Sozialministeriums-Studie zeigt verzerrenden Teil der Realität

Agenda Austria: Senioritätsprinzip ist großer Stolperstein für ältere Arbeitnehmer bei Jobsuche - Gesamter Arbeitsmarkt muss betrachtet werden

Wien (OTS) - In ihrer neuen Studie "Jung, älter, arbeitslos?" zeigt die Agenda Austria auf, dass das automatische Ansteigen der Löhne mit dem Alter kontraproduktiv ist: Ältere Arbeitnehmer, die einen neuen Job suchen, haben wegen dieses Senioritätsprinzips stark verringerte Chancen auf eine neue Stelle, sie sind zu teuer. Das Senioritätsprinzip ist in Österreich besonders stark ausgeprägt und auch mit ein Grund, warum in Österreich nur gut 40 Prozent der 55-bis 64-Jährigen im Erwerbsleben stehen während es in Schweden etwa 70 und in Deutschland etwa 60 Prozent sind. Die Agenda Austria plädiert daher u.a. für das Leistungs- statt das Senioritätsprinzip: Die Lohnkurve sollte mit dem Alter weniger stark steigen, dafür sollte am Höhepunkt der Leistungsfähigkeit mehr verdient werden.

Heute präsentierte das Sozialministerium eine Untersuchung, in der es um die 30 wichtigsten Kollektivverträge geht, wie es heißt. Mit dem Ergebnis, dass das Senioritätsprinzip keinen signifikanten Einfluss auf die Beschäftigung bzw. Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer habe. Die im Auftrag des Sozialministeriums ausgearbeitete Studie zeigt aber nur einen verzerrenden Teil der Realität. Die Agenda Austria hat sich nicht auf 30 Kollektivverträge beschränkt, sondern den gesamten Arbeitsmarkt untersucht und festgestellt: Das Senioritätsprinzip schwächt die Chancen auf Wiedereinstellung deutlich. Was die Beschäftigung betrifft, haben sowohl die OECD als auch die Johannes Kepler Universität Linz (die bereits für das Sozialministerium geforscht hat) nachgewiesen, dass sich die deutlichen Lohnsteigerungen mit dem Alter negativ auf die Beschäftigung auswirken.

Warum sollte der gesamte Arbeitsmarkt analysiert werden? Weil die Kollektivverträge in Österreich einen Anhaltspunkt bei der Lohnfindung in allen Sektoren haben, sich also überall auswirken.

Interessant ist, dass die von Sozialminister Rudolf Hundstorfer präsentierte Untersuchung den öffentlichen Sektor außer Acht lässt. Dort ist das Senioritätsprinzip ja besonders stark ausgeprägt und die Arbeitslosigkeit niedrig, was Wasser auf die Mühlen des Sozialministeriums wäre. Zwar gibt es im öffentlichen Dienst kaum Arbeitslosigkeit, dafür ist das Pensionsantrittsalter niedrig - was wiederum nicht zuletzt eine Folge des Senioritätsprinzips in der Entlohnung ist.

Dass es neben dem Senioritätsprinzip auch andere Gründe für die Arbeitslosigkeit bzw. niedrige Beschäftigung Älterer gibt, ist unbestritten. Deshalb befürwortet die Agenda Austria in ihrer Studie auch Anreize für Arbeitgeber, gute und sichere Arbeitsbedingungen zu schaffen, etwa nach dem Vorbild der Niederlande: Dort müssen Arbeitgeber in Branchen, in denen es viele Invaliditätsfälle gibt, einen höheren Beitrag in die Versicherung einzahlen. Ein anderer Faktor ist die Ausbildung: Ältere Personen mit niedriger Bildung, also etwa Arbeiterinnen, auf die die Studie des Sozialministeriums verweist, sind öfters arbeitslos. Hier würde höhere Qualifikation helfen. Was aber nicht bedeutet, dass das Senioritätsprinzip für andere Gruppen nicht einen Stolperstein darstellt, der verkleinert oder aus dem Weg geräumt werden sollte.

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Mag. Cornelia Mayrbäurl, cornelia.mayrbaeurl@agenda-austria.at, 0664/88789724

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