• 21.09.2015, 12:11:36
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Mogelpackung „atomstromfrei“

E-Control muss aktiv werden: Umweltbilanz unseres Stroms so schlecht wie noch nie

Utl.: E-Control muss aktiv werden: Umweltbilanz unseres Stroms so
schlecht wie noch nie =

St. Pölten (OTS) - Der heute von der E-Control veröffentlichte
Stromkennzeichnungsbericht zeigt deutlich, dass Österreich seinen
Stromverbrauch noch immer mit bis zu 11 % Atomstrom deckt. "Die von
der E-Control verkündete Atomstromfreiheit Österreichs ist ein
Märchen", bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft und
ergänzt: "Solange es keine Änderungen auf europäischer Ebene gibt,
sind die Herkunftsnachweise eine Mogelpackung".

Atomstrom unter dem Deckmantel der Wasserkraft

Die E-Control präsentierte heute den Stromkennzeichnungsbericht. Zwar
gibt es seit heuer die vollständige Kennzeichnungspflicht des in
Österreich verbrauchten Stromes. "Was beim schnellen Hinschauen sehr
fortschrittlich erscheint, ist bei genauerer Betrachtung eine
richtige Mogelpackung", bemerkt Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG
Windkraft. Gemäß dem heute veröffentlichten
Stromkennzeichnungsbericht der E-Control stammten im Jahr 2014 30,9 %
der Stromkennzeichnungszertifikate aus dem Ausland. Laut E-Control
handelt es sich hierbei zum Großteil um schwedische und norwegische
Wasserkraftzertifikate. Die Stromzertifikate sind in der Europäischen
Union getrennt vom Stromverkauf handelbar. Dadurch ist es auch
möglich, saubere Wasserkraftzertifikate zu kaufen und auf dreckigen
Atomstrom zu kleben und somit den Strom "grün zu waschen". "Es steht
zwar Wasserkraft drauf, drinnen kann aber Kohle- und Atomstrom
stecken", so Moidl und ergänzt: "So ist unser Nachbarland Tschechien
im Bericht gar nicht zu finden, obwohl es jenes Land ist, aus dem wir
am meisten Strom importieren."

Bis zu 11 % Atomstrom in österreichischen Stromnetzen

Geht man davon aus, dass bei 30,9 % der ausländischen
Wasserkraftzertifikate nur Kohle- und Atomstrom versteckt wurde, und
rechnet man mit einem durchschnittlichen Atomstromanteil in Europa
(ohne erneuerbare Energien) von 37,5 %, enthielt der österreichische
Stromverbrauch bis zu 11 % Atomstromanteil. "Solange die Pflicht zur
vollständigen Kennzeichnung für Strom nicht in ganz Europa eingeführt
ist, führt die österreichische Stromkennzeichnung leider zu einer
Mogelpackung", bemerkt Moidl und ergänzt: "Wo sind die Initiativen
der E-Control, diese Kennzeichnung auch in anderen europäischen
Ländern umzusetzen? Es wäre ein Leichtes, dies in höchsten
europäischen Gremien zu vertreten und offensiv einzufordern."

CO2-Emissionen real gestiegen

Die E-Control rechnet mit den Herkunftsnachweisen geringere
CO2-Emissionen aus. "Dies hat aber mit den tatsächlichen
CO2-Emissionen nicht viel zu tun", bemerkt Moidl und setzt fort:
"Wenn in der Realität mehr Strom aus Tschechien und Deutschland, also
Ländern mit einem sehr hohen Kohle- und Atomstromanteil, nach
Österreich importiert wird, glaubt wohl niemand, dass sich dann die
Umweltbilanz verbessert."

Ausbau der erneuerbaren Energien Gebot der Stunde

Um den Atomstrom aus Österreich wirklich zu verdrängen, muss daher
der Ausbau der erneuerbaren Energien mit erhöhtem Tempo fortgesetzt
werden. "Leider haben sich die Rahmenbedingungen für Ökostromanlagen
extrem verschlechtert, wodurch wir derzeit eher auf einen Stillstand
des Ausbaus erneuerbarer Energien zusteuern", erklärt Moidl und
ergänzt abschließend: "Hier hat die Politik einen klaren Auftrag,
sichere und stabile Rahmenbedingungen wieder herzustellen."

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