Gewerkschaften zweifeln EU-Ministervorschläge zur Terrorabwehr in Zügen an

vida-Hebenstreit: Nur der Einsatz von qualifiziertem sicherheitsrelevanten Personal wirkt bereits präventiv gegen Übergriffe und Gewalt

Wien (OTS) - Die Vorschläge der EU-Verkehrsminister nach dem vereitelten Terroranschlag in einem Thalys-Hochgeschwindigkeitszug werden von den Vorsitzenden und Fachbereichsvorsitzenden der vier deutschsprachigen Eisenbahngewerkschaften in Europa als "dürftig" und "wenig hilfreich" kritisiert und zurückgewiesen. "Was an vorgeschlagenen Verschärfungen bei Kontrollen diskutiert wurde, geht weitgehend an der Lebenswirklichkeit vorbei", machten Roman Hebenstreit, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Eisenbahn (Österreich), Giorgio Tuti, Vorsitzender der Schweizer Gewerkschaft SEV, Jean-Claude Thümmel, Vorsitzender der Luxemburger Gewerkschaft FNCTTFEL, Alexander Kirchner Vorsitzender der deutschen Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft EVG, sowie Guy Greivelding, Vorsitzender der Sektion Eisenbahn der Europäischen Transportarbeiterföderation (ETF) bei einem gemeinsamen Treffen deutlich.++++

"Es ist bedauerlich, dass die berechtigten Anliegen unserer Kolleginnen und Kollegen in den Zügen und im Servicebereich von den Verantwortlichen bislang weitgehend ignoriert wurden. Nach dem Zwischenfall im Thalys werden jedoch plötzlich eine stärkere Präsenz von Ordnungskräften und verstärkte Kontrollen gefordert", kritisierte Alexander Kirchner (EVG). Die späte Einsicht der Ministerrunde wirke "wie ein Schlag ins Gesicht all derer, die in ihrem beruflichen Alltag tagtäglich mit schwierigen Situationen zu tun haben." Dagegen seien bisher nämlich keine wirksamen Maßnahmen, wie insbesondere höherer Personaleinsatz, veranlasst worden.

Alle vier Gewerkschaften setzen sich schon seit langem dafür ein, dass durch eine möglichst hohe Zahl an qualifizierten MitarbeiterInnen Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Verkehr weiterhin gewährleistet werden kann. "Dazu gehört auch der zielgerichtete Einsatz von gut ausgebildetem Personal", macht Giorgio Tuti (SEV) deutlich. Alle vier Gewerkschaftsvertreter sprechen sich mit Nachdruck dafür aus, den Einsatz von LeiharbeiterInnen im sicherheitsrelevanten Bereich so schnell wie möglich zu verbieten. "Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten und ausschließlich qualifizierte Fachkräfte, die aufgrund ihrer Ausbildung auch präventiv gegen Übergriffe und Gewalt tätig sein können", fordert vida-Gewerkschafter Roman Hebenstreit.

Die Gewerkschafter fordern einheitliche europäische Standards bei der Ausbildung und weiteren beruflichen Qualifikation von sicherheitsrelevantem Personal. "Wir wollen, dass einheitlich qualifiziertes Personal zum Einsatz kommt", betont Jean-Claude Thümmel (FNCTTFEL). So seien etwa die Tätigkeiten und die damit verbundenen Anforderungen von ZugbegleiterInnen mittlerweile derart anspruchsvoll, dass eine einheitliche Qualifikation auf höchstem Niveau sowie damit verbundene Prüfungen unumgänglich sind. Vor diesem Hintergrund sei die Festlegung einheitlicher Ausbildungs- und Prüfungsinhalte eine zentrale Forderung der Gewerkschaften.

"Wir brauchen dringend ein gemeinsames Grundverständnis im Hinblick auf die Mindestbesetzung und den Personaleinsatz in Zügen sowie eine europaweit einheitliche Definition der sicherheitsrelevanten Berufe. In der Luftfahrt ist dies längst umfassend geregelt", hält Guy Greivelding (ETF) dazu fest. Die Gewerkschafter fordern die europäischen Verkehrsminister deshalb auf, im Rahmen ihrer Ratssitzung am kommenden 8. Oktober in Luxemburg endlich klare Positionen zu beziehen. (Schluss)

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