TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" Dienstag, 11. August 2015, von Peter Nindler: "Landesbank muss dem Land nützen"

Innsbruck (OTS) - Die Hypo Tirol Bank ist auf einem schweren Weg zurück, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen. Obwohl die Risken in den vergangenen Jahren deutlich verringert wurden, lasten noch einige finanzielle Brocken in den Geschäftsbüchern.

Die Hypo Tirol agierte im Kleinen nicht anders als die sieben weiteren Hypobanken in Österreich: In den 2000er-Jahren wurden die Bilanzsummen risikoreich erhöht und die Geschäftsfelder nicht nur geographisch ausgeweitet, weil die öffentliche Hand, sprich die Länder, letztlich dafür gehaftet hat. In den Expansionszeiten wies die Hypo Tirol 2008 etwa eine Bilanzsumme von 13 Milliarden Euro aus, die unbeschränkten und beschränkten Haftungen des Landes betrugen damals insgesamt neun Milliarden. Das war knapp das Dreifache des heutigen Landesbudgets. Wie hätte Tirol einen Crash seiner Landesbank stemmen können?
Das Debakel in Italien mit faulen Krediten von bisher mehr als 200 Millionen Euro hielt der Landespolitik 2011 endgültig den verlustreichen Spiegel vor Augen. Die öffentliche Hand musste einspringen. Die 220-Millionen-Euro-Spritze des landeseigenen Energieversorgers Tiwag sanierte nicht nur die angeschlagene Hypo, sondern mit ihr wurde auch die Kernkapitalquote erhöht. Heute liegt sie bei rund 10,8 Prozent - aber nur deshalb, weil es gleichzeitig eine durchgreifende Strategieumkehr bei der Hypo gegeben hat. Gesundschrumpfen heißt heute die Devise: Die Hypo-Bilanzsumme wurde auf 8,3 Mrd. Euro gedrückt und soll sich künftig zwischen 7,5 bis 8 Mrd. Euro einpendeln.
Trotzdem bleibt das Unbehangen, obwohl sich die Landeshaftungen bereits um zwei Drittel verringert haben. Erst 2018 kann das Land bedingt aufatmen, wenn es im Notfall vorerst "nur noch" für 223 Millionen Euro geradestehen müsste. Aber zweieinhalb Jahre sind in der heutigen Finanzwelt schon eine Ewigkeit. Die heuer schlagend gewordene Solidarhaftung der Hypo Tirol für die Heta, der Abbaubank der Kärntner Hypo Alpe Adria, hat die Unwägbarkeiten deutlich aufgezeigt. Und das aushaftende Kreditvolumen von 950 Mio. Euro in Italien lastet nach wie vor schwer auf der Hypo.
Die öffentliche wie politische Beobachtung bleibt der Bank nicht erspart. Schließlich geht es um Landesvermögen. Weitere Risikominimierung, mehr Nutzen für Wirtschaft und Bevölkerung sowie höhere Dividenden für das Landesbudget sind die Basis für den Abbau von (politischem) Misstrauen. Die nächsten zwei, drei Jahre werden deshalb entscheidend sein. Noch hält Tirol eisern daran fest, kein Familiensilber zu verkaufen. Sollte allerdings der Benefit einer Landesbank nicht mehr erkennbar sein, drängt sich die Frage einer Privatisierung von selbst auf.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001