„kreuz und quer“ am 25. August: „Die Bibel-Jäger – Dem Evangelium auf der Spur“ und „Das Geschäft mit den Reliquien“

Wien (OTS) - Mit dem Fund des Tierkreises in der Tempelanlage von Dendera wurde Ägypten zu einem "Hotspot" der Bibel-Archäologie. Als dann das sogenannte Petrus- und später das Thomas-Evangelium gefunden wurden, erfasste die Debatte um die Authentizität der Heiligen Schrift auch das Neue Testament. Die Funde beschäftigen Wissenschafter und Kleriker bis heute, wie der letzte Teil der zweiteiligen, von Doris Appel präsentierten "kreuz und quer"-Dokumentation über "Die Bibel-Jäger" am Dienstag, dem 25. August 2015, um 22.30 Uhr in ORF 2 zeigt. Um 23.25 Uhr dokumentiert Michael Langs Reportage "Knochen, Kleider, Kreuzessplitter", wie das Geschäft mit den Reliquien funktioniert.

"Die Bibel-Jäger - Dem Evangelium auf der Spur" - ein Film von Tilman Remme

Auf Müllhalden werden nur selten Schätze gefunden. Am Rande einer ägyptischen Siedlung des Altertums war das anders. Forscher fanden dort in antiken Mülldeponien uralte Handschriften. Die Sensation:
Unter den Manuskripten waren bis dahin unbekannte Jesus-Überlieferungen.

Der Sand über der antiken Müllhalde und das heiß-trockene Klima Ägyptens waren die idealen Konservierungsbedingungen am Rande der Siedlung mit dem sperrigen Namen Oxyrhynchus. In verschiedenen Schichten fand man dort (ab Beginn der Grabungen Ende des 19. Jahrhunderts) entsorgte Papyrus-Texte aus der hellenistischen, der römischen und der byzantinischen Epoche der ägyptischen Geschichte. Für Furore sorgte der Fund zweier junger britischer Archäologen, Bernard Grenfell und Arthur Hunt: Sie förderten Fragmente eines unbekannten Evangeliums aus dem Ende des 2. Jahrhunderts zutage - mit Aussprüchen Jesu, die man bis dahin nicht gekannt hatte.

Ein halbes Jahrhundert später, 1945, stießen Forscher im weiter südlich gelegenen Nag Hammádi aus Zufall auf die vollständige Evangeliumsschrift mit diesen Aussprüchen Jesu. Ein Hirte hatte das antike Manuskript in einem vergrabenen Tonkrug gefunden. In insgesamt 114 Sprüchen legt Jesus dem Apostel Thomas seine "Geheimlehre" aus. Dieses von der antiken gnostischen Lehre inspirierte Thomas-Evangelium war eine Sammlung von einerseits aus der Bibel bekannten, andererseits bis dahin völlig unbekannten Jesus-Worten. Bei manchen der neuen Aussprüche ist bis heute umstritten, ob darin Aussagen des historischen Jesus von Nazareth bewahrt sind oder ob hier gnostische Lehren Jesus in den Mund gelegt werden. Nach Lehre der Gnosis sollte durch eine geistliche "Erkenntnis" (Gnosis) Erlösung von der materiellen Welt erlangt werden. In jedem Fall werfen das Thomas-Evangelium und andere gnostische Schriften aus Nag Hammádi ein neues Licht auf die Spielarten eines damals verbreiteten gnostischen Christentums. Hatte man bis zu den Funden von Nag Hammádi die gnostischen Lehren nur aus christlich-polemischen Schriften gekannt, so lagen nun erstmals Originaldokumente dieser Lehre vor.

Was wiederum die Frage aufwirft: Warum wurden diese Schriften eines alternativen Christentums nicht in den Kanon, das Verzeichnis der biblischen Bücher, aufgenommen? Diesen und anderen Fragen geht der Historiker und Archäologe Jeff Rose im zweiten Teil der "kreuz und quer"-Doku über die "Bibel-Jäger" des 19. und 20. Jahrhunderts nach. Die Einsicht in die Vielfalt des frühen Christentums im Ringen um die authentische Auslegung der christlichen Botschaft verunsicherte viele Gläubige. Fragen nach der historischen Glaubwürdigkeit der alttestamentlichen Geschichten und der neutestamentlichen Jesus-Tradition führten, wie die Doku zeigt, zu lebhaften Diskussionen. Auch wenn vieles davon heute als geklärt gilt, bleibt die heikle Frage nach der göttlichen Inspiration angesichts der keineswegs irrtumsfreien biblischen Autoren in der Debatte um Bibelfundamentalismus bis heute ein wichtiges Thema.

"Knochen, Kleider, Kreuzessplitter: Das Geschäft mit den Reliquien" -Ein Film von Michael Lang

Das Kreuz Christi muss besonders groß gewesen sein. Alle Kreuzessplitter zusammengenommen, die in Kirchen oder Privathäusern als Reliquie verehrt werden, ergeben nach Expertenschätzungen mehrere Hektar Wald. Gläubige und Sammler zahlen Höchstpreise für diese äußerst beliebte Reliquie. Aber auch Knochen, Innereien und Kleider von Heiligen werden schwunghaft gehandelt, vor allem über das Internet. Die Nachfrage nach Reliquien ist im 21. Jahrhundert ungebrochen. Aber wer verehrt heute noch Reliquien? Michael Langs Film begibt sich auf Spurensuche: Wer sind die Käufer, wer die Verkäufer? Wie funktioniert das Geschäft mit den Reliquien? Dabei trifft er junge Gläubige wie gewiefte Großhändler. Erhoffen sich die einen von den Reliquien Kraft im Alltag, erwerben die anderen selbst heute noch Reliquien legal von Kirchen oder Klöstern. Das internationale Geschäft mit Reliquien hat inzwischen ein solches Ausmaß erreicht, dass die Präfektur der Kongregation für die Selig-und Heiligsprechung im Vatikan Alarm schlägt. Die Kirchenbehörde kritisiert den "gotteslästerlichen Handel". Sie treibt die Angst, dass die Heiligen in die Hände satanischer Sekten fallen. Ihre Sorge vor sogenannten Teufelsanbetern ist nicht unbegründet, denn auch Antichristen suchen Reliquien - ebenso wie Gläubige, Händler und Mitarbeiter der Kirche.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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