Blecha: Finanzierung der Pensionen nicht durch Kürzungen und Verschlechterungen, sondern durch Wertschöpfungsabgabe sicherstellen

Reformen ja, aber andere als Leitl und Co. – Auch Rürup war Anhänger der Wertschöpfungsabgabe!

Wien (OTS) - "Der Pensionistenverband ist sehr für weitere Reformen im Pensionssystem, aber andere als Leitl, Rürup und Co.!", erklärte PVÖ-Präsident Karl Blecha heute nach der Vorstandssitzung des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), der größten Interessensvertretung der älteren Menschen. ****

"Wir wehren uns gegen unverantwortliches Madigmachen des Pensionssystems seitens der Wirtschaft und der von ihr bezahlten Pensionsexperten und wir wehren uns gegen die noch unverantwortlicheren Blockaden notwendiger Reformen wie zum Beispiel das Bonus-Malus-System und das Pensionsmonitoring", so Blecha zu aktuellen Meldungen aus Alpbach. Blecha nahm das Lob Leitl‘s, dass die Pensionistenverbände hoch professionell arbeiten, dankend an, ergänzte jedoch "dass wir uns auch um jene kümmern, die die Pension noch vor sich haben. Jung und Alt sitzen bei den Pensionen im gleichen Boot!", so Blecha.

Reformen greifen: Antrittsalter steigt, Finanzierung stabil

Blecha: "Es ist eine besondere Niedertracht, wenn man so tut, als sei nichts geschehen! Einheitliches Pensionskonto - seit 2014 in Kraft! Reform der Invaliditätspension, der Hacklerpension und der Langzeitversichertenpension - erledigt! Teilpension kommt! Parallel dazu wurden berufliche Gesundheitsprogramme wie ‚fit2work‘ gestartet und massive staatliche Mittel zur Beschäftigung Älterer eingesetzt. Diese Maßnahmen wirken, das Pensionsalter steigt und hat bereits im ersten Halbjahr 2015 das im Regierungsprogramm für 2018 festgeschriebene Ziel von 60,1 Jahren erreicht.

"Was fehlt sind genau jene Maßnahmen, die einzig und allein von der Wirtschaftsseite blockiert werden: das Bonus-Malus-System und das Pensions-Monitoring, die fix und fertig vorliegen. Das wären die dringendsten Reformmaßnahmen!", so der PVÖ-Präsident, der ein Umdenken der Wirtschaft gegenüber älteren MitarbeiterInnen fordert. "Die ‚zu alt, zu teuer‘-Mentalität ist zu beenden, Menschen ab 50 aus dem Berufsleben hinauszudrängen, hinauszumobben oder in die Früh-Pension abzuschieben ist kein Kavaliersdelikt!"

Der Beitrag des Bundes ist im ASVG von 2013 auf 2014 nahezu gleich geblieben. Hingegen ist er bei den Selbstständigen und Bauern von 2,9 auf 3,2 Milliarden Euro stark angestiegen. Die Beitragsdeckung bei den Selbstständigen beträgt lediglich 49 Prozent, bei den Bauern überhaupt nur 22 Prozent. Im Vergleich: bei Arbeitern und Angestellten liegt sie hingegen bei 81 Prozent! "Das sind die Ungleichheiten, über die Leitl & Co schweigen", so Blecha.

Schluss mit dem ständigen Gejammere von der Unfinanzierbarkeit der Pensionen!

Auch die langfristige Finanzierung ist stabil. Laut dem aktuellen EU-Ageing-Report (definitiv kein Auftragsgutachten des Pensionistenverbandes) steigen die gesamten öffentlichen Pensionsausgaben von 13,9 Prozent des BIP (2013) bis 2060 um lediglich 0,5 Prozent - und das obwohl die Zahl der Über-65-Jährigen um 1,3 Millionen steigt. Blecha: "Daher Schluss mit dem ständigen Gejammere von der Unfinanzierbarkeit der Pensionen!"

Ja zu Reformen! Ohne Wertschöpfungsabgabe wird es nicht gehen - auch Rürup war glühender Befürworter

"Wir wollen Reformen, wir brauchen Reformen! Und zwar deshalb, weil sich die Arbeitswelt fundamental ändert. Wir leben im Zeitalter der 4. Industriellen Revolution die gekennzeichnet ist durch menschenleere Fabrikshallen, in denen Roboter und Computer digital gesteuert und weltweit vernetzt Autos und Industrieanlagen fertigen. Innovative Industriebetriebe erwirtschaften eine immer höhere Wertschöpfung: ihre Roboter und Computer zahlen aber keine Beiträge in die sozialen Vorsorgesysteme für Gesundheit, Pension und Arbeitslosigkeit. Derzeit erfolgt die Finanzierung ausschließlich durch Abgaben von Löhnen und Gehältern. Deshalb ist Österreich Weltmeister in der Besteuerung des Faktors Arbeit! Aber Lohn- und Gehaltssummen ergeben heute kein Abbild der Wirtschaftskraft von Unternehmen. Eine Wertschöpfungs-bezogene Finanzierung des Sozialsystems ist ein Gebot der Stunde!", erklärte Blecha und betonte abschließend: "Vielleicht erinnert sich Prof. Rürup noch daran, dass auch er einmal ein glühender Befürworter der Wertschöpfungsabgabe war!" (Schluss)

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GS Andreas Wohlmuth, Pensionistenverband Österreichs, Telefon: 0664-48 36 138

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