Weniger Telefongespräche und SMS, dafür steigender Fernsehkonsum

Kommunikationsbericht 2014 liegt Parlament vor

Wien (PK) - Die ÖsterreicherInnen haben im Jahr 2014 weniger telefoniert und deutlich weniger SMS geschrieben als noch 2013. Dafür sind sie im Durchschnitt täglich fünf Minuten länger vor dem Fernsehgerät gesessen und haben erheblich mehr Daten über Smartphones und andere mobile Endgeräte heruntergeladen. Das geht aus dem Kommunikationsbericht 2014 hervor, den Kanzleramtsminister Josef Ostermayer vor kurzem dem Nationalrat vorgelegt hat (III-194 d.B.) Der Bericht wurde gemeinsam von der Kommunikationsbehörde KommAustria, der Telekom-Control-Kommission TKK und der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR erstellt und informiert unter anderem über regulatorische Aktivitäten in den Bereichen Telekom, Rundfunk und Post, Marktentwicklungen, Mediennutzung, die Vergabe von Förderungen, Fortschritte bei der Rundfunk-Digitalisierung, Beschwerden über überhöhte Handyrechnungen und Werbeerlöse.

Konkret wurden 2014 21,81 Milliarden (technische) Gesprächsminuten im Mobilfunkbereich und 3,58 Milliarden im Festnetz verzeichnet. Das ist ein Minus von 3,1% bzw. 7,3% gegenüber 2013. Auch die Zahl der SMS ist erheblich - von 5,91 Milliarden auf 4,45 Milliarden - gesunken. 2012 hatten die ÖsterreicherInnen sogar noch 7,75 Milliarden SMS verschickt. Die AutorInnen des Berichts führen die Entwicklung auf die weitere Verbreitung von E-Mail- und Instant-Messaging-Diensten wie WhatsAPP oder iMessage zurück. Geringfügig zurückgegangen ist auch die Zahl der MobilfunkteilnehmerInnen und der Festnetzanschlüsse, insgesamt waren 2014 12,95 Millionen SIM-Karten aktiviert und 2,54 Millionen Telefone österreichweit ans Festnetz angeschlossen.

Eine Zäsur im österreichischen Mobilfunkmarkt hat den Regulierungsbehörden zufolge die vor rund zweieinhalb Jahren erfolgte Fusion von Hutchison und Orange gebracht. Während die Mobilfunktarife bis zum Jahr 2013 durch den intensiven Wettbewerb auf heimischem Boden kontinuierlich sanken, ist seither eine Preissteigerung zu beobachten, die sich auch 2014 fortsetzte. Vor allem die monatlichen Grundentgelte stiegen deutlich. Gleichzeitig ist eine zunehmende Datenzentriertheit bei den Tarifen festzustellen. VerliererInnen sind demnach vor allem jene, die wenig telefonieren und kaum oder keine Daten downloaden. Sie müssen laut Mobilfunkpreisindex der RTR mit fast 50 % höheren Kosten rechnen als noch Anfang 2011. Auch die Aktivierungsgebühren schnellten vielfach in die Höhe, was die Wechselbarrieren für KundInnen erheblich erhöht hat. Noch nicht das Preisniveau von 2011 haben die Werte für High-User und Power-User erreicht, aber auch sie waren 2013 mit signifikanten Preisanstiegen konfrontiert.

Datendownload ist in den letzten Jahren explodiert

Trotz des Aufwärtstrends bei den Mobilfunktarifen gingen die Endkundenumsätze im Telekombereich im Vorjahr weiter zurück, allerdings nur noch um 0,4% (2013: minus 4,3%). Zurückzuführen ist das laut Bericht auf geringere Umsätze im Festnetzbereich und bei Mietleitungen. 62,8% der Umsätze wurden im Mobilfunkbereich, 21,7% im stationären Breitbandbereich und 14,7% im Festnetzbereich verzeichnet. Der Rest entfiel auf Mietleitungen. Nahezu explodiert ist in den letzten Jahren der Datenup- und -download im Mobilfunkbereich. 2014 wurden bereits 165.950 Terabyte transferiert. Zum Vergleich: 2008 waren es nur 8.584 Terabyte gewesen, 2013 zumindest schon 110.730.

Beim Marktanteil der Mobilfunknetzbetreiber hat nach wie vor A1 Telekom die Nase vorne (42%). T-Mobile konnte Ende 2014 30% der MobilfunkteilnehmerInnen für sich verbuchen, Hutchison 28%. Auch im Festnetz führt A1 Telekom mit deutlichem Abstand vor Tele2, COLT und UPC.

Contentdienste sorgen für deutlichen Anstieg von Kundenbeschwerden

Einen deutlichen Sprung nach oben machten die Kundenbeschwerden bei der von der RTR eingerichteten Telekom-Schlichtungsstelle. Nach zweijährigem Rückgang stieg die Zahl der Schlichtungsverfahren wieder an, und zwar von 2.859 im Jahr 2013 auf 3.879 im Jahr 2014. Vor allem Contentdienste, die per Klick am Smartphone aktiviert und bezahlt werden können, sorgen regelmäßig für böse Überraschungen beim Erhalt der Telefonrechnung. Viele der betroffenen BeschwerdeführerInnen bestreiten, die angebotenen Dienste, z.B. Gewinnspiele oder Videodownloads, bestellt zu haben. Die RTR hält es für ein Problem, dass Contentdienste im Gegensatz zu klassischen Mehrwertdiensten nicht reguliert sind, also etwa wie bei Abodiensten nach jeweils 10 € keine neuerliche Zustimmung des Nutzers erforderlich ist. Sie urgiert daher eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes.

Ein häufiger Beschwerdegrund waren auch durchgeführte einseitige Vertrags- und Entgeltänderungen. Deutlich zurückgegangen sind hingegen unlautere Praktiken im Bereich der klassischen Mehrwertdienste. Nur noch insgesamt 136 Beschwerden betrafen entweder Mehrwertnummern oder Mehrwert-SMS, was einem Beschwerdeanteil von 3,5% entspricht. Von ihrer Kompetenz, mittels Mandatsbescheid Rufnummern wegen missbräuchlicher Verwendung unverzüglich zu sperren, musste die RTR in keinem einzigen Fall Gebrauch machen.

Zu hohe Roaminggebühren für Kroatien

Im Zuge von Aufsichtsverfahren schritt die RTR unter anderem wegen angebotener und nicht angezeigter mobiler Telekommunikationsdienste, Hürden bei der Rufnummermitnahme, unzureichender Kundeninformationen und in unzulässiger Weise durchgeführter einseitiger Entgeltänderungen ein. Die TKK beanstandete darüber hinaus in einem Fall zu hohe Roaminggebühren für Kroatien, Versäumnisse bei der verpflichtenden Veröffentlichung eines Standardangebots und die Verrechnung eines Entgelts für Papierrechnungen. Da im letztgenannten Fall die rechtswidrige Praxis trotz Aufforderung nicht abgestellt wurde, machte die Regulierungsbehörde erstmals von der Möglichkeit Gebrauch, beim Kartellgericht eine Abschöpfung der unzulässigen Bereicherung zu beantragen. Das Verfahren war bei Berichterstellung noch anhängig.

Ausdrücklich hingewiesen wird im Bericht auch darauf, dass die Frequenzauktion vom September 2013, die einen Erlös von 2 Mrd. € brachte, höchstgerichtlich abgesegnet und der Zuteilungsbescheid der TKK bestätigt wurde. Die Regierungsbehörden bekamen vom Verwaltungsgerichtshof demnach in allen kritisierten Punkten Recht.

Zahl der Postgeschäftsstellen sank von 1.890 auf 1.804

Angestiegen ist auch die Zahl der Beschwerdefälle bei der Post-Schlichtungsstelle der RTR, und zwar von 68 auf 92. Wie in den letzten Jahren stellten Zustellmängel den häufigsten Beschwerdegrund dar. Ebenfalls wiederkehrende Beschwerdethemen waren die Beschädigung oder der Verlust von Paketsendungen und Probleme bei Nachsendeaufträgen.

Die Zahl der Postgeschäftsstellen sank im Jahr 2014 von 1.890 auf 1.804, wobei die Mehrzahl der Schließungen Postpartner betrafen, etwa aufgrund von Konkursen oder Vertragsauflösungen. Von den 533 eigenbetriebenen Postämtern wurden 17 geschlossen, wobei die Post-Control-Kommission (PCK) in einem Fall die Schließung bis zur Inbetriebnahme des als Ersatz genannten Postpartners untersagte, um die gesetzlich geforderte flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Postdienstleistungen weiter zu gewährleisten.

Eine neue Postdienst-Konzession wurde 2014 mangels Antrags nicht erteilt. Da die hurtigflink Zeitungs- und Werbemittel VerteilungsgmbH ihre Konzession 2014 zurücklegte, blieben neben der Post vier konzessionierte Unternehmen übrig. Dazu kommen noch etliche Erbringer einzelner Postdienstleistungen wie Paketzusteller. Überprüfungen der Laufzeit von Brief- und Paketsendungen im Universaldienstbereich führten zu keinen Beanstandungen.

KRONEHIT Radio erhielt neuerlich bundesweite Frequenz

Was die regulatorische Tätigkeit der KommAustria betrifft, informiert der Bericht unter anderem darüber, dass der KRONEHIT Radio BetriebsgmbH im August 2014 neuerlich eine zehnjährige Zulassung für ein bundesweites Privatradioprogramm erteilt wurde. Mit 148 Sendestandorten werden etwa 7,2 Millionen EinwohnerInnen versorgt. Andere Antragsteller für einen bundesweiten Radiosender gab es bis Ende 2014 nicht. Neben weiteren regionalen und lokalen Sendern hat die KommAustria im Vorjahr auch zehn Eventradios, z. B. anlässlich des GTI-Treffens in Kärnten, und sechs Ausbildungsradios genehmigt.

Die rund ein Dutzend eingeleiteten Entzugsverfahren betrafen unter anderem unzulässige Änderungen des Musikformats und die Nichtinbetriebnahme von zugewiesenen Übertragungskapazitäten. Außerdem wurden Rechtsverletzungsverfahren wegen des Verdachts des Sendens ohne Zulassung und nicht angezeigter Eigentumsänderungen geführt.

Im TV-Bereich erteilte die KommAustria sechs Satellitenzulassungen (ATV, Pro Sieben MAXX Austria, SAT.1 Gold Österreich, DAF AUSTRIA, gotv und 24-tv). Überdies wurden insgesamt 32 Kabelfernsehprogramme, sieben über das Internet verbreitete Fernsehprogramme sowie 23 Mediendienste auf Abruf angezeigt.

Gegen den ORF wurden 2014 neun Beschwerden wegen der Verletzung von Programmgrundsätzen eingebracht, vorrangig wegen behaupteter Missachtung des Objektivitäts- und Unparteilichkeitsgebots. Viermal wurde keine, zweimal eine (teilweise) Rechtsverletzung festgestellt, wobei ein Teil der Verfahren zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch nicht rechtskräftig entschieden war. Die drei anderen Verfahren liefen zum Jahresende noch. In einigen weiteren Fällen schritt die KommAustria von sich aus gegen den ORF ein, auch private Fernsehveranstalter wurden, insbesondere wegen Verletzungen des Werberechts, ein gutes Dutzend Mal gerügt.

Medientransparenzgesetz: Fünf Verwaltungsstrafverfahren pro Quartal

Was das Medientransparenzgesetz betrifft, hat sich die Meldequote im Jahr 2014 laut Bericht auf hohem Niveau stabilisiert. Im Jahresdurchschnitt mussten je Quartal rund fünf Strafverfahren wegen unterlassener Meldung geführt werden.

86% der österreichischen Fernsehhaushalte empfangen Digital-TV

Weiter fortgeschritten ist die Digitalisierung des Fernsehens. Mit Ende des Jahres 2014 lag der Digitalisierungsgrad der österreichischen TV-Haushalte bei 86% (+5% gegenüber 2013). Nur über Kabel-TV werden zum Teil noch analoge TV-Signale empfangen. Die Regulierungsbehörden sind aber zuversichtlich, dass auch dieses "letzte analoge Bollwerk" bis September 2016 sukzessive sein Leben aushauchen wird. Insgesamt schrumpfte der Anteil der Haushalte mit Kabelempfang 2014 auf 41% (27% mit Digital- und 14% mit Analogempfang), Satelliten-Haushalte legten gleichzeitig von 50% auf 53% zu. Die Zahl der Haushalte mit terrestrischem Empfang blieb stabil bei 6%.

Medienkonvergenz ist auf dem Vormarsch, TV-Geräte werden immer größer

Auch andere technologische Entwicklungen machen vor dem Fernsehen nicht Halt und stellen die Medienregulierung vor neue Herausforderungen, wie der Bericht vermerkt. So werden Medienangebote zunehmend auf verschiedensten Kanälen, vom Fernseher bis zum Smartphone, konsumiert und immer häufiger auch von den NutzerInnen selbst generiert. Mit der Vielzahl neuer Übertragungsmöglichkeiten und der Digitalisierung der Verbreitungswege stelle sich regulatorisch vorrangig nicht mehr die Frage der Verwaltung von Engpässen, vielmehr trete die Frage nach der Sicherung der Angebots-und Anbietervielfalt in den Vordergrund, heben die Regulierungsbehörden hervor, wobei sie vor allem auf das Problem der Auffindbarkeit einzelner Inhalte aufmerksam machen. Content anzubieten, sei einfach, bedeutsam sei, ob ein gleichberechtigter Zugang ohne größere Hürden gewährleistet werden könne.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen stellt sich für die AutorInnen des Berichts außerdem die Frage, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht zu einem öffentlich-rechtlichen Medienhaus werden müsse, wobei sie konkret den Entfall der Beschränkung auf die beiden traditionellen Verbreitungsformen Hörfunk und Fernsehen - mit lediglich ergänzendem Online-Angebot - ansprechen. Sie sehen überdies die Notwendigkeit, das Augenmerk verstärkt auf die Medienkompetenz der NutzerInnen zu richten, auch was den Umgang mit den eigenen Daten betrifft.

Als ein augenscheinliches Beispiel für konvergentes Fernsehen führt der Bericht unter anderem das wachsende Angebot an Internet-Videotheken an. Mit Netflix und Amazon Instand Video seien im Herbst zwei der größten Global Player in den österreichischen Markt eingestiegen. Zusammen mit den schon 2013 gestarteten Angeboten Maxdome und Snap und der im Ausbau befindlichen österreichischen Plattform Flimmit konkurrierten damit nun auch in Österreich namhafte Over-the-Top-Angebote (OTT) mit linearen TV-Programmen um die Vorherrschaft auf den Fernsehgeräten, heißt es im Bericht.

Befördert wird der Konvergenz-Trend durch den zunehmenden Verkauf internetfähiger Fernsehgeräte, vielfach mit WLAN-Modul, die noch dazu immer größer werden. Das treibt auch die Nachfrage nach Fernsehprogrammen in HDTV-Auflösung an. Inzwischen werden auch zunehmend Geräte mit dem neuen Standard 4K verkauft, auch Ultra HD genannt. Zwar gibt es derzeit kein entsprechendes TV-Programm dazu, die Regulierungsbehörden rechnen aber damit, dass Online-Anbieter wie Amazon oder Netflix mit ihren UHD-Angeboten mittelfristig Druck auf lineare TV-Veranstalter ausüben werden.

Digitalisierung des Radios verzögert sich weiter

Wenig Bewegung gibt es hingegen bei der Etablierung von digitalem Radio in Österreich. Ein Regelbetrieb sei weiterhin nicht in Sicht, hält der Bericht fest. Ursprünglich wollten einige Privatradioveranstalter 2014 einen Testbetrieb auf Basis des Übertragungsstandards DAB+ starten, dieser hat sich allerdings verzögert. Zuletzt ist laut Bericht auch das bundesweite Privatradio KRONEHIT abgesprungen.

Presseförderung ging deutlich zurück

Ein eigenes Kapitel im Kommunikationsbericht widmet sich den von der KommAustria verwalteten staatlichen Fördertöpfen für den Medienbereich. Daraus geht unter anderem hervor, dass 116 von 125 Ansuchen um finanzielle Zuwendungen nach dem Presseförderungsgesetz bewilligt wurden, wobei der Umfang der Presseförderung deutlich von 10,84 Mio. € im Jahr 2013 auf 8,65 Mio. € im Jahr 2014 sank. Grund dafür sind unter anderem die Einstellung der "KTZ - Kärntner Tageszeitung" und die Änderung des Presseförderungsgesetzes, die zur Folge hatte, dass ein Ansuchen der Salzburger Volkszeitung um besondere Presseförderung abgelehnt werden musste, weil dort weniger als zwölf hauptberuflich tätige JournalistInnen beschäftigt waren. Presseförderung erhielten letztendlich 12 Tageszeitungen und 38 Wochenzeitungen.

Um Publizistikförderung suchten 92 Zeitschriften an, 76 von ihnen wurden schließlich mit einem Betrag zwischen 1.360 € und 10.880 € gefördert. Zuschüsse gab es überdies für den Österreichischen Presserat und den Österreichischen Werberat als Selbstkontrollorgane.

Fernsehfonds Austria förderte 60 Fernsehfilme und TV-Serien

Der Fernsehfonds Austria, der im Jahr 2004 zur Stärkung der österreichischen Filmwirtschaft eingerichtet wurde, gab im Jahr 2014 Förderzusagen im Ausmaß von 13,37 Mio. € ab. Letztendlich erhielten 60 von 78 eingereichten Projekten eine finanzielle Unterstützung, davon 14 Fernsehfilme, zwei Serien und 44 Dokumentationen.

Der Fonds zur Förderung des privaten Rundfunks (Privatrundfunkfonds) vergab 2014 Förderungen im Ausmaß von 15,37 Mio. €., wobei beim ersten Antragstermin 47 Privatfernseh- und 44 Privathörfunkveranstalter und beim zweiten Antragstermin 31 Privatfernseh- und 26 Privatradiobetreiber Förderzusagen erhielten. Dazu kommen einzelne Ausbildungseinrichtungen. Mehr als 90% der Mittel flossen in die Förderung von Inhalten - insbesondere für Informations- und Kultursendungen sowie regionale Berichte -, weiters wurden Ausbildungsmaßnahmen sowie Reichweitenerhebung und Qualitätsstudien gefördert.

Für den nicht kommerziellen Rundfunkfonds standen 2014 Fördermittel in der Höhe von 3 Mio. € zur Verfügung, gefördert wurden 14 nicht kommerzielle Radios, drei Community-TV-Stationen und zwei Ausbildungsalternativen. Der Digitalisierungsfonds war mit 0,5 Mio. € dotiert, er verfügt außerdem noch über Restmittel aus den vergangenen Jahren.

ÖsterreicherInnen verbringen täglich 174 Minuten vor dem Fernsehgerät

Was die tägliche Mediennutzung betrifft, konnte das Fernsehen 2014 -im Gegensatz zum Radio - ein Plus von fünf Minuten erzielen. Ganze 174 Minuten verbrachten die ÖsterreicherInnen jeden Tag vor dem Fernsehgerät, wobei laut Bericht ältere Leute mehr als jüngere schauen und der TV-Konsum immer häufiger zu einem "Begleitmedium" neben anderen Tätigkeiten mit reduzierter Aufmerksamkeit wird. Auch bei der durchschnittlichen Gesamtreichweite in der Bevölkerungsgruppe 12+ gab es ein leichtes Plus von 1,4 Prozentpunkten auf 63,3%. Grund dafür könnten nach Meinung der AutorInnen die Olympischen Winterspiele und die Fußball-Weltmeisterschaft gewesen sein.

Bei den Marktanteilen gab es hingegen nur wenig Bewegung. Die ORF-Flotte, ATV und deutsche Programme verloren leicht, während Puls4 geringfügig zulegen konnte. Innerhalb des ORF gehören ORF eins und ORF III zu den Gewinnern, ORF 2 rutschte hingegen ab.

Die meisten Menschen in Österreich erreicht nach wie vor das Radio. 81% der Bevölkerung ab 14 Jahren drehten im Jahr 2014 zumindest einmal am Tag am Radioknopf, damit blieb dieser Wert konstant. Allerdings ging die durchschnittliche Hördauer um sechs Minuten auf 189 Minuten pro Tag zurück, seit 2008 wurden damit bereits schon 20 Minuten eingebüßt.

Die Tageszeitungen sind, hält der Trend weiter an, auf dem besten Weg hinter die Internet-Nutzung abzurutschen. Noch gab es 2014 mit je 69% Tagesreichweite bei der Bevölkerung ab 14 Jahren ein Unentschieden, das Internet holte allerdings von 57% auf 69% auf, während die Tageszeitungen von 72% auf 69% abrutschten und damit einen historischen Tiefpunkt erreichten. Durchschnittlich verbrachten die NutzerInnen täglich 83 Minuten im Netz (+ 1 Minute gegenüber 2013), der Zeitung schenkten sie im Schnitt 30 Minuten ihre Zeit.

Werbemarkt: Online und TV gewinnen, Tageszeitungen verlieren

Die Bruttowerbeeinnahmen der klassischen Medien stiegen 2014 um 1,9% auf 3,11 Mrd. €, wobei die Erlöse von FOCUS Media Research anhand offiziell verfügbarer Preislisten ermittelt werden und Rabatte nicht erhoben werden können, wie der Bericht vermerkt. Rückschlüsse auf die Nettoerlössituation der Medien sind daher nur bedingt möglich. Allerdings lassen sich Trends erkennen.

So verzeichnen laut Bericht die Tageszeitungen etwa erstmals ein sichtbares Minus beim Jahresergebnis. Sie büßten rund 2,9% beim Bruttowerbeumsatz ein, bei den sonstigen Printmedien sind es 2,6%. Das Fernsehen konnte die Bruttowerbeumsätze hingegen um 10,7% auf rund 945 Mio. € steigern, wobei die Privatsender deutlich mehr zulegten als der ORF. Hält die Entwicklung an, könnte das Fernsehen zum Ende des Jahres 2015 die Tageszeitungen bei den Bruttowerbeerlösen eingeholt haben.

Wegen vielfach undurchsichtiger Preismodelle und anderer Hürden schwierig gestaltet sich die Berechnung der Bruttoerlöse aus Online-Werbung. FOCUS Media Research hat für 2014 in jedem Fall aber ein deutliches Plus von 21% für klassische Werbung im Internet wie Werbebanner errechnet. Mittlerweile werden demnach - ohne Suchmaschinen-Werbung - 228,9 Mio. € umgesetzt. Damit wurden die Bruttowerbeeinnahmen des Hörfunk (195,8 Mio. €) überholt. Etwas erholt hat sich die Außenwerbung: Citylights und Plakatwände waren über das Jahr um 4,7% besser ausgelastet als 2013.

Herausforderung Netzneutralität

Einen speziellen Fokus legt der Bericht auf das Thema Netzneutralität. Nach Meinung der Regulierungsbehörden könnte es enorme Auswirkungen haben, sollten in Zukunft nicht mehr alle Datenpakete im Internet gleich behandelt werden und bestimmte Datenanwendungen und Dienste eine "Überholspur" erhalten. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern von Inhalten und Applikationen und den Produzenten elektronischer Medien könnten durch Spezialdienste verzerrt werden, warnt die RTR und weist darauf hin, dass sie sich bereits im Mai 2013 in einem Positionspapier für den Erhalt des innovations- und wachstumsfördernden offenen Charakter des Internets ausgesprochen hat. Sie kann sich gegebenenfalls auch einen österreichischen Alleingang zur Absicherung des offenen Internets vorstellen, sollte es auf EU-Ebene in absehbarer Zeit zu keiner einheitlichen Netzneutralitätsregelung kommen.

Eine rasche politische Entscheidung mahnen die Regulierungsbehörden schließlich in Bezug auf die "Digitale Dividende II" ein. Gemäß den Plänen der EU sollen derzeit dem Rundfunk vorbehaltene Frequenzen aus dem Bereich 700 MHz ab dem Jahr 2020 europaweit für Mobilfunk genutzt werden. Die ehestmögliche Nutzung dieser Frequenzen für mobile Anwendungen könnte einen wesentlichen Beitrag zur Breitbandversorgung der Bevölkerung, insbesondere in ländlichen Gebieten, leisten, heben Elfriede Solé, Vorsitzende der TKK und der PCK, Michael Ogris, Vorsitzender der KommAustria, Alfred Grinschgl, RTR-Geschäftsführer des Fachbereichs Medien, und Johannes Gungl, RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Telekommunikation und Post, im Vorwort des Berichts hervor. (Schluss) gs

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