Konrad: „Trotz Notsituation Gesamtstrategie nicht vernachlässigen!“

„Beides ist notwendig: Notmaßnahmen und vorausschauendes Planen und Tun.“

Wien (OTS) - "Notsituationen erfordern Notmaßnahmen", lässt Christian Konrad, der Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung keinen Zweifel an notwendiger schneller Umsetzung von strukturellen Veränderungen. "Der Ausbau der Transportkapazität und die Organisation von Notquartieren inklusive Betreuung haben jetzt absoluten Vorrang."

Aber er betont auch, "dass nur punktuelles Denken und Handeln zuwenig sind! Trotz Notsituation dürfen wir die Gesamtstrategie nicht vernachlässigen!" - Er plädiert daher "für managen statt verwalten!" In einem Quartier für Flüchtlinge, das von der Volkshilfe im Auftrag des Fonds Soziales Wien geführt wird, gab er sein erstes Pressegespräch in der neuen, ehrenamtlichen Funktion.

"Die Situation ist herausfordernd, aber wir können sie bewältigen"

Drei Wochen nach der Ankündigung seiner Bestellung hat Konrad in dem Pressegespräch berichtet, dass er "selbstverständlich schon vor dem offiziellen Antritt am 1. Oktober aktiv geworden ist." - Er habe viele Gespräche geführt, mit der Bundesregierung, mit Landeshauptleuten, mit Bürgermeistern, Interessensvertretungen, etwa IV und WKO, NGOs und vielen Verantwortlichen in der Wirtschaft.

Zwei Tage nach der Ankündigung im Ministerrat war er auch in Traiskirchen. "Traiskirchen Entlasten ist ein erstes Ziel. Hier fokussieren sich viele Probleme strukturell und organisatorisch!" -Konrad beschreibt die Situation "als herausfordernd", bleibt aber sicher, "dass wir diese Situation bewältigen können, denn die vergangenen Tage und Wochen haben ein großartiges Netzwerk eines hilfsbereiten Österreich sichtbar gemacht!"

Menschlichkeit und Hausverstand müssen Vorrang haben vor Verordnungen

In den vielen Gesprächen sei ihm klar geworden, "dass ein schnelles Überdenken etwa von Bauordnungen notwendig ist". Er plädiere daher "für eine Art Notverordnungen auf der Basis von Menschlichkeit, Hausverstand und Pragmatismus, um Hilfe nicht zu blockieren!", so Konrad.

Beschleunigte Verfahren für Flüchtlinge

Konrad sieht es als notwendig an, dass das Asylverfahren für Kriegsflüchtlinge beschleunigt wird.

Das Ziel bei Kriegsflüchtlingen muss ein Dauerquartier, ein schnelles 1. Interview, Sprachkurse aber auch ein Kompetenzcheck schon während des Asylverfahrens sein.

Für schnelle rechtsstaatliche Klarheit für Asylwerber, die keinen Grund laut Genfer Flüchtlings Konvention für Asyl vorbringen können, müsse ebenfalls vorgesorgt werden. "Das wird ohne Personalaufstockung nicht möglich sein!", so Konrad.

Planung für die kommenden Wochen, aber auch für 2016

In Zusammenarbeit mit dem Bundeskanzleramt, dem Innenministerium und anderen Behörden, aber auch den NGOs sieht er es als vorrangige Aufgabe, "dass ich dazu ermutige, alle Optionen für Quartiere zu prüfen, neue Quartiere zu schaffen und die Betreuung zu sichern." Darüber hinaus müsse aber bereits jetzt "nicht nur für den Quartierbedarf 2016 vorgesorgt werden, sondern auch die Integration der neuen Flüchtlinge vorbereitet werden."
Hier wertet Konrad die von Außenminister Sebastian Kurz angekündigten Maßnahmen als ein wichtiges Signal in die richtige Richtung.

Zivilgesellschaft hat beeindruckendes Engagement gezeigt

"Danke an alle, die ein Österreich sichtbar gemacht haben, das stolz auf dieses Land macht!", schließt sich Konrad der Wertschätzung für die vielen ehrenamtlichen HelferInnen und SpenderInnen an. "Die Zivilgesellschaft hat ein großartiges Engagement gezeigt. Was Privatpersonen, NGOs, Unternehmen hier an Zeit-, Geld- und Sachspenden bewegt haben und bewegen, beeindruckt nicht nur mich." -

Hier ortet Konrad aber auch einen Auftrag, dass es gelingt, mit dieser Hilfsbereitschaft effizient und wertschätzend umzugehen. "Wir sind es auch den tausenden Menschen, die geholfen haben und weiter helfen wollen, schuldig, dass es Strukturen gibt, um mit dieser Hilfsbereitschaft gut umzugehen." Und Konrad weiter: "Wenn wir dabei versagen, die Hilfsbereitschaft emotional und strukturell gut aufzufangen, besteht die Gefahr, dass durch Enttäuschung, Ausbrennen und Frustration, positive Energie verloren geht."

Für Konrad steht in diesem Zusammenhang fest, "dass wir alle hier Verantwortung tragen. Das kann nicht nur den NGOs aufgebürdet werden." In der ORF Aktion "Helfen wie wir" sieht er "eine großartige Initiative ‚Angebot und Nachfrage’ von Hilfe und Initiative aufeinander abzustimmen und zusammenzubringen."

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