Salzburger „Fidelio“ mit Jonas Kaufmann im Endspurt zur Premiere: ORF-Live-Übertragung am 13. August

Pressekonferenz nach gestriger Orchesterhauptprobe

Wien (OTS) - Es ist eindeutig die meisterwartete Inszenierung der Salzburger Festspiele 2015 - Claus Guths Neuinterpretation von Beethovens einziger Oper "Fidelio" unter der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst, topbesetzt mit Jonas Kaufmann und Adrianne Pieczonka. Im 90. Jahr der erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen überträgt der ORF die restlos ausverkaufte Produktion, die am 4. August Premiere feiert, auf mehreren Wegen: die Premierenvorstellung live um 19.30 Uhr in Ö1, weiters am 13. August live-zeitversetzt um 20.15 Uhr in ORF 2 sowie eine Aufzeichnung am 22. August um 20.15 Uhr in 3sat. Gestern, am Mittwoch, dem 29. Juli, gab das künstlerische Leading Team an der Seite von Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler, ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz und UNITEL-Chef Jan Mojto im Anschluss an die Orchesterhauptprobe eine Pressekonferenz. Durch diese führte ORF-Kulturexpertin Barbara Rett, die auch die von Michael Beyer in Szene gesetzte ORF-TV-Übertragung kommentieren wird.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "Meilenstein in der Geschichte des ORF!"

"Beethovens Befreiungsoper ,Fidelio‘ ist ein Meilenstein in der Geschichte des Österreichischen Rundfunks", so ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz. "Wir übertragen sie nicht nur, weil sie verspricht, die wohl herausragendste Produktion der diesjährigen Salzburger Festspiele zu werden, sondern auch weil sie sich gut in das Jubiläumsjahr 2015 einfügt - mit 60 Jahren Staatsvertrag, 60 Jahren Fernsehen und 60 Jahren Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper am 5. November 1955 mit genau diesem Werk als erster Live-TV-Opernübertragung. Es ist uns wichtig, solche Produktionen nicht nur dem Publikum von heute zu präsentieren, sondern sie auch für unser Publikum von morgen zu archivieren." Und: ",Fidelio‘ ist nicht nur musikalisch hochinteressant, sondern wird auch zum Nachdenken anregen. Die Oper zeigt den Umgang mit Themen wie Freiheit, Macht, Herrschaft und was diese vor 210 Jahren, zum Zeitpunkt der Uraufführung, bedeutet haben, aber auch wie man diese heute, in einer digitalisierten Zeit, sehen kann", so der ORF-Chef.

Jan Mojto: "Mein allererstes Opernerlebnis"

Für Jan Mojto, dessen UNITEL die ORF-Produktion als Koproduktions-und Vertriebspartner weltweit via CLASSICA in mehr als 30 Ländern -von Italien bis Südkorea und Japan -ausstrahlen wird, hat "Fidelio" eine ganz persönliche Bedeutung. Die Wiedereröffnung der Staatsoper 1955, die er damals aus dem Grenzgebiet der ehemaligen Tschechoslowakei mitverfolgte, war sein allererstes Opernerlebnis überhaupt, das ihn stark geprägt hat. Ganz professionell gesehen ist die neue Salzburger Inszenierung "unser fünfter ‚Fidelio‘, unsere sechste Produktion mit Franz Welser-Möst, unsere siebente Produktion mit Claus Guth, unsere 14. Produktion mit Jonas Kaufmann - schon die dritte in diesem Jahr - und die 86. Opern- und Konzertproduktion aus Salzburg", bilanziert Mojto.

Jonas Kaufmann: "Sich immer wieder verändern!", Franz Welser-Möst:
"Das Visionäre spürbar machen!"

Mit Jonas Kaufmann gestaltet der derzeit wohl begehrteste Tenor die Rolle des politischen Häftlings Florestan, der schließlich von seiner Frau Leonore - als Mann namens Fidelio verkleidet - befreit wird. Zum wievielten Mal er in einer "Fidelio"-Inszenierung auf der Bühne steht, kann er allerdings nicht so genau sagen. "Ich weiß nur, dass ich meinen ersten Florestan 2002 verkörpert habe. Davor bin ich mehrmals als Jaquino auf der Bühne gestanden." Aber eines ist sicher:
"Wenn man eine Partie oft gesungen hat, ist die große Aufgabe, sich darin immer wieder zu verändern, sich weiterzuentwickeln. Natürlich verändert man sich mit der Zeit auf jeden Fall stimmlich, man reift." Für Dirigent Franz Welser-Möst am Pult der Wiener Philharmoniker, der bei der Umsetzung ganz genau vom Wort und von der Einheit von Wort und Musik ausgeht, sieht die größte Schwierigkeit des Stücks darin, "dass es eine Vision ist - etwas, das man haben kann, aber nie erreicht. Die Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Liebe sind auch heute, 200 Jahre später, noch immer eine Vision. Allein über den Begriff Freiheit in diesem Stück könnte man lange philosophische Diskussionen führen. Die Herausforderung für mich liegt darin, das Visionäre spürbar zu machen."

Claus Guth: "Beethoven selbst hat viel mit dem Stück gerungen"

Daran arbeitet die spannende Inszenierung von Regisseur Claus Guth, der bei den Salzburger Festspielen schon zahlreiche Opern inszeniert hat und dafür 2011 mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes Salzburg ausgezeichnet wurde. So verzichtet Guth u. a. komplett auf die für "Fidelio" üblichen Dialoge. "Ich bin nicht der Einzige, der an der Qualität dieser Dialoge zweifelt. Schon Beethoven selbst wusste, dass der Text problematisch ist und hat viel mit dem Stück gerungen." Und: Guth setzt eine Gebärdendarstellerin als weibliches Spiegelbild der als Fidelio verkleideten Leonore ein, ebenso wie die ebenfalls hinzuerfundene Figur des Schattens des Pizarro. Die "stumme" Leonore ist gleichzeitig eine Assoziation zu Beethovens Gehörverlust, der schließlich zur Taubheit des Komponisten führte. "Die Paarung Guth und Welser-Möst haben wir bewusst ausgesucht", wie Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler zu berichten weiß. "Mit 188 Aufführungen heuer müssen wir viele unterschiedliche und neue Perspektiven bringen. ‚Fidelio‘, übrigens weltweit die fünftmeistgespielte Oper, ist eine davon."
Mit der finalen Auflösung des Stücks ist Jonas Kaufmann sehr zufrieden: "Mir gefällt daran, dass Claus Guth zeigt, dass Florestan verloren ist, dass er nicht mehr in der Gesellschaft eingegliedert werden kann." Angelehnt an eine aktuelle und gefeierte Hollywood-Kinoproduktion bringt es Barbara Rett auf den Punkt: "Eine ,Mission Impossible‘ sozusagen!"

Die ORF-Live-Übertragung von "Fidelio" ist eine Koproduktion von ORF und UNITEL Classica, in Zusammenarbeit mit 3sat, Wiener Philharmoniker und Salzburger Festspiele.

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