Auer: Faymann-Vorschlag für härteren Wettbewerb heizt ruinöses Preisdumping an

Gespräche mit Wirtschaftsministerium zu Agrarmarkt-Control laufen

Ried (OTS) - Vor zwei Wochen hat der Österreichische Bauernbund eine neue unabhängige Behörde gefordert, um ein Gegengewicht zur Übermacht der Handelskonzerne zu schaffen und eine Antwort auf den Preisverfall etwa bei Milch oder Fleisch zu geben. "Um die Einrichtung der Agrarmarkt-Control voranzubringen, haben wir Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium aufgenommen. Die Resonanz ist positiv. Im Moment verstehen breite Bevölkerungsschichten, dass die Situation der Bäuerinnen und Bauern sehr ernst ist", teilte Bauernbund-Präsident Jakob Auer heute anlässlich des traditionellen agrarpolitischen Herbstauftaktes auf der Rieder Messe mit.

"Mit durchschnittlich 30 Cent Erzeugermilchpreis produzieren die Milchbauern auf Verlust. Beim Schweinefleisch ist der Bauernpreis mit 1,30 Euro je Kilo auf einem Sieben-Jahres-Tief. Unser Rezept, um hier gegenzusteuern, heißt Markttransparenz. Wenn die Kalkulationen der Handelsketten so ausschauen, dass die Verarbeiter an die Wand gedrückt werden und die Bauern systematisch draufzahlen, dann brauchen wir Transparenz in diesen Kalkulationen", erklärte Auer.

"Die Handelsketten liefern sich ruinöse Preiskämpfe, die immer auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden. Weder die Urproduzenten, noch die Molkereien verhandeln den Preis, sie bekommen ihn diktiert. Damit gibt es im Nahrungsmittelsektor keinen funktionierenden Markt mehr, sondern monopolartige Oligopole, die Lieferanten und Produzenten Preise und Konditionen diktieren", kritisierte Auer, dass die Marktkrise, die durch das Überangebot wegen des russischen Importverbots verschärft wurde, ausgenutzt werde.

Preisdiktat der Handelsketten gesetzlich einschränken

Der Übermacht der Handelsketten könnte nun bald gesetzlich begegnet werden, so Auer. "Weil der Gesetzgeber unseren Bauern höhere Standards auferlegt und damit die Produktion verteuert, muss er auch danach trachten, dass höhere Kosten entsprechend abgegolten werden. Der Staat sollte dafür sorgen, dass Kostenwahrheit entsteht", wies der Präsident darauf hin, dass sowohl die gentechnikfreie Milch als auch ein strenger Tierschutz in Österreich vom Konsumenten ausdrücklich gewünscht werden, die Kosten dafür aber nicht annähernd vollständig eingepreist seien. "Es ist unsere Aufgabe, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und gegenzusteuern. Das derzeitige Marktversagen ist eine solche Fehlentwicklung, die langfristig die österreichischen Bauern in die Abhängigkeit oder den Ruin treibt", warnte Auer.

Neben der Agrarmarkt-Control will der Bauernbund-Präsident ein zweites, österreichbezogenes Instrument in die Hand nehmen und erreichen, dass öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser, Seniorenheime, Pflegeeinrichtungen oder auch das Bundesheer, verstärkt regionale Nahrungsmittel kaufen.

"Regionale Kreisläufe sind nicht nur gut für die Umwelt, sondern fördern auch die heimische Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze. 10% mehr Inlandsnachfrage bringt 10.000 neue Jobs. Gerade der öffentliche Sektor hat in diesem Zusammenhang eine Vorbildfunktion einzunehmen. Hier ist die öffentliche Hand eigentlich der Konsument, der beim Einkauf jene Nahrungsmittel bevorzugen sollte, deren Qualitätsstrenge er ja als Gesetzgeber verordnet hat", hob Auer hervor, dass ökologische und regionale Kriterien vermehrt im Bundesbeschaffungswesen Eingang finden müssten.

Faymann will Preiskampf auf dem Rücken der Bauern weiter anheizen

"SPÖ-Chef Werner Faymann sagte vor kurzem den seiner Meinung nach zu teuren Lebensmitteln den Kampf an, indem er den Preisdruck der Handelsketten noch zusätzlich anheizen will", warnte Auer. Hier liegt für den Bauernbund-Präsidenten ein grundlegendes Missverständnis vor:
"Der Konkurrenzkampf der drei großen Handelsketten ist längst der totale Preiskrieg. Je mehr ich diesen Preiskrieg anheize, desto ärger werden die Dumpingschlachten werden", gab Auer zu bedenken. "Unter Dumpingpreisen leiden immer die Bauern. Jeder Marktteilnehmer strebt nach Gewinnen oder will zumindest seine Kosten decken: der Handel, der Verarbeiter, nur der Bauer bleibt übrig", stellte der Präsident fest.

Außerdem sei es eine Mär, dass Nahrungsmittel zu teuer seien, das genaue Gegenteil sei der Fall: "Lebensmittel kosten so wenig wie nie zuvor. Mit nur 11% des Einkommens gibt ein Haushalt fürs Essen viel weniger aus als in den vergangenen Jahrzehnten. Dafür landen pro Kopf und Jahr etwa 12 kg Lebensmittel im Müll. Ein Bauer bekommt heute für 1 l Milch weniger als 1995 - damals lag der Preis bei umgerechnet 50 Cent. Auch für ein gemästetes Schwein werden heute lediglich 154 Euro bezahlt, vor dem EU-Beitritt waren es umgerechnet 220 Euro", erinnerte Auer. Nicht Lebensmittel, sondern Mieten und Energie seien die Preis- und Inflationstreiber, unter denen alle gleichermaßen leiden.

"Es sollte also im allgemeinen Interesse liegen, dass wir endlich mehr Transparenz in den Lebensmittelmarkt bekommen. Wir wollen endlich wissen, wer sich den Rahm von der Milch abschöpft", stellte Auer klar. Die Bauern seien es jedenfalls nicht, weil sie zu den aktuellen Preisen nicht mehr kostendeckend produzieren könnten. "Da muss jetzt Licht ins Dunkel kommen und mit Werner Faymann haben wir offenbar einen weiteren Verbündeten für diese neue Transparenz-Behörde gefunden", so Auer.
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