Lackner: Europa ist zum Symbol "prekärer Humanität" geworden

Salzburger Erzbischof bei Abschlussgottesdienst der "Salzburger Hochschulwoche": Aktuelle Krisenherde haben ihren Ursprung auch in einer Überhöhung des Subjekts seit der Aufklärung

Salzburg (KAP) - Europa, das nicht nur Ursprungsort zweier Weltkriege ist, sondern ebenso der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, steht heute mehr denn je da wie ein Symbol einer "prekär gewordenen Humanität": Das unterstrich der Salzburger Erzbischof Franz Lackner am Sonntag beim Abschlussgottesdienst der diesjährigen "Salzburger Hochschulwoche" im Salzburger Dom. Ausdruck finde diese "prekäre Humanität" - so auch das Motto der Hochschulwoche - in den Flüchtlingsströmen, die derzeit nicht nur Österreich, sondern ganz Europa erreichten: "Das Mittelmeer: ein riesiger Friedhof. Und im Herzen Europas wachsen die Zeltlager. Was ist das für eine Welt, in der wir leben?"

Angesichts dieser dramatischen Situation müsse sich auch die Kirche fragen lassen, ob ihre Botschaft von Erlösung und Heil "wie Hohn" in den Ohren der Flüchtlinge und der Hungernden klingen müsse. Es sei Zeit für eine Besinnung auch innerkirchlich, so Lackner - etwa darauf, dass die jesuanischen Seligpreisungen den Armen, den Menschen am Rand gegolten haben und weiterhin gelten.

Zugleich sei es notwendig, so Lackner, auf die tieferen, auch philosophischen Gründe der aktuellen Krisen zu blicken. Diese könnten etwa in einer Entwicklung seit der Aufklärung gesehen werden, die "den Einzelnen in einsame Höhen gehoben hat" - Höhen, in denen das Individuum von religiösen Traditionsströmen und auch Sinnangeboten abgeschnitten wurde und in diesen existenziellen Fragen "ganz auf sich allein" gestellt wurde. "Dadurch aber droht auch der Sinn für das Allgemeinwohl verloren zu gehen", so der Salzburger Erzbischof. Christen seien angesichts dieser tiefen - auch philosophischen -Verunsicherung und Verwundung des Individuums gefordert, "neu vom Glaubensschatz öffentlich zu reden", liege im Glauben doch "keimhaft die wahre Humanität" begründet.

An der "Salzburger Hochschulwoche" nahmen in den vergangenen Tagen rund 800 Studierende und Interessierte teil. Ziel dieser traditionsreichsten akademischen Veranstaltungsreihe im deutschen Sprachraum, die bis ins Jahr 1931 zurückreicht, ist u.a. eine interdisziplinäre Vernetzung der Theologie und damit eine Festigung der Theologie als universitäre Wissenschaft. Der im Rahmen der Hochschulwoche alljährlich vergebene "Theologische Preis" ging heuer an die deutsche Orientwissenschaftlerin Angelika Neuwirth.

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