Vertreter des Islam diskutieren im KAICIID Zusammenarbeit zur Versöhnung nach gewaltsamem Konflikt in Zentralafrikanischer Republik

Wien (OTS) - Ende August trafen sich Religionsvertreter der muslimischen Glaubensgemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik in Wien, um zu besprechen, wie muslimische Gemeinschaften in der Region den nationalen Dialog und Versöhnungsprozess gemeinsam unterstützen können.

Das Treffen wurde von dem Internationalen Dialogzentrum (KAICIID), dem Friedensnetzwerk Network for Religious and Traditional Peacemakers, der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) und dem Forum for Promoting Peace in Muslim Societies organisiert. Diese Organisationen haben sich zum Ziel gesetzt, eine langfristige Initiative zur Beteiligung religiöser Vertreter im Prozess nationaler Versöhnung in der Zentralafrikanischen Republik in die Wege zu leiten.

Der Chefberater des KAICIID Mohammed Abu-Nimer hat als Moderator der Sitzung betont, dass ohne Kooperation die Zukunft des Landes auf dem Spiel steht: "Wenn wir zulassen, dass Meinungsverschiedenheiten und alte Probleme den gemeinsamen Fortschritt behindern, dann wird dieser Versöhnungsprozess scheitern. Solange die verschiedenen religiösen Gemeinschaften der Zentralafrikanischen Republik ihre Meinungsverschiedenheiten, sowohl innerhalb als auch außerhalb der unterschiedlichen Gruppierungen, nicht überwinden können, werden wir keine Fortschritte machen. Es ist nicht einfach unsere Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, aber wir müssen es schaffen und zwar durch einen dialogischen Prozess."

Durch den Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik starben tausende Menschen, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Laut einem Bericht, der am 19. Dezember 2014 dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt wurde, starben durch den Konflikt bis zu 6.000 Menschen. Der Bericht hält jedoch fest, "dass solche Schätzungen das volle Ausmaß der Tötungen" nicht erfassen können.

Zehntausende Muslime leben in von den Vereinten Nationen geschützten Enklaven, diejenigen außerhalb dieser Enklaven sind Berichten zufolge Opfer furchtbarer Verfolgungen. Mehr als eine Million Menschen, Animisten, Christen und Muslime, sind vertrieben worden. Vor allem Frauen (insbesondere muslimische Frauen) und Kinder leiden unter der Militarisierung des Konflikts; viele leben bis zum heutigen Tag in Sklaverei.

Trotz des Waffenstillstands, der im Juli 2014 beschlossen wurde, sind Gewalt, weitverbreitete Armut und Vertreibung nach wie vor dringliche Probleme und es wird immer wieder von Gewaltakten berichtet. Die letzten Meldungen diesbezüglich gehen auf August 2015 zurück.

Ein Versöhnungsprozess wurde angeregt: Das sogenannte Bangui-Forum brachte im Mai 2015 fast 700 Entscheidungsträger diverser Gruppierungen der Zentralafrikanischen Republik zusammen -einschließlich der Übergangsregierung, der nationalen Parteien, der wichtigsten bewaffneten Widerstandsgruppen (die Séléka und Anti-Balaka), des Privatsektors, der Zivilgesellschaft, traditioneller Führer und religiöser Gruppierungen - um ihre gemeinsame Vision für die Zukunft des Landes zu definieren. Eine der Empfehlungen des Forums ist die Rolle der Religionsvertreter innerhalb des Versöhnungsprozesses zu stärken.

In dem ethnisch und religiös vielfältigen Land ist neben der Unterstützung des interreligiösen Zusammenhalts auch der intrareligiöse Zusammenhalt eine Herausforderung. Probleme in Bezug auf die nationale und ethnische Identität sowie auf die Staatsbürgerschaft erschwerend die Bemühungen der religiösen Entscheidungsträger, einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu finden.

Das Ziel dieses Treffens, das von KAICIID und dem Network for Religious and Traditional Peacemakers gemeinsam organisiert wurde, war die islamische Gemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik durch Dialog zu stärken und ihr dabei zu helfen, eine gemeinsame starke Stimme und Vision für die islamische Gemeinschaft in der Zentralafrikanischen Republik zu finden.

Die Gruppe begann mit den Vorbereitungen für eine intramuslimische Konferenz, die im Herbst stattfinden wird. Bei dieser Konferenz soll über die Probleme der Muslime bezüglich der Staatsbürgerschaft und der Identität diskutiert werden sowie die Möglichkeiten diese Problematiken im breiteren Rahmen der nationalen Versöhnung anzusprechen beratschlagt werden.

KAICIID in der Zentralafrikanischen Republik:
Unabhängig von diesem Prozess arbeitet KAICIID auch mit der internationalen NGO Search for Common Ground zusammen, um den Prozess eines interreligiösen Dialogs zu unterstützen und unterschiedliche religiöse Gemeinschaften zusammenzubringen, um die Zukunft des Landes zu verbessern. Alvaro Albacete, Sonderberater des Generalsekretärs für öffentliche Diplomatie des KAICIID, unterstrich, dass diese gemeinsame Initiative die Arbeit der UN-Organisationen in der Zentralafrikanischen Republik unterstützen wird, und dass die Initiative von der Übergangsregierung, den interreligiösen Gruppierungen des Landes sowie von den NGOs, die sich an dem Versöhnungsprozess aktiv beteiligen, begrüßt wird.

"Diese Initiative unterstreicht, dass das KAICIID und seine Partner langfristig darum bemüht sind, den Versöhnungsprozess in der Zentralafrikanischen Republik zu unterstützen. Die Konferenz wird die erste Phase eines mehrjährigen Projekts sein, das wir im Land anvisieren", erklärte Albacete. Diese Initiative stärke außerdem die Arbeit, die das KAICIID gemeinsam mit Search for a Common Ground zur Etablierung der Plattform der Religionsvertreter in der Zentralafrikanischen Republik durchführt.

Über KAICIID: Das Dialogzentrum KAICIID ist eine staatenübergreifende Organisation, die bemüht ist, den Frieden in Konfliktsituationen durch die Etablierung eines Dialogs herzustellen sowie Verständnis und Kooperation zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen und Religionen zu fördern. Die Aufgabe des Zentrums besteht darin, den Dialog als Mittel zur Überbrückung von Feindseligkeiten, zum Abbau von Angst und zur Förderung gegenseitigen Respekts einzusetzen und zu etablieren. Die Gründerstaaten des Zentrums sind die Republik Österreich, das Königreich Saudi Arabien und das Königreich Spanien. Der Heilige Stuhl ist beobachtendes Gründungsmitglied. Der neunköpfige Vorstand besteht aus angesehenen Vertretern der fünf großen Weltreligionen. Der Vorstand entwirft und beaufsichtigt die Programme des Zentrums, wodurch die Glaubwürdigkeit innerhalb vieler religiöser Gemeinschaften gewährleistet wird.

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