Volkshilfe: Ohne Erben kein sozialer Aufstieg

Fenninger: „Auch deshalb fordern 73 Prozent der ÖsterreicherInnen eine stärkere Besteuerung von Vermögen“

Wien (OTS) - Die neueste Studie der Oesterreichischen Nationalbank zeigt, dass Erben nach wie vor wichtiger ist für den sozialen Aufstieg, als ein hohes Einkommen zu erzielen. Erich Fenninger, der Direktor der Volkshilfe Österreich sagt dazu: "Die Studie macht die Leistungslüge einmal mehr deutlich und bestätigt, wovor WissenschaftlerInnen und ÖkonomInnen wie Thomas Picketty schon seit längerem warnen: Einer vom Erbe dominierten Gesellschaft, in welcher laut Verfassung alle die gleichen Chancen haben sollen, in Wirklichkeit aber ein gelungenes Leben von der Herkunft und vom sozialen Umfeld abhängt".

Nicht nur die Studie der OeNB, sondern auch jene der OECD, der Wirtschaftsuniversität, die Thesen von Picketty und vielen weiteren ExpertInnen und WissenschaftlerInnen machen die Vermögenssituationen und die Auswirkungen auf das Leben und auf eine gerechte Verteilung sichtbar. Auch der Volkshilfe Sozialbarometer zeigt, dass die ÖsterreicherInnen die ungleiche Verteilung von Vermögen, Besitz und Einkommen spüren. "Die Sachlage ist klar, nun braucht es den politischen Willen. Chancengleichheit, unabhängig von jeglicher Herkunft, muss hergestellt und verhindert werden, dass man nur mit Erbschaft, also einem leistungsfreiem Zuverdienst, nach oben kommt. Bei Vermögen geht es nämlich nicht nur um ökonomische Absicherung. Status, Macht und Netzwerke gehen mit einem sehr hohen Vermögen einher", sagt Fenninger und bezieht sich damit abermals auf den Sozialbarometer, laut welchem 68% der Befragten zustimmen, dass Personen mit hohem Vermögen mehr Möglichkeiten haben, politische und gesellschaftliche Interessen einzubringen.

Die OeNB-Studie zeigt außerdem, wie wichtig der Wohlfahrtsstaat für arme Haushalte ist: "Während vermögende Menschen sowohl von der sozialen Absicherung, als auch durch ihr Vermögen abgesichert sind, können sich sozio-ökonomisch schlechter gestellte Menschen nur durch die wohlfahrtsstaatlichen Leistungen absichern. Fallen diese weg, ist der Weg in die Armut vorprogrammiert" sagt Fenninger und kritisiert damit auch auf die Ankündigungen der ÖVP, sich in nächster Zeit wieder verstärkt der Mindestsicherung zu "widmen". "25% der BezieherInnen sind Kinder, 6% im Pensionsalter ohne Pensionsberechtigte. Des Weiteren können zum Beispiel pflegende Angehörige, Mütter mit Kleinkindern oder psychisch und körperlich Kranke ihre Arbeitskraft nicht einsetzen. Angesichts dieser Tatsachen kann man die angekündigte Richtung und Argumentation nur als zynisch bezeichnen, auch in Anbetracht dessen, dass die Forderung nach vermögensbezogenen Steuern für die Superreichen von genau dieser Gruppe an Personen häufig als Neiddebatte abgetan wird", sagt der Direktor abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Volkshilfe Österreich
Melanie Rami, MA
+43 (0) 676 83 402 228
melanie.rami@volkshilfe.at
www.volkshilfe.at/presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VHO0002