TIROLER TAGESZEITUNG, Ausgabe vom 23.07.2015, Leitartikel von Lukas Schwitzer: "Ohne Kompromisse keine Chance"

Innsbruck (OTS) - Die französische Regierung will in der Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels einen Durchbruch erzielt haben. Bei einem informellen Ministertreffen in Paris habe man sich in wichtigen Punkten geeinigt, die bisher ein weltweit verbindliches Abkommen zum Klimaschutz blockierten. Eine erfreuliche Nachricht in einer Debatte, die seit Jahren im diplomatischen Treibsand festhängt.
Die frohe Botschaft von Frankreichs Verhandlungsführerin Laurence Tubiana muss aber relativiert werden. An dem Treffen in der französischen Hauptstadt nahmen nur Vertreter von 46 Staaten teil. Weit entfernt von den 195, die ab dem 30. November zusammentreten sollen, um den Kampf gegen den Klimawandel endgültig zu einem gemeinsamen Anliegen zu machen. Denn ein solches ist er bei Weitem nicht für alle Beteiligten. Die Verantwortung für die längst wissenschaftlich belegte globale Erwärmung will niemand bei sich selbst suchen.
Für die westlichen Industriestaaten sind die Sündenböcke für den hohen weltweiten Kohlendioxidausstoß bereits klar: Die Schwellenländer, allen voran China und Indien, produzieren immer mehr Schadstoffe. China hat den langjährigen Spitzenreiter USA in absoluten Zahlen sogar überholt. Tendenz für die Zukunft klar steigend. Allerdings produzieren alleine die Vereinigten Staaten und Australien jeweils mehr als doppelt so viel CO2 pro Einwohner wie China. Und mehr als das Zehnfache dessen, was Indien pro Kopf in die Atmosphäre schießt. Auch die bevölkerungsreichsten Länder der Erde kennen also Schuldige. Sie fordern von den Industriestaaten eine Anerkennung ihres Rechts auf Wachstum. Und die ärmsten Länder werden für Klimaschutzmaßnahmen Finanzhilfen brauchen.
Es darf damit niemanden wundern, dass bislang kein Weltklimagipfel zum Erfolg geführt hat. Die Verantwortung auf andere abzuwälzen, wird den Stillstand in der Klimapolitik aber nur weiter verlängern. Stattdessen muss vor der eigenen Haustüre gekehrt werden. Sowohl Industrie- als auch Schwellenländer müssen endlich bereit sein, auch finanzielle Einbußen hinzunehmen, um ihren Schadstoffausstoß zu verringern. Das Wirtschaftswachstum kann nicht auf ewig als oberstes Ziel vorangestellt werden. Der französische Außenminister Laurent Fabius brachte es im Rahmen des jüngsten Treffens auf den Punkt: "Es ist an der Zeit, Kompromisse zu machen."

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