Tiroler Tageszeitung, Ausgabe von Sonntag 26. Juli 2015; Leitartikel von Mario Zenhäusern: "Legistische Grauzone"

Innsbruck (OTS) - In Österreich gibt es einen legalen und einen illegalen Cannabis-Markt. Der Übergang ist fließend und gehört endlich saniert.

Cannabis ist die Droge Nummer eins in Europa. Fast ein Viertel aller Europäer zwischen 15 und 64 Jahren geben an, die Droge zumindest einmal ausprobiert zu haben. Ein Prozent gibt an, täglich Cannabis zu konsumieren. (Quelle: Europ. Drogenbericht 2015). Österreich nimmt in dieser Statistik keine Ausnahmestellung ein. Auch hierzulande wird gekifft, was das Zeug hält. In Innsbruck bildet der Handel mit Cannabis die Grundlage der wirtschaftlichen Existenz der kriminellen Nordafrika-Szene, wie einschlägige Aufgriffszahlen der Polizei beweisen.
Hinzu kommt ein regelrecht boomender, an sich legaler Markt mit der Cannabispflanze, der Heilkraft und noch vieles mehr zugeschrieben werden. Dieser Handel ist so lange legal, als der Verkäufer nicht davon ausgehen muss, dass der Käufer das Produkt "zur Rauchwarenerzeugung" verwendet. Eine vollkommen verworrene, aber eben typisch österreichische Lösung. Der Gesetzgeber drängt die überall aus dem Boden schießenden Hanf-Shops in eine gesetzliche Grauzone und überlässt sie dort ihrem Schicksal.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von ernsthaften Vorstößen, den Konsum von Cannabis zu legalisieren. Nicht nur die Niederlande, auch andere Staaten wie Tschechien oder einzelne Bundesstaaten der USA, haben ihre Drogenpolitik in dieser Hinsicht geändert.
Auch Österreich wird sich dieser Debatte stellen müssen. Der Gesetzgeber muss sich endlich für oder gegen die Freigabe entscheiden. Was gar nicht geht, ist die weitere Duldung der bestehenden legistischen Grauzone, die lediglich zum Missbrauch animiert und damit alle involvierten Personen diskreditiert, wenn nicht kriminalisiert.

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