WTV: Milch- und Fleischproduktion auf Kosten von Mensch und Tier

WTV-Präsidentin Petrovic: „Nur für tiergerechte Erzeugungen gibt es mittelfristig gute Marktchancen“. Sechs Forderungen an Politik und Behörden.

Vösendorf (OTS) - In punkto Preiscrash bei Milch und Fleisch reißt die Frustration nicht ab: Bäuerinnen und Bauern demonstrieren samt Traktoren in Brüssel, Tierschützerinnen und Tierschützer müssen künftig, wenn sie Tierleid aufzeigen möchten, mit einer Verwaltungsstrafe rechnen. Umstände, die für den Wiener Tierschutzverein (WTV) keineswegs tragbar sind. Denn hier wird auf Kosten von Mensch und Tier gezielt am Grundproblem vorbeigesteuert.

Die Empfehlungen der Fachleute sind jedenfalls klar: "Höhere Förderungen, gestützte Verschleuderung europäischer Milchprodukte in der ganzen Welt und Gratis-Milchaktionen in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen - all das ist keine Lösung für das Problem", sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. Über Jahrzehnte seien Bäuerinnen und Bauern nicht zuletzt auch von ihren Interessensvertretungen in klassische Produktionsschienen wie Getreide, Milch und Fleisch und auf die Maximierung der Erzeugung unter Einsatz von Technik und Chemie, gedrängt worden. "Nur jene, die die konventionellen Wege nicht verließen, konnten im Fall von Tierkrankheiten oder wetterbedingten Ausfällen der Feldproduktion mit Unterstützung rechnen. Kritische Stimmen wie die aus der Tierschutzbewegung wurden lächerlich gemacht und abgetan - bis heute", so Petrovic.

Weit sensibler hätten laut Petrovic die großen Handelsfirmen reagiert: "Dort macht sich immer mehr die Erkenntnis breit, dass vor allem die Jugend aufgrund der vielen Tierqual- und Lebensmittelskandale den Konsum tierischer Produkte überhaupt immer mehr verweigert oder sehr genau auf eine lückenlose Deklaration tierischer Produkte achtet. Dieser Trend beweist, dass es nicht mehr primär auf den möglichst günstigsten Preis ankommt", sagt Petrovic.

Klasse statt Masse

Auch die heimischen Landwirtinnen und Landwirte seien gut beraten, auf Klasse statt Masse zu setzen. "Dies macht aber nur Sinn, wenn sie transparent arbeiten und mit der Tierschutzbewegung kooperieren", so Petrovic. So gibt es etwa in der Produktion von Eiern und Geflügel seit Längerem eine Zusammenarbeit zwischen Bäuerinnen und Bauern, den Interessensvertretungen der Landwirtschaft, der AMA und Tierschutzvereinen wie dem WTV. "So kann der Bevölkerung garantiert werden, dass die Kontrollen österreichischer Legehennen bei jenen Betrieben, die unter dem Gütezeichenprogramm "tierschutzgeprüft" produzieren, zuverlässig sind. Nur durch dieses Qualitätssicherungs-System konnten in diesem Segment höhere Preise für die Produzentinnen und Produzenten gesichert werden", so die WTV-Präsidentin, die auch ehrenamtliche Geschäftsführerin der Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung ist.

Bei der Milch- und Fleischproduktion sollte es endlich nicht mehr um die Vermarktung von Überschüssen gehen, sondern um eine Reduktion der Mengen bei gleichzeitiger Anhebung und Auszeichnung der Qualität. Petrovic: "Offene Stalltüren statt Strafen und Verfolgung von Tierschützerinnen und Tierschützern, die Missstände anprangern. Qualitätsprogramme, die alle Lebensphasen der Tiere umfassen und klare Vorgaben für Genetik, Aufzucht, Fütterung, Transport und Schlachtung vorsehen. Nur für solche tiergerechte Erzeugungen gibt es mittelfristig gute Marktchancen und nur solche Produktionen werden nicht auf Proteste und Widerstand stoßen". Die Landwirtschaftskammern würden den Umstieg auf kontrollierte, tiergerechte Produktionen allerdings immer noch bremsen. Noch immer werde auf Quantität und Stalltechnik statt auf Kooperation mit der Tierschutzbewegung gesetzt.

Sechs Forderungen

Daher hat der WTV einen Forderungskatalog ausgearbeitet, der wie folgt lautet:

- lückenlose Deklaration tierischer Produkte nach den Lebensbedingungen der Tiere

- flächendeckende Kontrollen unter Einbindung der Tierschutzorganisationen

- Übernahme der Kontrollkosten durch die Öffentliche Hand; Bezahlung der Kontrollen aus EU-Mitteln

- Verpflichtende Verwendung von tierischen Produkten höchster Qualität nach dem Tiergerechtheits-Index (nach Bartussek) in allen Kindergärten, Schulen, öffentlichen Kantinen, Spitälern, Kasernen, etc.

- Sinngemäße Anwendung der Tierschutzbestimmungen auch für landwirtschaftliche Nutztiere

- Schaffung einer bundesweiten Ombudsstelle mit Parteistellung in Verfahren wegen Tierquälerei

"Österreich hat als kleines Land das Zeug dazu, ein Vorzeige-Modell für ganz Europa auf die Beine zu stellen. Faire und gesunde Lebensmittel müssen einen fairen und kostendeckenden Preis erzielen. Die Tierschutzbewegung will das für eine flächendeckend tiergerechte Produktion in Österreich garantieren", so Petrovic abschließend.

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