert für mehr
Ehrlichkeit. Schmidt: "Wir sind für die Einführung von
Engpassmanagementverfahren dort, wo strukturelle Engpässe diese
Maßnahme erfordern, Fakt ist aber, dass an der Grenze zwischen
Österreich und Deutschland kein struktureller Engpass existiert."
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