AK Analyse: Unscharfe Anlegerprofile 1

Risiko in Anlegerprofilen wird höchst unterschiedlich abgefragt

Wien (OTS) - Zum Schutz der KleinanlegerInnen sieht das Wertpapieraufsichtsgesetz Anlegerprofile für das Beratungsgespräch vor. Die AK hat 34 Anlegerprofile getestet. Das Ergebnis ist unbefriedigend: Kein Anlegerprofil gleicht dem anderen - sie sind sehr unterschiedlich ausgelegt und bieten keinen befriedigenden Infostandard. Inhaltliche Angaben, speziell Abfragen zur Risikobereitschaft sind unscharf. Das Risikoprofil fehlt in vielen Fällen. "Dass die Anlegerprofile in wichtigen Punkten zu vieldeutig sind, liegt auch an ungenauen Vorgaben, etwa bei den Risikostufen. Das Gesetz schreibt Anbietern keinen genauen inhaltlichen Aufbau vor. Manche Begriffe sind nicht definiert und lassen zu viel Spielraum", resümiert AK Konsumentenschützer Christian Prantner.

Die AK hat im Rahmen einer Studie(durchgeführt durch den VKI) 34 Anlegerprofile von Direkt-, Filialbanken und Finanzdienstleistern analysiert, wie sie in der Praxis ausgestaltet sind. Die Anlegerprofile wurden einerseits nach formalen Kriterien überprüft, etwa Lesbarkeit, Schriftgröße, Übersichtlichkeit, Struktur, andererseits nach inhaltlichen Kriterien, etwa finanzielle Verhältnisse, Risikobereitschaft, Anlageziele.

Das Ergebnis ist nicht ganz zufriedenstellend: Die Analyse der inhaltlichen Punkte zu den Abfragen zu Risikobereitschaft und Risikoprofil hat einige kritische Aspekte ergeben. 33 Anlegerprofile erfragen zwar die Risikobereitschaft - aber die höchst unterschiedlichen Stufen und Skalen sind für KleinanlegerInnen nicht nachvollziehbar. 42 Prozent davon haben sprechende Bezeichnungen wie geringes, mittleres, hohes, sehr hohes Risiko. 58 Prozent greifen auf Synonyme oder Zahlen zurück. Problematisch ist, dass manche sechs Risikostufen, andere nur drei verwenden. "Die Begriffe sind oft abstrakt, etwa ‚sicherheitsbetont‘. Was heißt das schon, wenn eingängige Beispiele dafür fehlen?", fragt Prantner. Erstaunlich: Das vom Anleger zu erhebende Risikoprofil wird kaum abgefragt. In nur acht Anlegerprofilen wird es als eigener Punkt angeführt. "Offenbar fehlt eine genau gesetzliche Definition für den Begriff."

Weitere Beispiele für unterschiedlich ausgestaltete Punkte: Die vom Anleger zu erhebende Einkommenssituation wird einmal als das frei verfügbare Einkommen verstanden, dann wie-der als Nettoeinkommen. Auch die mit dem Anleger zu besprechenden Erfahrungen mit Wertpapieranlagen sind nicht immer optimal ausgestaltet: In Listen mit Finanzprodukten finden sich etliche Fachtermini ohne Zusatzerklärung. Fazit: "Die Anlegerprofile sind nur teilweise anlegergerecht ausgestaltet", resümiert Prantner.

Da gesetzliche oder von der Finanzmarktaufsicht vorgeschriebene Mustervorlagen fehlen, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlich ausgestalteten Anlegerprofilen. Das führt letztlich dazu, dass es keinen durchgängig guten Informationsstandard gibt. Ein Grund dafür ist: In rund 40 Prozent der analysierten Anlegerprofile gibt es eine zu kleine Schrift, was sie schwer lesbar macht. Rund drei Viertel (25 von 34 AnbieterInnen) verwenden zwar die grundsätzlich übersichtliche Fragenbogenstruktur, aber Anlegerprofile mit bis zu neun Seiten Umfang er-schweren die Erfassbarkeit für AnlegerInnen, die den Fragebogen ausfüllen sollen.

(Forts.)

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Wien
Doris Strecker
(+43-1) 501 65-2677, mobil: (+43) 664 845 41 52
doris.strecker@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0001