VIRUS: Jetzt auch Grundwasserkrimi bei Megadeponieprojekt

Marchfeldkogel nach UVP-Skandalverhandlung um Blaukalk und Luftschadstoffe erneut in der Bredouille

Wien (OTS) - Nicht zur Ruhe kommt die in Schieflage geratene Megadeponie Marchfeldkogel. Die Umweltorganisation VIRUS deckt nun gravierende Probleme mit dem Grundwasser auf. Sprecher Wolfgang Rehm "Schon bei der abgebrochenen Verhandlung hatte das Projekt schwere Schlagseite wegen Blaukalk&Co im Abfallartenkatalog und der einer Genehmigung entgegenstehenden Luftschadstoffproblematik. Nun kommt noch Grundwassergefährdung dazu, das muss endlich Folgen haben."

Laut VIRUS haben die Experten der Projektkritiker die Zeit seit der mitten im Sommer angesetzten, dann aber abgebrochenen Verhandlung genützt, dem Projekt weiter auf den Zahn zu fühlen und sind fündig geworden. So habe sich herausgestellt dass zwar versucht werden soll, des mit einer derartigen Megadeponie verbundenen Problems massiver Staubbelastung mit Befeuchtungsmaßnahmen Herr zu werden. "Die dafür benötigten Wassermengen übersteigen aber jene Mengen, die der beantragte Brunnen liefern kann, um ein Vielfaches," so Rehm. Weiters würden die Projektbetreiber gesetzwidrig Deponiesickerwasser außerhalb des spezifischen Deponiekompartiments zum Berieseln im Bereich der Bauschuttaufbereitungsanlage einsetzen wollen. "Nicht nur ist das verboten, es ist auch festzuhalten, dass dieses Verdunsten anstelle einer ordnungsgemäßen Entsorgung von Sickerwasser, eine ständige schleichende Anreicherung von Schadstoffen bewirkt, die erst über das Ende der Deponielaufzeit hinaus voll zur Geltung und somit einer Umwelt-Zeitbombe gleichkommt," kritisiert Rehm. Besonders auffällig sei aber die bereits jetzt anzutreffende Vorbelastung mit deponietypischen Schadstoffen, wodurch die Schwellwerte der so genannten "Qualitätszielverordnung-Chemie-Grundwasser" - teilweise massiv - überschritten werden. "Bevor dort überhaupt noch daran zu denken ist, irgendetwas Neues zu errichten, müssten zunächst Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden", erläutert Rehm. Skandalös sei auch der "kreative" Zugang, diese Vorbelastung derart umzudeuten, dass sie als quasi gottgegebene Hintergrundbelastung angenommen werde. Damit und mit dem Trick, vorschriftswidrig anstelle des zuströmenden das abströmenden Grundwasser heranziehen, seien die so genannten "Auslöseschwellen" so hoch festgelegt worden, dass das ohnehin bereits belastete Grundwasser noch weiter belastet werden kann, ohne dass aber irgendwelche Maßnahmen gesetzt werden müssten. In Verbindung mit beantragten Abfallarten, die hohen Schadstoffgehalt aufweisen können, und den Rahmen einer Baurestmassendeponie sprengen, ist dies ein gefährlicher Cocktail. "Hier werden zwingende wasser-und deponierechtliche Bestimmungen nicht eingehalten und soll ein nicht umweltverträglicher Zustand mit Einwirkungen auf das Grundwasser weit über dem zulässigen Bereich auf unabsehbare Zeit festgeschrieben werden", kritisiert Dr. Wolfgang List, Rechtsanwalt der Umweltorganisation.

Für VIRUS stellt sich daher die Frage, warum die Behörde trotz langer Prüfzeit das Problem noch nicht identifiziert und daraus die zwingenden Konsequenzen gezogen hat. "Offenbar waren die Behördenvertreter so damit beschäftigt, bei der Protokollierung das Verhandlungsergebnis im gewünschten Sinne und zugunsten der Projektwerber umzudeuten, dass für die sorgfältige Prüfung des Grundwasserschutzes nichts mehr übrig geblieben ist. Sie kann aber ihre Versäumnisse gutmachen indem sie wenigstens jetzt das öffentliche Ärgernis Marchfeldkogel mittels Abweisung vom überladenen Schreibtisch und aus der Welt schafft, es ist Zeit," so Rehm abschließend.

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Wolfgang Rehm, 0699/12419913, virus.umweltbureau@wuk.at

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