Neues Volksblatt: "Reiz des Neuen" von Markus EBERT

Ausgabe vom 5. August 2015

Linz (OTS) - Für politisch ernsthaft Interessierte war das montägige ORF-Sommergespräch mit Frank Stronach eigentlich zum Fremdschämen. Dass man von Stronach, wenn überhaupt, eher nur wirre politische Ansagen erwarten darf, wusste man. Aber soviel Polit-Gaga wie diesmal lieferte der als Unternehmer überaus erfolgreiche Austro-Kanadier wohl noch nie ab. Man kann den TV-Auftritt des Parteipatriarchen aber auch als Sinnbild dafür nehmen, wofür seine de facto nur mehr als Parlaments-Minifraktion existierende Partei steht - für nichts. Nicht einmal für Charakterstärke, die von Stronach ja so gerne als Wert beschworen wird. Denn wenn sich ein Abgeordneter zwar seine Moneten als Stronach-Mandatar überweisen lassen kann, gleichzeitig aber bei der Landtagswahl in OÖ mit einer eigenen Plattform kandidiert, muss man schon die Frage nach der politischen Zurechnungsfähigkeit dieser Truppe insgesamt stellen.
Und so kann man es drehen und wenden wie man will: Wer seine Stimme politischen Glücksrittern anvertraut, muss den Missbrauch seines Vertrauensvorschusses einkalkulieren. Die Parolen der selbsternannten Systemveränderer und Weltretter klingen vielleicht aufs Erste vielversprechend, wer sie aber nicht auf Substanz abklopft, hat schon verspielt. Stronachs Kuriositätenschau ist der beste Beweis dafür, dass der Reiz des Neuen kaum über den Wahltag hinaus seinen Glanz bewahrt.

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