Was ist gesundheitlicher Fortschritt wert?

Wien (OTS) - "Die Produktivitätsverluste infolge gesundheitlicher Probleme und dem daraus folgenden frühzeitigen Ausstieg aus dem Arbeitsmarkt sind in Österreich besonders hoch: 18 Prozent der Menschen beenden ihre Beschäftigung aufgrund eigener Krankheit und Behinderung. Damit liegen wir in Europa an vierter Stelle. Das muss sich ändern", konstatierte Dr. Martin Gleitsmann im Rahmen einer Podiumsdiskussion gestern Abend. Mit dem Leiter der Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit in der WKÖ diskutierten Dr. Helmut Ivansits, Leiter der Abt. Sozialversicherung in der AK Wien, Mag. Jan Pazourek, Generaldirektor der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse sowie Mag. Christian Thonke, stv. Obmann des Pharmaausschusses, den Nutzen von Investitionen in innovative Arzneimittel. Mitdiskutant und Gastgeber der Veranstaltung war auch FOPI-Präsident Mag. Ingo Raimon.

In Gesundheit altern wird aus Sicht des Gemeinwesens als wertvolles Gut gesehen. Investitionen in innovative Arzneimittel und Therapien sind für die Krankenkassen wirtschaftlich von Vorteil. Und auch die Pensionsversicherungen profitieren davon, dass die Versicherten länger im Erwerbsleben bleiben - wenngleich es laut Experten gar nicht die Alterspensionen seien, die dem System zusetzen, sondern der frühe Zugang zur Invaliditäts- oder Berufsunfähigkeitspension (Anm.:
Im 1. HJ 2015 lag dieser im Durchschnitt bei 54 Jahren und 10 Monaten).

"Dank pharmazeutischer Innovationen, die für alle zugänglich sind, bleiben die erwerbstätigen Menschen in Österreich gesünder und können daher auch länger arbeiten", sagt Sozialexperte Martin Gleitsmann. "Arbeitsleben und Privatleben gemeinsam formen die Gesundheit in fortgeschrittenen Lebensabschnitten", pflichtet Ivansits bei. "Entsprechend sind Betriebe genauso wie jeder Einzelne aufgerufen, für diese besondere Zukunftsvorsorge Verantwortung zu übernehmen."

Aufklärung über Innovationen: Es besteht Handlungsbedarf

An Innovationen fehlt es hierzulande nicht, immerhin reinvestiert die heimische Pharmabranche bis zu ein Fünftel des Umsatzes in den F&E-Bereich. Das Problem, so FOPI-Präsident Ingo Raimon: "Innovative Arzneimittel und Therapien werden vielfach auf ihre Kosten reduziert. Mehr noch: "Die Kosten werden als Argument benutzt, um Innovationen nicht zuzulassen oder nicht für alle Patienten verfügbar zu haben. Vielfach wird dieses Thema über die Medien gespielt, was nicht selten dazu führt, dass die gesunde Bevölkerung lediglich den zeitlich begrenzten Kostenfaktor sieht." Ebenso spricht sich Gleitsmann dafür aus, dass "endlich die Gesamtsicht in die Diskussion über Kosten einfließen muss".

Die Frage ist: Wie kann der Nutzen von Investitionen in innovative Arzneimittel und Therapien verdeutlicht werden? Aufklärung sei wichtig, aber zu wenig, sagt Dr. Helmut Ivansits: "Die Botschaft muss bei den Menschen ankommen. Und hier gibt es Handlungsbedarf im Gesundheitswesen, wie generell im präventiven und rehabilitativen Segment. Die in der Gesundheitsreform geschaffenen Plattformen der Zusammenarbeit z.B. zwischen Bund und Ländern sind ein erster wichtiger Schritt, lösen aber per se noch keine Probleme."
Die Bevölkerung muss darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass der rechtzeitige Einsatz geeigneter (finanzieller) Mittel nicht nur die Lebensqualität im Alter essenziell erhöht, sondern dass Innovationen auch volkswirtschaftlich einen enormen und langfristigen Gewinn darstellen.

Die Entwicklung innovativer Medikamente sei eine seit Jahrzehnten andauernde Erfolgsstory, die das Leben von praktisch jedem von uns verbessert habe, betont auch Christian Thonke vom Pharmaausschuss:
"Dies hat mit der Erfindung effektiver Schmerzmittel und der Antibiotika-Therapien begonnen und setzt sich bis heute im Bereich der zielgerichteten Therapien fort. Der Wert dieser Innovationen für die Patientinnen und Patienten ist enorm - ehemals lebensgefährliche Krankheiten können heute oft geheilt oder in chronische Erkrankungen verwandelt werden."

Kostenträger vs. Nutznießer: Ausgleich und partnerschaftliches Vorgehen

Ein weiteres Spannungsfeld, das das österreichische Gesundheitswesen immer wieder vor eine Zerreißprobe stellt: die charakteristische Trennung in einen extra- und intramuralen Bereich mit unterschiedlichen Finanzierungsquellen. Diese führt nämlich in vielen Fällen dazu, dass die Krankenversicherungsträger zahlen, während andere davon profitieren - von den Betroffenen bis zu den Pensionsversicherungen. Raimon fordert daher "einen klaren Ausgleich zwischen Kostenträger und Nutznießer".

Der Generaldirektor der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse Mag. Jan Pazourek weist darauf hin, dass nur finanziell gesunde Kassen für stabile Umsätze der Pharmawirtschaft sorgen können. "Die Aufwendungen der Kassen für Heilmittel steigen gegenwärtig um mehr als 8 Prozent, was die Finanzierbarkeit der sozialen Krankenversicherung substantiell gefährdet. Grund dafür ist nicht die positive Innovationskraft der Branche, sondern die problematische Preispolitik einiger weniger Firmen", zeigte sich Pazourek besorgt über die gegenüber früheren Perioden bis Mitte dieses Jahres stärker steigenden Ausgaben.

Hier regt Raimon an, dass endlich in aller gebotenen Transparenz unter den Gesprächspartnern die wahren Kosten und Aufwendungen der Träger genannt werden. FOPI spricht sich hier weiterhin für ein partnerschaftliches, sektorenübergreifendes Vorgehen zwischen Sozialversicherungsträgern, Spitalserhaltern, der pharmazeutischen Industrie und den Pensionsversicherungen aus.

Die Podiumsdiskussion "Investition und Nutzen: Innovative Arzneimittel für Österreich" fand gestern Abend in der Business Residence Le Palais auf Einladung des FOPI - Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich -, der Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich, eine Initiative der Wirtschaftskammer Österreich, und des Fachverbandes der chemischen Industrie Österreichs statt.

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