Natürliche Kühlung gegen die Gluthitze in der Stadt

Wien setzt Maßnahmen gegen Urbane Hitzeinseln – die beste Klimaanlage kommt aus der Natur

Wien (OTS) - Brütende Hitze dieser Tage in der Stadt - und im dicht bebauten Gebiet ist es gleich noch einmal deutlich heißer und drückender. Asphalt, Beton und Dächer sorgen dafür, dass die Temperaturen im direkten Umfeld noch weiter steigen. Es entstehen regelrechte städtische Hitzeinseln - "Urban Heat Islands". Das Phänomen ist bekannt - nimmt aber durch den globalen Klimawandel noch weiter zu. Sofern nicht städtebauliche Gegenmaßnahmen getroffen werden, um diese Entwicklung zumindest abzumindern.

"Wien ist eine der ersten Städte Europas, die dieses Thema nicht nur gemeinsam mit PartnerInnenn aus der Wissenschaft und einiger anderer europäischer Städte erforscht, sondern auch gezielte Gegenmaßnahmen entwickelt hat und nun Schritt für Schritt umsetzt", so Wiens Umweltststadträtin Ulli Sima. - Grundlage ist der "Urban Heat Islands Strategieplan Wien" (UHI-STRAT Wien). "Im Rahmen unseres "Central Europe"-Projektes zum Thema städtische Hitzeinseln zeigte es sich, dass trotz der zahlreichen bisher gesetzten Aktivitäten weitere Anstrengungen notwendig sind, um den negativen klimatischen Auswirkungen der urbanen Hitzequellen ausreichend zu begegnen", berichtet Karin Büchl-Krammerstätter, Leiterin der Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22.

Noch mehr Grünräume für die wachsende Stadt

Was den Effekt des lokalen Aufheizens deutlich reduziert, ist die städtische grüne Infrastruktur: Seien es Parks, landwirtschaftliche Flächen, aber auch offene Wasserflächen, aber auch Alleen und begrünte Gebäude. "Daher ist es gerade in einer wachsenden Stadt wie Wien besonders wichtig, Maßnahmen zur Reduktion derartiger Urban Heat Islands zu setzen und genau das tun wir laufend", so Sima. Beispielhaft genannt seien die vielen neuen Parkanlagen, die "Wohnzimmer im Freien", die laufend errichtet werden. So etwa aktuell der 7 ha Helmut Zilk Park am Hauptbahnof, die über 8 h a großen drei Parks in der Seestadt Aspern aber auch das 240 ha große Erholungsgebiet "Neue Lobau" oder der Norbert Scheed Wald mit seinen 1000 ha.

Der Urban Heat Strategieplan Wien (UHI STRAT Wien) wurde unter Federführung der Wiener Umweltschutzabteilung - MA 22 erarbeitet, um einerseits auf diese Thematik aufmerksam zu machen - und gleichzeitig auf mehreren Ebenen konkrete Schritte zur Verbesserung des lokalen Stadtklimas zu setzen. Rund 90 derartige Maßnahmen werden im UHI STRAT Wien beschrieben und deren Wirkungen, Synergien und Herausforderungen bei der Umsetzung dargestellt.

Pflanzen, Wasser und Schattenspender

Die Möglichkeiten zur Reduktion der Hitzeinseln reichen von der laufenden Erhöhung des Grünanteils in Straßen und Freiräumen über die Begrünung und natürliche Kühlung von Gebäuden, der Erhöhung des Anteils offener Gewässer in der Stadt bis hin zur Beschattung von Freiräumen und Wegen.

Die Umsetzung erfolgt teils fachübergreifend auf unterschiedlichsten Ebenen der Stadt Wien - wie etwa dem forcierten Pflanzen von Bäumen, Büschen und anderen Grünflächen im Straßenraum. Oder durch Fassadenbegrünungen - wie etwa an der Fassade der MA 48-Zentrale am Margaretengürtel. Vor allem in Stadterweiterungsgebieten wird dabei auch strategisch vorgesorgt - so ist etwa eines der Ziele bei der Errichtung der Seestadt in Aspern, dass es nach Fertigstellung möglichst keine Straße ohne Baum geben soll.

Grün auf Dächern, Fassaden und in Innenhöfen

Gleichzeitig wurden aber auch PPP-Modelle entwickelt, um gemeinsam mit privaten Partnern die Schaffung von kühlenden Inseln zu unterstützen - seien es Fassadenbegrünungen, Dachbegrünungen, Innenhofbegrünungen oder beispielsweise ein Regenwassermanagement mit offenen Wasserflächen.

Nicht zuletzt können aber auch die BewohnerInnen der Stadt selbst mithelfen, das lokale Klima in der Stadt deutlich zu verbessern. Hier gilt der Grundsatz: "Jeder einzelne Pflanzentrog hilft bereits und arbeitet wie eine kleine Klimaanlage - gänzlich ohne Strom", betont die MA 22-Leiterin Karin Büchl-Krammerstätter.

Ursachen der Hitzeinseln

Wie Untersuchungen zeigten, sind es mehrere Faktoren, die urbane "hot spots" verstärken: Zum einen speichern Gebäude und versiegelte Oberflächen die Energie stärker als natürliche Oberflächen. Denn bei bewachsenen Flächen kühlen Verdunstungsprozesse die Umgebung. Dazu kommt dann noch die Abwärme aus Betrieben, Klimaanlagen und Kraftfahrzeugen. Und nicht zuletzt sind die bebauten Flächen eine Barriere für den Luftaustausch und blockieren das "kühle Lüfterl" aus den umliegenden Wäldern und Landflächen. Eine weitere Folge ist, dass dicht bebaute Flächen in der Nacht nicht so gut abkühlen - und das verkürzt die wichtigen Erholungspausen für die StadtbewohnerInnen.

Temperaturunterschiede bis zu 12 Grad

Im Schnitt führt das zu einem Temperaturunterschied zwischen Stadt und Land von vier bis zu maximal sogar zwölf Grad. Wie die Aufzeichnungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zeigen, kann in Wien die Temperaturdifferenz zwischen der Inneren Stadt und den Randbezirken vier bis für fünf Grad betragen.

Gleichzeitig zeigen sich die Folgen des Klimawandels auch in Wien:
Gab es zwischen 1961 und 1990 noch im Durchschnitt 9,6 Hitzetage pro Jahr, so stieg dieser Wert bis 2010 bereits auf durchschnittlich 15,2 Hitzetage. Von einem Hitzetag wird gesprochen, wenn die Tagestemperatur die 30 Grad-Marke überschreitet.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/pressebilder

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Georg Patak
Wiener Umweltschutzabteilung (MA 22)
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