AK-Analyse: Deutsche Arbeitsmarktreformen sind kein Vorbild für Österreich

Ausgabe „Arbeitsmarkt im Fokus – Arbeitsmarktanalyse des 1. Halbjahres 2015“ auf wien.arbeiterkammer.at

Wien (OTS) - Die aktuelle Lage auf dem österreichischen Arbeitsmarkt ist geprägt durch ein anhaltend niedriges Wirtschaftswachstum und ein stark steigendes Arbeitskräfteangebot. "Die in den letzten Wochen immer wieder als Vorbild für Österreich dargestellten Arbeitsmarktreformen Deutschlands wären aber nicht in der Lage diese grundlegenden Probleme zu lösen. Da sie weder am Wirtschaftswachstum noch am Arbeitskräfteangebot ansetzen", fasst Ilse Leidl-Krapfenbauer, Arbeitsmarktexpertin der AK Wien, die Ergebnisse der Studie zusammen. Im Gegenteil: Die aktuelle Arbeitsmarktanalyse der Arbeiterkammer zeigt, dass die Reformen in Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Arbeitslosen entstehen haben lassen und die Armut deutlich zugenommen hat. Zwei Drittel der arbeitslosen Menschen befinden sich im Grundsicherungssystem - dem Hartz-IV-System - nur ein Drittel im eigentlichen System der Arbeitslosenversicherung. Hartz IV wurde für viele deutsche Arbeitsuchenden zur "persönlichen Sackgasse". Die Menschen in Deutschland sind im EU-Vergleich besonders von Langezeitarbeitslosigkeit betroffen (44,3 Prozent) und nur ein Drittel der Arbeitsaufnahmen erfolgt aus dem Hartz-IV-System. Zudem ist die Armutsgefährdungsquote der deutschen Arbeitslosen mit rund 70 Prozent die im EU-Vergleich am höchsten.

Weitere wichtige Punkte der Analyse:

+ In Österreich steigt mit der Arbeitslosigkeit auch die Dauer der Arbeitslosigkeit an: von 102 Tagen (1. Halbjahr 2014) auf 109 Tage (1. Halbjahr 2015). Je älter bzw. je mehr man gesundheitlich beeinträchtigt ist, desto länger die Verweildauer in Arbeitslosigkeit. Mit der längeren Dauer der Arbeitslosigkeit sind auch immer mehr Menschen auf die Notstandshilfe angewiesen.

+ Die Beschäftigung der über 55-Jährigen steigt (um + 10,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) aber die Arbeitslosigkeit wächst mit einem Plus von 18,5 Prozent immer noch stärker. Die Arbeitslosenquote dieser Altersgruppe liegt bei 11,4 Prozent und damit über der Gesamtarbeitslosenquote im 1. Halbjahr (9,4 Prozent).

+ Rund 47 Prozent der beim AMS vorgemerkten Personen haben maximal die Pflichtschule abgeschlossen. Die Arbeitslosenquote dieser Gruppe liegt mit 26,7 Prozent deutlich über dem Schnitt von 9,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne formalen Berufsabschluss steigt auch am stärksten an. Eine abgeschlossene Lehrausbildung reduziert das Risiko der Arbeitslosigkeit bereits um zwei Drittel.

SERVICE: Die Analyse und die Forderungen der AK zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit finden Sie im "Arbeitsmarkt im Fokus - 1. Halbjahr 2015". Download unter
http://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/image/AC11600987 2015
001/1/LOG 0003/

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