Wiener Tierschutzverein: Angeschossene Taube ist gerettet

Taube „Toni“ überlebt Angriff mit Luftdruckgewehr. WTV-Präsidentin Petrovic: „Schießwut muss endlich ein Ende haben“.

Vösendorf (OTS) - Tierhass kennt wie es scheint keine Grenzen: Vor einigen Wochen wurde eine verletzte Taube von der Tierrettung ins Tierschutzhaus des Wiener Tierschutzvereins (WTV) nach Vösendorf gebracht. Die WTV-Tierärztinnen stellten bei der Erstuntersuchung zunächst einen gebrochenen Flügel fest. Das anschließende Röntgen brachte allerdings den unfassbaren Grund des Bruchs ans Licht: Im Flügel des Tieres steckte ein Projektil von einem Luftdruckgewehr, wodurch Elle und Speiche des Flügels gebrochen waren. Durch die enorme Wucht des Schusses wurden auch Federn regelrecht in Knochen und Fleisch hineingedrückt. Die Tierärztinnen operierten das schwer verletzte Tier daraufhin, entfernten das Projektil und die Federn und legten einen Flügelverband an. Aufgrund des komplizierten Bruchs war lange Zeit unklar, ob das Tier überlebt und wieder flugfähig werden kann. Jetzt kann Entwarnung gegeben werden: "Toni", wie die Taube nun getauft wurde, bekam nach einigen Wochen den Verband entfernt, wurde bereits in eine Voliere entlassen und unternimmt schon erste Flugversuche.

Aufgrund der Art der Verletzung liegt der Verdacht nahe, dass das Tier von einem Tierhasser brutal angeschossen wurde. "Taten wie diese sind ein Beweis für die Degeneration und Verrohung unserer Gesellschaft. Auch aktuelle internationale Beispiele wie das tragische Schicksal des Löwen Cecil untermauern das. Es ist höchst an der Zeit, der zunehmenden Brutalität gegenüber Tieren national wie international, Maßnahmen entgegenzusetzen. Was für ein Mensch muss das sein, der schießwütig auf ein hilfloses Lebewesen - egal ob Taube oder Raubkatze - losgeht?", so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Schießwütig in Stadt und Wald

Auch wenn es im Fall der Taube sicherlich nicht um das Sammeln von Trophäen ging, sondern um schiere Brutalität, so sieht die WTV-Präsidentin nicht zuletzt durch die Ereignisse rund um den Löwen Cecil erneut Parallelen zur Diskussion um die Jagd. Denn Schießwütige gehen in Österreich glücklicherweise nicht häufig auf Taubenjagd in der Stadt, sondern finden sich hauptsächlich in den Wäldern. "Ein Jagdrecht ist und soll kein Freibrief für Tierquälereien sein. Die Ausübung der Jagd kann - wenn überhaupt - nur als umfassende Hege und Sorge für das ökologische Gleichgewicht in einer bestimmten Waldregion verstanden werden", so Petrovic.

Freizeitjägerei beziehungsweise das wahllose Töten von in Gattern eingesperrten Tieren, die stundenlang eingesperrt in Panik versuchen, dem Tod zu entrinnen, sei ökologisch verheerend, mit den eigentlichen Aufgaben von Jägerinnen und Jägern nicht vereinbar und zerstöre die heimischen Wälder, so die präsidentin weiter. Außerdem sei das stundenlange Versetzen der Tiere in Todesangst eine durch nichts zu rechtfertigende Praktik und ziehe die gesamte Jagdbranche in dem Schmutz. Petrovic fordert zudem endlich die längst fällige Grundsatzdebatte zum Thema Jagd in der Politik.

Die WTV-Präsidentin appelliert daher einmal mehr: "Die Schnittstellen zwischen den Jagd- und Fischereirechten der Länder und dem Bundestierschutzgesetz sind nicht genau definiert. Aufgrund der Dominanz der Jagdgesellschaften in den ländlichen Räumen verkennen die Behörden, dass alle Jagdrechte dem Bundestierschutzgesetz rechtlich untergeordnet sind, ihm nicht widersprechen dürfen und dass der umfassende Umweltschutz sogar ein Verfassungsprinzip ist, das sowohl vom Bundes- als auch vom Landesrecht zu respektieren und umzusetzen ist." Daher fordert der WTV seit langem vehement ein Verbot von Praktiken wie Gatterjagden, Hetz- und Treibjagden, Fallenstellen sowie aller Arten von Lebendfallen. "Wenn die Jagd nicht mehr umfassende Hege ist, nicht mehr aus Sorge um das ökologische Gleichgewicht in einem Waldbereich geschieht, sondern wenn Abschusszahlen und Trophäen im Vordergrund stehen, dann verliert dieser Eingriff in die Natur seine Legitimität", so Petrovic abschließend.

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