Versorgung des heimischen Erdäpfel-Marktes trotz extremer Trockenheit möglich

Witterung schmälert Erträge der Bauern deutlich - Weniger Export erwartet

St. Pölten (OTS) - Die Ernte der Speiseerdäpfel, die zum direkten Verzehr angeboten werden, gestaltet sich heuer in Österreich aufgrund der fehlenden Niederschläge und der andauernden Hitze äußerst schwierig. Dennoch kann die Branche die Versorgung mit den am heimischen Markt gefragten Qualitäten sicherstellen, also mit Ware kleinerer bis mittlerer Größensortierung. Dies teilte heute Franz Wanzenböck, Obmann der InteressenGemeinschaft Erdäpfelbau (IGE) vor Journalisten mit. "Unsere Erdäpfelbauern werden trotz massiver Ertragseinbußen in der Lage sein, den Inlandsmarkt ganzjährig zu bedienen", so Wanzenböck.

Konsumenten sollten auf AMA-Gütesiegel achten

International sind die Ertragsaussichten deutlich besser als in Österreich. "Wir befürchten, dass mehr Importware in den Handel kommt und unsere Erdäpfelbauern in dem ohnehin schon schwierigen Jahr noch mehr unter Druck gesetzt werden. Darum rufen wir die Handelsketten und alle Konsumenten auf, die heimische Produktion durch den Griff zu rot-weiß-roten Erdäpfeln zu unterstützen", betonte Wanzenböck. Er hofft auf bessere Rodebedingungen zur jetzt beginnenden Haupternte, damit die Knollen nicht beschädigt werden und die Qualität erhalten bleibt.

Für die Verarbeitung von Chips, Pommes und Co, wo große Knollen benötigt werden, kann im Schwerpunktgebiet Marchfeld und in den Anbauregionen Burgenland-Seewinkel und Teilen der Steiermark dank der Beregnungsmöglichkeiten zumindest eine Grundversorgung der Industrie sichergestellt werden. In vielen anderen Anbauregionen sind allerdings große Ertragseinbußen bei der Verarbeitungsware zu erwarten.

Niederösterreich führend bei Erzeugung von Speisekartoffeln

78% der heimischen Speisekartoffelflächen liegen in Niederösterreich, 9% in Oberösterreich. In diesen beiden Bundesländern war es heuer sehr trocken, dem entsprechend groß sind auch die Ertragseinbußen.

Bei der Frühkartoffelproduktion (Heurigen) hat in den vergangenen Jahren das Burgenland aufgrund des wärmeren Klimas und der Bewässerungssysteme zunehmend an Bedeutung gewonnen und produziert in diesem Segment mittlerweile 27%, Niederösterreich hat 46% der Anbauflächen (vor zehn Jahren waren es noch 70%). Auch die Steiermark gewann bei den Heurigen Marktanteile dazu und bepflanzt derzeit 13% der Frühkartoffelflächen. Verarbeitungserdäpfel stehen zu 85% in Niederösterreich, gefolgt vom Burgenland, mit einem Anteil von 13%. Das Burgenland punktet mit der früheren Warenverfügbarkeit und der Ertragssicherung durch Beregnungsmöglichkeit.

Starke Ernteeinbußen bei Stärkekartoffeln

Stärkekartoffeln wachsen zu 93% in Niederösterreich, die weiteren 7% werden in Oberösterreich angebaut. Beim Erdäpfel-Pflanzgut ist Niederösterreich mit 80% das Hauptanbaugebiet, gefolgt von der Steiermark mit 8%.

"Das Hauptproduktionsgebiet für Stärkeerdäpfel ist das Waldviertel. Das an sich hohe Ertragspotenzial dieser Kultur kann heuer auf Böden mit schlechter Wasserspeicherfähigkeit nicht ausgeschöpft werden", berichtete Alfred Sturm, Obmann der Vereinigung österreichischer Stärkekartoffelproduzenten. Er geht von 40% Ernteeinbußen aus: "Ich kann mich an kein schlechteres Ertragsjahr in den letzten 20 Jahren erinnern. Ohne Unterstützung der öffentlichen Hand wird es für unsere Betriebe sehr eng werden", so Sturm.

Produktion durch mehr Bewässerung langfristig absichern

"Die Auswirkungen des Klimawandels werden auch in Österreich immer deutlicher spürbar. Die Landwirte als Hauptbetroffene brauchen zur Sicherung ihrer Betriebe geeignete Maßnahmen. Die Inlandsversorgung ist unter extremen Witterungsbedingungen langfristig gefährdet. Wir fordern daher die Unterstützung des Ausbaus der Bewässerungsinfrastruktur, wie Brunnenbau oder Ringleitungen und konkrete Hilfestellungen bei Projekten zur Erschließung neuer Bewässerungsgebiete", bekräftigte Wanzenböck. Zudem seien im Vergleich zu anderen EU-Ländern die Treibstoffkosten in Österreich sehr hoch. "Deswegen setzen wir uns für die Wiedereinführung des Agrardiesels ein", so Wanzenböck.

Sortenvielfalt hat in den letzten 50 Jahren um 30% zugenommen

Einer aktuellen Studie der AGES zufolge ist die Sorten-Diversität bei Erdäpfeln in den letzten 50 Jahren deutlich gestiegen. So sind heuer 47 Sorten in Österreich eingetragen - 1965 waren es um 30% weniger. Darüber hinaus werden auch andere in der EU eingetragene Sorten in Österreich angebaut. Insgesamt wurden heuer im Inland 85 verschiedene Erdäpfelsorten gepflanzt. Diese Vielfalt ist vor allem in der Direktvermarktung gefragt, um auf individuelle Kundenwünsche optimal eingehen zu können. Österreich hat mit der NÖ Saatbaugenossenschaft eine eigene Zuchtstation für Erdäpfel in Meires im Waldviertel, wo auf traditionelle Weise Sorten gezüchtet werden, die an die heimischen Bedingungen gut angepasst sind.
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