TIROLER TAGESZEITUNG: Leitartikel vom 25. August 2015 von Florian Madl - Ohnmacht, und das seit zehn Jahren

Innsbruck (OTS) - Das Fußball-Westderby zwischen Austria Salzburg und dem FC Wacker Innsbruck steht vor der Absage. Das haben nicht zuletzt Verband, Behörden und Vereinsfunktionäre zu verantworten, die seit zehn Jahren keine Reaktion zeigen.

Das Frühlingserwachen im Tiroler Fußball mit Tabellenführer FC Wacker Innsbruck könnte am Freitag von einem Ohnmachtsgefühl abgelöst werden. Dann, wenn es im Idyll des Schwanenstädter Stadions neben dem sportlichen Aufeinandertreffen zu einem handgreiflichen der Fans kommt. Die Behörden sind alarmiert, denn nicht alle der angekündigten 1000 Tiroler Gäste und auch nicht jene der zahlenmäßig überlegenen Salzburger sind am Match interessiert. Der Fußball wird einmal mehr von jenen missbraucht, in deren Lebensplanung sich offensichtlich kein anderes Betätigungsfeld als das der Gewalt findet.
Nicht die Medien sind es, die kriegsähnliche Zustände heraufbeschwören und Hetzkampagnen verbreiten. Dieses Feindbild kann zwischen rivalisierenden Fangruppen nämlich oftmals als einziger gemeinsamer Nenner ausgemacht werden. Der Vorsicht von Behörden und Polizei gehen Erfahrungswerte voraus, etwa jene vom letztjährigen Cup-Duell zwischen Austria Salzburg und Sturm Graz. Etliche Polizisten konnten Ausschreitungen und erhebliche Schäden in Schwanenstadt nicht verhindern. Die Rädelsführer seien damals nicht den Fanklubs zuzuordnen gewesen, hieß es im Anschluss.
Der Salzburger Fußballverband und die Behörden wissen schon lange um das Problem im Umfeld des Traditionsvereins. Dessen Anhänger kanalisierten all ihre Wut nach der Übernahme der Vereinslizenz durch Red Bull auf den Kommerz, die Tradition lebt zudem in der alten Fehde mit den Innsbruckern neu auf. Das treibt bunte Blüten:
Wacker-Trainer Klaus Schmidt wurde nach seinem Wechsel aus der Mozartstadt mit dem Satz zitiert, er könne künftig bei seiner Heimfahrt in die Steiermark nicht einmal mehr in Salzburg tanken. Manche Fans würden ihm die Rochade von der Salzach an den Inn nämlich nach wie vor übelnehmen.
Seit dem 7. Oktober 2005, dem Gründungstag der neuen Salzburger Austria, ist man sich in der heimischen Fußball-Szene der Situation bewusst. Gehandelt wurde nicht, wenngleich etwa die Tiroler Westliga-Vereine mit Präsident Josef Geisler an ihrer Spitze mehrmals eine Reaktion eingefordert hätten. Jetzt spielen die Violetten in bundesligatauglichen Stadien, die erst genehmigt werden mussten, und neuerdings tritt eine prekäre Situation auf. Möglicherweise würde eine Absage des Westderbys den Denkprozess der Verantwortlichen beschleunigen. Oder muss etwas passieren, um eine Reaktion hervorzurufen?

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