Flüchtlinge in Europa – Wie geht es weiter?

Initiative „CALL4Europe“ sucht die besten Ideen: Crowdfunding für Europa

Wien (OTS) - Die Soforthilfe für ankommende Flüchtlinge in Österreich hat in den letzten Wochen hervorragend geklappt. Auf Respekt.net, Österreichs größter Crowdfunding-Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement, wurden innerhalb weniger Tage mehr als 50.000 Euro für Flüchtlingsprojekte gespendet. Langfristig braucht es jedoch nachhaltige Konzepte und Projekte, um Flüchtlinge in alle Bereiche der Gesellschaft zu integrieren. Die Initiative CALL4Europe fördert Projekte, die genau hier ansetzen. Der Verein Respekt.net verdoppelt die Budgets von kreativen Ideen, die sich mit aktuellen und zukünftigen Herausforderungen Europas beschäftigen, insgesamt bis zu 100.000 Euro. Die Einreichfrist läuft noch bis zum 18. Oktober 2015 auf www.call4europe.eu.

Die aktuelle Flüchtlingswelle aus Kriegsgebieten im Nahen Osten hat bei Europas Bevölkerung eine enorme Hilfsbereitschaft ausgelöst. Das zivilgesellschaftliche Engagement hat sich auch auf der Crowdfunding-Plattform Respekt.net gezeigt: Viele Projekte zur Flüchtlingshilfe konnten in kürzester Zeit über Crowdfunding ausfinanziert werden. Die Politik jedoch stellt diese Situation vor große Herausforderungen.

Martin Winkler, Präsident des Vereins Respekt.net, über die derzeitige Situation in Europa: "Europa war auf diese Flüchtlingswelle nicht vorbereitet. Dieser Zustrom ist nur einer der vielen Herausforderungen, vor denen Europa jetzt steht und auch noch länger stehen wird. Der Projektbewerb CALL4Europe setzt genau hier an: Gesucht werden nachhaltige, kreative Ideen oder auch unkonventionelle Ansätze, die sich mit der Zukunft Europas beschäftigen. Dabei nimmt die Frage, wie mit der aktuellen Migrationsbewegung umgegangen werden soll, einen ganz besonderen Stellenwert ein. Die besten Projekte werden in Form von einer Spendenverdoppelung belohnt. In Summe stehen dafür 100.000 Euro zur Verfügung."

Einfach, unkompliziert und schnell: Hilfe für Flüchtlinge durch Crowdfunding

Wie effizient und rasch Hilfe für Flüchtlinge über Crowdfunding realisiert werden kann, zeigen die vielen Projekte, die in den letzten Wochen über Respekt.net ausfinanziert werden konnten. In diesem Jahr wurden bis dato bereits 20 Projekte in der Kategorie Flüchtlinge und Zuwanderung mittels Crowdfunding finanziert. Dazu zählen beispielsweise Lernhilfeprojekte und Sprachförderungen, Unterstützung im Berufseinstieg, aber auch Dolmetscher für Lampedusa oder kulturelle Veranstaltungen.

Einen wissenschaftlichen Beitrag zur Migration möchte das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte leisten, das auf CALL4Europe eine Studie zum Thema europäische Flüchtlingspolitik eingereicht hat. Ziel dieser Studie ist, aus den Ergebnissen Empfehlungen zu einer menschenrechtskonformen Umsetzung des Rechts auf Asyl ableiten zu können.

Dazu Margit Ammer, Asylrechtsexpertin des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte: "Sichere und legale Wege für Flüchtende nach Europa zu schaffen, ist eine der zentralen Herausforderungen, die sich angesichts der Tragödien im Mittelmeer stellen. Innerhalb der EU brauchen wir dringend eine funktionierende Alternative zum Dublin-System, die Sicherstellung von menschenwürdiger Unterbringung und Versorgung und die Einhaltung von Menschenrechten von Flüchtenden und Asylsuchenden über die existentiellsten Grundbedürfnisse hinaus. Und schließlich muss sich Europa damit auseinandersetzen, welche menschenrechtlichen Verantwortungen es an seinen Außengrenzen hat und ob Migration politisch weiterhin primär als Sicherheitsproblem behandelt werden soll. Mit unserer Forschung wollen wir zu Lösungen für eine der großen europäischen Herausforderungen mit globaler Dimension beitragen."

Gründerin des Start-ups Klaiton, Tina Deutsch, sucht über Respekt.net Unterstützung für das Projekt "CultureGym" zur Förderung des interkulturellen Dialogs: "Im Zuge der aktuellen Entwicklungen ist Europa mit viel Unsicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger konfrontiert. Mit der Initiative "CultureGym" möchten wir daher sämtliche Schülerinnen und Schüler in Österreich mit einem Tour-Bus erreichen, in dem sie vielseitig und interaktiv kulturelle Kompetenzen trainieren können. Damit sollen interkulturelle Fähigkeiten gestärkt und langfristig Ängste abgebaut werden." Bei Erfolg des Projekts soll das kulturelle Fitnesscenter ("CultureGym") auch in anderen europäischen Ländern eingesetzt werden.

Europa steht an einer Weggabelung

Migration und Flucht, aber auch andere Themen wie Arbeitslosigkeit und die hohe Lebenserwartung stellen den Kontinent vor große soziale und wirtschaftliche Herausforderungen. Wie können die Zukunft des Wohlfahrtsstaates und die wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt werden? Wie kann die Innovationskraft gestärkt werden, ohne die Errungenschaften des Wohlfahrtstaates aufs Spiel zu setzen? Wie kann Europa die wirtschaftliche und politische Koordination verbessern?
Wolfgang Petritsch, ehemaliger Botschafter und Hoher Repräsentant der EU in Bosnien, ist Mitglied des Senior Advisory Boards von Respekt.net und der Jury von CALL4Europe: "Respekt.net verfolgt mit Sorge die zunehmende Orientierungslosigkeit der europäischen Politik. Die Unfähigkeit vieler Regierungen auf die tatsächlich schwierige Flüchtlingssituation rasch und überlegt zu reagieren, ist bloß eine weitere ‚Baustelle’ auf dem Weg zu einer Europäischen Union, die diesen Namen verdient. Wir von Respekt.net sind von der ‚Idee Europa’ überzeugt und wollen daher engagierte Bürgerinnen und Bürger mit dem CALL4Europe ermutigen weiterzumachen und sie finanziell zu unterstützen, wo immer möglich."

Die Erste Bank setzt sich aktiv für die Initiative CALL4Europe ein, denn so Thomas Uher, Vorstandsvorsitzender der Erste Bank Oesterreich: "Europa ist mehr als eine Wirtschaftsgemeinschaft. Leider wird das in letzter Zeit oft vergessen. Es braucht daher umso mehr engagierte Menschen, um die vielfältigen Herausforderungen jetzt und in der Zukunft zu meistern. Daher unterstützen wir den CALL4Europe."

Aktuell hat die Bank in ihrem Erste Campus am Wiener Hauptbahnhof spontan rund 240 Schlafplätze für Flüchtlinge eingerichtet. Bankmitarbeiter haben vergangenes Wochenende freiwillig Stockbetten zusammengeschraubt und so ein voll ausgestattetes Notquartier für Flüchtlinge inklusive medizinischer Versorgung eingerichtet. Menschen die nachweislich ein Asylverfahren in Österreich laufen haben, bekommen außerdem bis zum Abschluss des Verfahrens ein Gratiskonto von der Erste Bank zur Verfügung gestellt. "Die Flüchtlingsthematik ist nur eine der vielen Herausforderungen Europas. Daher brauchen wir die besten Ideen und Projekte, um mit einem starken Europa eine positive Zukunft gestalten zu können", so Uher weiter.

Einreichungen bis 18. Oktober 2015 auf Deutsch und Englisch möglich Bis zum 18. Oktober 2015 können passende Projekte unter www.call4europe.eu auf Deutsch oder Englisch eingereicht werden. Die Finanzierung erfolgt auf der Crowdfunding-Plattform www.respekt.net.

Für die ausgewählten Projekte wird die Hälfte der Projektkosten -maximal 20.000 Euro pro Projekt - von Respekt.net getragen. Diese Projekte müssen nur mehr die Hälfte der benötigten Mittel selbst sammeln. Wer diese "Verdopplungsspende" bekommt, entscheidet eine hochkarätige Jury bestehend aus Dr. Franz Fischler, ehemaliger EU-Kommissar, Dr. Irmgard Griss, ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Dr. Wolfgang Petritsch, ehemaliger Botschafter und Hoher Repräsentant der EU in Bosnien, Franz Karl Prüller, Vorstandsvorsitzender ERSTE Stiftung, Dr. Heide Schmidt, ehemalige Abgeordnete zum Nationalrat, und Johannes Voggenhuber, ehemaliger EU-Abgeordneter.

"Crowdfunding ist kein öffentlicher Geldautomat, bei dem man sich einfach anstellt und auf die Geldausgabe wartet. Die Einreicher müssen Eigeninitiative beweisen und ihre Ideen bewerben", erklärt Martin Winkler von Respekt.net. Jene Projekte, die für CALL4Europe eingereicht werden, werden auf der Crowdfunding-Plattform speziell gekennzeichnet. "Jeder Cent, der in diese Projekte investiert wird, lohnt sich, denn damit können letztendlich Projekte für Europa in Summe von 200.000 Euro umgesetzt werden", so Winkler abschließend.

Alle Informationen und Teilnahmebedingungen zu CALL4Europe:
www.call4europe.eu
Fotos zur Pressekonferenz: www.hirako.at/call4europe (Fotohinweis:
Daniel Hinterramskogler)

Rückfragen & Kontakt:

Verein Respekt.net, Corinna Geißler, +43 1 4020162, call4europe@respekt.net

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