TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 09.08.2015, Leitartikel von Mario Zenhäusern: "Zentralismus ist ein Machtfaktor"

Innsbruck (OTS) - Österreich ist zwar dem Namen nach bundesstaatlich organisiert, das Sagen haben aber einzig und allein die Bundesländer Wien und Niederösterreich. Nichts unterstreicht diese Dominanz, zu der man auch getrost Ungleichgewicht sagen kann, wie die Tatsache, dass sich mit Ausnahme dreier kleinerer Einrichtungen sämtliche Bundeseinrichtungen in Wien befinden. Die Schweiz hingegen hat ihre 45 Bundesbehörden auf elf Städte, Deutschland seine 80 Bundeszentralen auf 24 Städte verteilt.
Diese Konzentration auf den Großraum Wien ist nicht nur ein Wettbewerbsnachteil für alle anderen Bundesländer, denen Steuern und vor allem Arbeitsplätze vorenthalten werden. Sie erschwerte bisher in völlig unnotwendiger Weise die Kontaktaufnahme aus anderen Landesteilen. Außerdem ist sie heutzutage, wo alles digitalisiert ist, vollkommen überholt: Wenn die heimische Luftabwehrflotte elektronisch vom Eurofighter-Stammwerk in Bayern aus gewartet werden, dann darf es auch kein Problem darstellen, Bundesämter im Süden, Norden oder Westen Österreichs zu platzieren.
Aber die zentralistische Ansammlung von Top-Managern in Bundesämtern auf engstem Raum ist natürlich ein Machtfaktor, stärkt jene, die in diesem Raum das Sagen haben. Nicht umsonst gilt der Wiener Bürgermeister (und Landeshauptmann) als wahrer Chef der SPÖ. Umso mehr wäre es eine lohnende Aufgabe für die junge Westachse in der ÖVP, den Zentralisten im Osten Österreichs föderalistische Argumente entgegenzusetzen. Eines der Wichtigsten hat LH Josef Pühringer (OÖ) bereits 2013 formuliert: Zentralismus ist nichts anderes als Entfernung von den Bürgern.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001